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Auf einen Blick: Was Mitbestimmung bewirkt

Mitbestimmung hat eine Vielzahl von positiven Effekten, nicht nur für die Beschäftigten, sondern vor allem auch für die Betriebe selbst. Das zeigt unser Forschungsüberblick.

[Aktualisiert am 25.10.2021]

„Die Mitbestimmung werden wir weiterentwickeln“, haben SPD, Grüne und FDP in ihrem Sondierungspapier im Oktober 2021 angekündigt. Das wäre eine sehr gute Nachricht, wenn daraus Reformen folgen, die die Mitbestimmung in Betrieb und Unternehmen wirksam sichern und stärken.

Dass in Deutschland Beschäftigte Betriebsräte wählen und in großen Unternehmen im Aufsichtsrat mitbestimmen können, gehört zum wirtschaftlichen Erfolgsmodell der Bundesrepublik.

Aktuelle Studien zeigen, dass mitbestimmte Unternehmen zum einen bessere Arbeitsbedingungen bieten und zum anderen wirtschaftlich erfolgreicher sind:

Unternehmen mit Mitbestimmung im Aufsichtsrat haben in der Finanzkrise und in den Folgejahren wirtschaftlich besser abgeschnitten - Mitbestimmung zahlt sich aus.

In Deutschland sind dennoch mindestens 2,1 Millionen Beschäftigte durch legale juristische Kniffe oder rechtswidrige Ignorierung der Gesetze von der paritätischen Mitbestimmung ausgeschlossen. Auch die beiden in die Schlagzeilen geratenen, skandalgeschüttelten Unternehmen Tönnies und Wirecard nutzen Gesetzeslücken zur Mitbestimmungsvermeidung. Dazu auch hier weitere Infos.

Unternehmen, bei denen die Mitbestimmung durch Arbeitnehmer stärker verankert ist, verfolgen häufiger eine meist innovations- und forschungsorientierte Differenzierungsstrategie als Firmen mit schwacher oder ohne Mitbestimmung. Zudem schneiden stärker mitbestimmte Unternehmen über alle strategischen Ausrichtungen hinweg bei wichtigen wirtschaftlichen Kennziffern meist überdurchschnittlich ab.

Wenn Unternehmen paritätisch mitbestimmt sind, investieren sie stärker. Mehr Mitbestimmung könnte dazu beitragen, die Investitionsflaute in der Privatwirtschaft zu beenden. Diese Unternehmen investieren auch mehr in die Zukunft als Firmen mit schwacher oder ganz ohne Arbeitnehmermitsprache im Aufsichtsrat.

Unternehmen mit starker Mitbestimmung nutzen deutlich seltener legale Spielräume in Bilanzierungsregeln, um beispielsweise ihre Gewinnsituation kurzfristig positiver darzustellen, als das vergleichbare Firmen mit schwacher oder ohne Mitbestimmung tun. Auch aggressive Steuervermeidung betreiben mitbestimmte Unternehmen signifikant seltener.

Mitbestimmung im Aufsichtsrat erhöht zusätzlich die Chance, dass sich Unternehmen glaubhaft zur Einhaltung sozialer oder ökologischer Ziele verpflichten.

Mitbestimmte Unternehmen konnten oft besser auf die Herausforderungen der Corona-Krise reagieren: In Betrieben mit Betriebsrat gab es laut unserer repräsentativen Erwerbstätigenbefragung etwa im Juni 2020 fast doppelt so häufig eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes wie in anderen Betrieben. Auch profitierten deren Angestellte öfter von den Möglichkeiten der mobilen Arbeit: Klare Regeln zum Homeoffice hatten demnach 62 Prozent der Betriebe mit Betriebsrat, aber nur 37 Prozent der Betriebe ohne Arbeitnehmervertretung.

Unser Themendienst Böckler Impuls hat in einer Schwerpunktausgabe zum Tag der Arbeit 2020 die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Lage und dem gesellschaftlichen Nutzen der Mitbestimmung zusammengetragen. Die Beiträge zeigen außerdem, wo politischer Handlungsbedarf zum Schutz und zur Stärkung der betrieblichen Mitbestimmung besteht.

Von verlässlicher Urlaubsplanung über höhere Produktivität bis hin zu geringerer Ungleichheit: Was bringt Mitbestimmung für Beschäftigte, Unternehmen und Gesellschaft? Wo wird Mitbestimmung behindert? Wie lassen sich Blockaden auflösen? Unsere Infomappe (pdf) mit aktuellen Ergebnissen aus der Forschung gibt einen Überblick.

2021 ist das Jahr, in dem die Montanmitbestimmung ihr 70-jähriges Jubiläum feiert. In diesem Zusammenhang finden unterschiedliche Tagungen, Veranstaltungen und Aktionen statt:

Betriebsratsarbeit

Welche Maßnahmen ergreifen Betriebsräte, um den Generationenwechsel gut zu bewältigen? Mit dieser Frage im Zentrum haben Julia Massolle und Claudia Niewerth vom Helex-Institut im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung Projekte durchleuchtet, die für den Deutschen Betriebsrätepreis eingereicht wurden. Wie Wissenstransfer und Nachfolgeplanung organisiert werden, erfahren Sie in der Mitbestimmungspraxis Nr. 8 Dezember 2017 (pdf) und im Magazin Mitbestimmung.

Eine langfristige Herausforderung ist es, qualifizierten Nachwuchs für die Betriebsratsarbeit zu gewinnen. Dazu hat das Magazin Mitbestimmung über eine Reihe von Best-Practice-Beispielen berichtet, etwa bei Evonik und der Deutschen Post (pdf, ab Seite 10).

Von der Prävention sexueller Belästigung über Datenschutz am Arbeitsplatz, die Einführung neuer digitaler Arbeitsmittel, eine wertschätzende Unternehmenskultur bis zum Arbeits- und Gesundheitsschutz - Betriebsvereinbarungen zwischen Betriebs- oder Personalräten und dem Management sind wichtig, um Arbeitsbeziehungen verbindlich zu verbessern und transparent zu regeln. Viele Informationen zu aktuellen Auswertungen von Betriebsvereinbarungen sowie Beispiele aus der Praxis finden Sie in unserem digitalen Archiv.

Bei den vergangenen Betriebsratswahlen gab es eine hohe Beteiligung und einen stabilen Frauenanteil – das ergibt eine erste Auswertung der jüngsten Wahlergebnisse.

Gute Mitbestimmung ganz konkret: Beim Deutschen Betriebsrätetag wird jedes Jahr der deutsche Betriebsrätepreis verliehen. Eine kleine Auswahl stellen wir Ihnen im Magazin Mitbestimmung vor. Die Beiträge (und mehr) finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Betriebsrätetag .

 

Weitere Informationen

Basiswissen Mitbestimmung

Das Mitbestimmungsportal des I.M.U.

 

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