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: Fünf Wege zum Ziel

Ausgabe 01+02/2004

Wie funktioniert die Rente von der Firma? Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf ein Vorsorgemodell - vorausgesetzt, er ist bereit, Teile seines Entgelts einzubringen. Dafür winken Steuervorteile und Zulagen vom Staat.

Von Margarete Hasel
Margarete-Hasel@boeckler.de  

Mit dem Inkrafttreten des Altersvermögensgesetzes (AvmG) am 1. Januar 2002 haben sich die Rahmenbedingungen für eine betriebliche Zusatzversorgung, der so genannten zweiten Säule der Alterssicherung, erheblich geändert. Gekürzt wurden unter anderem die Unverfallbarkeitsfristen der Anwartschaften, als "Instrument" neu eingeführt wurde der Pensionsfonds. Neu ist auch der individuelle Anspruch auf die so genannte Entgeltumwandlung.

Grundsätzlich stehen für die Firmenrente fünf unterschiedliche Instrumente, so genannte Durchführungswege zur Wahl:

1. Direktzusagen: bislang die in Deutschland am weitesten verbreitete Form und Gegenstand der aktuellen Diskussion. Das Unternehmen finanziert die Zusatzrente aus betrieblichen Mitteln und bildet dazu in der Regel Pensionsrückstellungen. Im Insolvenzfall abgesichert beim Pensionssicherungsverein (PVS). Auf diese freiwillige Unternehmensleistung besteht kein individueller Rechtsanspruch. Sie kann deshalb - siehe jüngst Commerzbank oder Gerling-Konzern - eingefroren werden, wobei bereits erworbene Ansprüche kaum kürzbar sind.

2. Unterstützungskassen (UK): arbeiten ähnlich wie Lebensversicherungen, wobei die UK die vom Arbeitgeber eingezahlten Beiträge verwalten. Auch hier besteht kein individueller Rechtsanspruch auf diese Leistungen, sie können also gekürzt oder ausgesetzt werden. PVS-gesichert. 

Die meisten Tarifverträge lassen die Wahl zwischen der "Riester-Förderung" mit Zulagen oder der Förderung durch Lohnsteuer- und Sozialabgabenfreiheit ("Eichel-Förderung"), wobei für die Entgeltumwandlung der Tarifvorbehalt gilt. Für die Direktzusage und die Unterstützungskasse ist allerdings per Gesetz keine Riester-Förderung zulässig. Anders sieht es bei den drei weiteren Durchführungswegen aus:

3. Direktversicherungen: ebenfalls ein Klassiker der Altersvorsorge - der Arbeitnehmer verzichtet auf einen Teil seines Gehalts, der vom Arbeitgeber in eine Lebensversicherung eingezahlt wird. Diese Form der Vorsorge muss der Arbeitgeber seit 2002 in jedem Fall anbieten.

4. Pensionskassen: sind rechtlich selbständige Organisationen, die Gelder für die Betriebsrenten verwalten. Funktionieren wie Lebensversicherungsgesellschaften, deren Anlagevorschriften auch für sie gelten. Maximaler Aktienanteil: 35 Prozent.

5. Pensionsfonds: seit 2002 erstmals auch in Deutschland zugelassen. Gesetzlich geforderte Garantie in Höhe der eingezahlten Gelder. Eine Aktienquote von 100 Prozent ist theoretisch möglich. Höheren Renditechancen steht das höhere Risiko für den Sparer gegenüber.

Welche Förderung für den Arbeitnehmer günstiger ist, hängt vom Bruttogehalt, Familienstand, der Zahl der Kinder und der Höhe der Sparleistung ab. Bei der Entgeltumwandlung können jährlich bis zu vier Prozent der jeweils aktuellen Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung (West) in eine Betriebsrente eingezahlt werden, im Jahr 2003 waren das maximal 2.448 Euro.

Bis zu diesem Höchstbetrag bleibt das Einkommen steuerfrei, bis zum Jahr 2008 sind darauf auch keine Sozialabgaben abzuführen. Dies gilt unabhängig davon, wie viel der Arbeitnehmer tatsächlich verdient. Doch gewinnt beispielsweise ab zwei Kindern auch die Riester-Förderung an Attraktivität, denn für jedes Kind gibt es eine Zulage von derzeit 46 Euro, die bis 2008 auf 185 Euro steigt.

Insgesamt jedoch spielt die individuelle Riesterförderung beim Aufbau der zweiten Säule kaum eine Rolle. Wie aus einer aktuellen Infratest-Studie - siehe Tipps zum Weiterlesen, Seite 16 - hervorgeht, nutzt die überwiegende Zahl der Beschäftigten die Entgeltumwandlung. Spitzenreiter bei den "Durchführungswegen" ist die Pensionskasse, während sich bisher nur eine Minderheit für den Pensionsfonds entschieden hat.

Informationen und Entscheidungshilfen

Die schwierige Suche nach der richtigen Altersvorsorge erleichtern unter anderem Beispielrechnungen auf den Internetseiten der verschiedenen Versorgungswerke

www.metallrente.de
http://www.chemie-pensionsfonds.de
www.soka-bau.de
www.hogarente.de
www.infonetz-altersvorsorge.de (Infonetz der Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz, u.a. in Partnerschaft mit dem Sozialministerium NRW)
www.sozialpolitik-aktuell.de (Überblick rund um die Alterssicherung)
www.aba-online.de (Homepage der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V.)

sowie der von Thomas Öchsner, Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung, herausgegebene Band "Die Riesterrente - Strategien für eine gesicherte Altersvorsorge", der auf zwei gleichnamigen Serien in der SZ basiert und die komplexe Materie kompetent und verständlich aufbereitet. München, dtv, 2003, 5,50 Euro.

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