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Thorsten Loher, 42, lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Brunn bei Regensburg. Magazin Mitbestimmung Magazin Mitbestimmung

Mein Arbeitsplatz: Der Gitarrist

Ausgabe 01/2021

Thorsten Loher, 42, lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Brunn bei Regensburg. Er trat auf Donau-Schiffen auf und konnte gut von der Musik leben - bis Corona kam.

Burglengenfeld, Pfarrheim. Ich bin seit 20 Jahren studierter Berufsmusiker. Meine Eltern haben mir als Kind eine Gitarre geschenkt. Danach war für mich schnell klar, dass für mich nichts anderes infrage kommt. Ich habe im Laufe der Jahre in Showbands und in unterschiedlichsten Gruppen gespielt – auch für sehr wenig Geld. In einigen Bands mochte ich nicht einmal deren Musik, aber man muss als freier Musiker schon früh möglichst viel spielen, um sich das nötige Rüstzeug eines Profis draufzuschaffen und um ein Netzwerk zu bilden.

Ich gebe Gitarrenunterricht und trete regelmäßig auf – etwa auf Touristenschiffen auf der Donau. Das bereitet mir sehr viel Freude, weil ich die Gunst des Publikums immer wieder aufs Neue gewinnen muss. Von diesen Engagements stammt der größte Teil meiner Einnahmen.

Aber eigentlich sollte ich sagen: stammte. Denn die Corona-Einschränkungen kommen für mich seit März einem Berufsverbot gleich. Vieles ist dabei nicht nachvollziehbar: Während die Industrie weiterproduziert, darf ich trotz Maske und trennender Glasscheibe nicht einmal Einzelunterricht geben? Dabei sind wir Künstler doch ebenfalls ein Wirtschaftsfaktor. Kulturschaffende beklagen, dass sie keine Lobby haben. Aber das stimmt nicht. Ich bin mittlerweile bei Verdi. Dort kann man einen abgelehnten Antrag auf Corona-Hilfen auch mal juristisch prüfen lassen.

Ich habe die Überbrückungshilfe für Soloselbstständige beantragt. Aber selbst damit wird es nicht reichen. Meine Frau arbeitet bei einem Arzt am Empfang, wir leben vom Ersparten, und dazu verkaufe ich gerade eine Gitarre von 1976.

Wie es weitergeht, weiß ich nicht. Durch die Aussicht auf Impfung sehe ich eigentlich Licht am Ende des Tunnels. Aber vielleicht werde ich ab Sommer Lkw fahren müssen. Das kann ich. Notfalls nehme ich jeden Job. Ich will für meine Kinder eigenes Geld verdienen und ein Vorbild sein.

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