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Wohnungsnot Wohnen

Auf einen Blick: Wohnungsnot in Großstädten

Wie groß ist das Wohnproblem in Deutschland? Welche Instrumente helfen, es zu lösen, welche nicht? Was für Herausforderungen enstehen für den Wohnungsmarkt durch die Corona-Krise? Von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studien liefern eine umfassende empirische Bestandsaufnahme mit detaillierten Daten.

[Aktualisiert am 24.09.2021]

In den deutschen Großstädten fehlen rund 1,9 Millionen günstige Wohnungen, darunter etwa 1,4 Millionen günstige Apartments unter 45 Quadratmetern für Einpersonenhaushalte. Am stärksten Betroffen sind Singles mit geringen Einkommen, aber auch Familien mit fünf und mehr Personen haben zunehmend Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Am größten ist die Lücke in Berlin, Hamburg und Köln. In den 77 deutschen Großstädten fehlen fast zwei Millionen günstige Wohnungen.

Auch über den harten Kern der Wohnungsnot hinaus werden viele Menschen durch Wohnkosten schwer belastet. Vier von zehn Großstadthaushalten, in denen rund 8,6 Millionen Menschen leben, müssen eine problematisch hohe Mietbelastung tragen. Die Städte mit der höchsten mittleren Mietbelastungsquote zeigt die Infografik. Alle Werte im Datenblatt zur Studie (pdf).

Wie hohe Mieten in Großstädten die Armut und die soziale Ungleichheit verstärken, zeigt die neueste von uns geförderte Studie von Dr. Andrej Holm: Fast 13 Prozent der Mieterhaushalte in deutschen Großstädten haben nach Abzug der Miete weniger als das Existenzminimum zur Verfügung. Mieterhaushalte der höchsten Einkommensklasse haben vor Abzug von Warmmiete und Nebenkosten im Mittel 4,4-mal so viel monatliches Nettoeinkommen wie die Haushalte der niedrigsten Klasse. Nach Zahlung der Bruttowarmmiete steigt dieser Faktor auf das 6,7-fache. Grund dafür: Ärmere Haushalte müssen einen weit überdurchschnittlichen Anteil ihres Einkommens fürs Wohnen aufwenden, obwohl sie auf deutlich weniger Wohnraum in schlechter ausgestatteten Wohnungen leben.

Unsere Städteprofile zeigen die Wohnsituation detailliert für jede der 77 deutschen Großstädte. Von Kiel bis München, von Aachen bis Dresden informieren die Profile unter anderem über Wohnkosten, die lokale Lücke an günstigen Wohnungen gestaffelt nach Wohnungsflächen, über Wohnungsgrößen, die vor Ort je nach Einkommen erschwinglich sind, über Eigentumsquoten und Wohnungsausstattungen.

Mieten explodieren, Wohnungen werden luxussaniert, seit Jahren wird zu wenig gebaut. Für Arbeitnehmer ist in vielen Städten kein Platz mehr. Der Markt braucht deshalb dringend ein soziales Gegengewicht. Wie das aussehen kann, zeigt unser Dossier "Bauen für eine demokratische Stadt". Mit einem Interview mit dem Stadtsoziologen Andrej Holm: "Sozialer Wohnungsbau gehört ganz oben auf die Tagesordnung"

  • Immer weniger Sozialwohnungen
    So viele preislich gebundene Mietwohnungen gab es in Deutschland ...

Durch die Corona-Pandemie ist die Situation von potenziellen Immobilienkäuferinnen und -käufern in Deutschland noch schwieriger geworden. Auch Mieterinnen und Mieter bleiben stark belastet. Anders als Anfang vergangenen Jahres durchaus für möglich gehalten, gab es 2020 keine Preiseinbrüche bei Wohnimmobilien, sondern im Gegenteil in vielen Regionen einen zusätzlichen Pandemie-Effekt, der den Preisauftrieb weiter verstärkt hat.

Wohngeld, sozialer Wohnungsbau und die Mietpreisbremse sind die drei wichtigsten Instrumente, mit denen Wohnen bezahlbar gehalten werden soll. Doch derzeit leisten sie „nur einen sehr eingeschränkten Beitrag für die Versorgung der Haushalte mit den größten sozialen Wohnversorgungsbedarfen“, konstatiert unsere neue Studie. Das liege wesentlich an einer problematischen Gewichtung, bei der das Instrument mit dem größten Potenzial – der Aufbau eines ausreichend großen, dauerhaft preisgedämpften Wohnungsbestands – mit vergleichsweise wenig Geld ausgestattet ist.

Wie lässt sich die Wohnungsnot lindern? Es gibt Wege aus der Wohnungskrise: Wissenschaftler haben einen detaillierten Plan entworfen, mit dem sich der öffentliche Wohnungsbau ankurbeln ließe.

Der Wohnungsmarkt ist vielerorts hart umkämpft – oft zu Lasten der finanziell Schwächeren. IMK-Direktor Sebastian Dullien erklärt in unserem Podcast, wie es dazu kam und warum öffentliche Wohnungsbaugesellschaften die bessere Strategie sind als Enteignungen.

Durch die Corona-Krise entstehen neue Probleme auf dem Wohnungsmarkt: Die von der Bundesregierung in ihrem Hilfspaket vorgesehenen Schutzmaßnahmen für Mieterinnen und Mieter gehen dem DGB nicht weit genug. Mietkündigungen sollten mindestens bis Ende September ausgesetzt und weiterhin ein Sonderfonds eingerichtet werden, der in der Zeit nach Corona schnell und unbürokratisch Mietzuschüsse gewährt.

Mitte Februar gab es den Auftakt der Kampagne "Mietenstopp! Denn dein Zuhause steht auf dem Spiel". Diese fordert einen sofortigen bundesweiten Mietenstopp für die kommenden sechs Jahre. Vorgestellt wurde diese von sechs Kampagnenvertreter*innen (Deutscher Mieterbund, Deutscher Gewerkschaftsbund, Paritätischer Gesamtverband, 23 Häuser sagen NEIN (Berlin), #ausspekuliert (München) und Recht auf Stadt Köln). Anlass ist die Wohnraumoffensive der Bundesregierung, welche aus Sicht der Kampagnenpartner:innen für Mieter:innen eine schlechte Bilanz besitzt. Die auf dem Wohngipfel 2018 beschlossenen Maßnahmen haben keine Kehrtwende auf dem Wohnungsmarkt eingeleitet.

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