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Mitbestimmung: Beschäftigte beteiligen, Betriebsräte entlasten

Ausgabe 06/2019

Neue Technik und neue Aufgaben verändern die Arbeit vieler Betriebsräte. Gleichzeitig haben Beschäftigte heute häufiger den Anspruch, selbst zu gestalten. Von Manuela Maschke, Referatsleiterin am Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung

Digitale Technologien verändern die Arbeit, auch die der Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter. Aufgaben sollen in kürzeren Abständen und schneller bearbeitet und gelöst werden. Betriebsräte sind heute für viel mehr Themen zuständig, sie sitzen in übergreifenden Digitalisierungsausschüssen, sind Teil von neuen Netzwerken innerhalb und außerhalb des Betriebs, müssen den Umgang mit Social Software und Plattformen beherrschen. Um die Vielzahl der digitalen Projekte zu begleiten, müssen sie ihre Arbeit in Ausschüssen auch anders organisieren. Die Technik gibt ihnen aber auch neue Möglichkeiten, Beschäftigte besser zu erreichen, zu beteiligen und sich damit auch Unterstützung für ihre gewachsenen Aufgaben zu organisieren. 

„Wir geben mehr Verantwortung in die Hände der Beschäftigten, in die Teams. Wir lösen Probleme heute sehr viel dezentraler als früher.“ Das sagen zum Beispiel erfahrene Betriebsräte in einigen großen Konzernen, die sich gerade umfänglich mit agilen Arbeitsweisen und damit einhergehenden Reorganisationen beschäftigen. Selbstorganisation verbessern, Konfliktlösungskompetenz der Beschäftigten stärken, Entscheidungskompetenz dezentral wahrnehmen – die alte Stellvertreterpolitik eignet sich nur noch bedingt, Lösungen zu finden. 

Die einen sehen diese Entwicklung kritisch: „Es kann passieren, dass Betriebsräte übergangen werden, wenn sie direkte Beteiligung stärken.“ Andere sind begeistert: „Wenn der Betriebsrat die Chance nutzt, Beschäftigte zu aktivieren, einzubeziehen, und sie sich ermächtigen, mitzubestimmen, dann wächst da auch eine neue gestaltende Kraft im Schulterschluss Betriebsrat/Beschäftigte.“ Es bleibt ein schmaler Grat, auf dem Betriebsräte sich hier bewegen. Aber der Schulterschluss lohnt sich. Die Beschäftigten wissen genau, woran es am Arbeitsplatz mangelt, die Betriebsräte kennen die Abläufe. 

Nicht zuletzt ist für die Gewerkschaften die Situation in den Betrieben unübersichtlich und schwierig – mit erheblichen Auswirkungen für die Interessenwahrnehmung. Das duale System der Arbeitsbeziehungen, das Zusammenspiel aus Tarif- und Betriebspolitik samt staatlicher Rahmensetzung befindet sich mitten in einem Update. Wenn es den Gewerkschaften aber gelingt, die Tarifbindung zu stärken und tarifpolitische Antworten für mehr Qualität in den Arbeitsbedingungen zu finden, holen wir ein großes Stück Glaubwürdigkeit zurück.

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