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Europa: Osterweiterung: Deutsche Wirtschaft profitiert

Ausgabe 06/2007

Die deutsche Volkswirtschaft profitiert von der Osterweiterung der Europäischen Union. Zu diesem Fazit gelangt  eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Dessen Wissenschaftler haben die Entwicklung der Wirtschaftsströme zwischen Deutschland und den acht neuen EU-Mitgliedern aus Mittel- und Osteuropa (MOE) seit dem EU-Beitritt im Mai 2004 analysiert. Aufgrund einer Simulationsrechnung bis ins Jahr 2011 prognostizieren sie: Auch in Zukunft wird Deutschland Integrationsgewinne einfahren.

Handel: Der Außenhandel zwischen der Bundesrepublik  und den acht Beitrittsländern nimmt kräftig zu und hat mittlerweile das Niveau des Austauschs mit den USA erreicht. Deutschland verzeichnet wachsende Überschüsse in der Handelsbilanz: Der Wert der ausgeführten Waren und Dienstleistungen kletterte zwischen 2003 und 2005 von 56,2 auf 64 Milliarden Euro. Die Importe aus dem Baltikum, aus Polen, Ungarn, Slowenien, Tschechien und der Slowakei stiegen ebenfalls, jedoch schwächer - von 55,3 auf 59 Milliarden Euro. Die Ökonomen folgern: "Per Saldo kann also von einer Verlagerung der Wertschöpfung in die neuen Mitgliedstaaten keine Rede sein."

Löhne: Die Preisunterschiede zwischen in MOE und in Deutschland hergestellten  Gütern werden kleiner. Die neuen EU-Staaten produzieren inzwischen mit ähnlicher Technik, und ihre Vorteile bei den Lohnkosten schmelzen mittlerweile, beobachten die IAB-Wissenschaftler. Eine Konsequenz daraus: Der Handel mit den acht neuen Mitgliedstaaten schaffe in Deutschland keinen substanziellen Druck auf Löhne und Beschäftigung.

Kapitalströme: Deutschland exportiert Kapital zu seinen östlichen Nachbarn - jedoch in vergleichsweise eher geringem Umfang. Es fließt nicht so viel Kapital ab, dass sich in Deutschland Zinsen und Löhne verändern müssten, erklären die Forscher. Deutsche Unternehmen investierten zwischen 1993 und 2006 jährlich etwa 1,3 Milliarden Euro in MOE.

Zuwanderung: Nur wenige neue EU-Bürger sind nach Deutschland gekommen: 2005 wanderten im Saldo 63.000 Menschen zu, im Jahr zuvor 36.000 - über 200.000 Personen jährlich wurden erwartet. Deutschland hat die Freizügigkeit der Mittel- und Osteuropäer bis 2009 beschränkt und kann diese Regelung bis 2011 verlängern. Das IAB erwartet jedoch, dass mehr Zuwanderer aus den Beitrittsländern in Deutschland das Wachstum erhöhen würden.

Timo Baas, Herbert Brücker, Elmar Hönekopp: Beachtliche Gewinne für die deutsche Volkswirtschaft, IAB Kurzbericht, März 2007. Download Kurzbericht (pdf)

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