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Ökonomie: Gut aufgestellt

Ausgabe 02/2020

Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass stark mitbestimmte Unternehmen wirtschaftlich leistungsfähiger sind als andere. Von Andreas Molitor

Mitbestimmte Unternehmen stehen wirtschaftlich besser da als Firmen ohne Mitbestimmung – das ist die Quintessenz einer aktuellen Untersuchung von Forschern des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und der Universität Duisburg-Essen. Unternehmen mit besonders stark verankerter Mitbestimmung, so die Wissenschaftler des Projekts Mitbestimmungsindex (MB-ix), erzielen „insgesamt eine höhere wirtschaftliche Performance als Unternehmen mit einer geringeren oder gar ohne Verankerung der Mitbestimmung“. 

Es ist das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass eine Expertise einen positiven ökonomischen Effekt der Mitbestimmung nachweist. Kürzlich hatte eine Studie belegt, dass Firmen mit Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat widerstandsfähiger gegen Krisen sind als nicht mitbestimmte („Mitbestimmte Unternehmen sind krisenfester“, Mitbestimmung 4/2019).

In der aktuellen Studie werteten die Forscher Daten von 172 börsennotierten deutschen Unternehmen aus und setzten sie ins Verhältnis zu dem von ihnen entwickelten Maß, das zeigt, wie stark die Mitbestimmung jeweils verankert ist. Ihre Leitfrage war, ob es einen Zusammenhang zwischen der Stärke der Mitbestimmung und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gibt.

Die Performance der Unternehmen wurde anhand dreier Kennzahlen betrachtet:

  • Gesamtkapitalrendite: gebräuchliche Kennzahl für die Rentabilität des gesamten eingesetzten Kapitals
  • Gewinn vor Steuern und Zinsen: zeigt den Erfolg im Kernbereich eines Unternehmens
  • Cashflow pro Aktie: erlaubt Rückschlüsse über die Finanzkraft eines Unternehmens sowie seine Fähigkeit für künftige Investitionen

Bei allen drei Kennzahlen zeigten sich die stark mitbestimmten Unternehmen zum Teil deutlich überlegen (Grafik 1). Am deutlichsten fällt das Plus der Mitbestimmung beim Cashflow pro Aktie aus. Firmen mit starker Mitbestimmung erwirtschaften im Durchschnitt dreieinhalbmal so viele Finanzmittel wie Unternehmen mit schwacher oder gänzlich fehlender Mitbestimmung. Im untersuchten Zeitraum sind also auch die Aktionäre gut mit mitbestimmten Unternehmen gefahren und hatten keinen Grund, gegen die Mitbestimmung zu agitieren. 

Auch in puncto Zukunftsstrategie scheinen stark mitbestimmte Unternehmen besser aufgestellt zu sein (Grafik 2). So fanden die Forscher in Unternehmen, die sich vor allem durch Kostenvorteile einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen suchen („Kostenführer“), im Schnitt eine nur schwach ausgeprägte Mitbestimmung. Die Kostenführer-Strategie gilt als Auslaufmodell, da sie Innovation und Produktqualität kaum berücksichtigt. Dies zeigt sich auch statistisch: Zwischen 2006 und 2017 nahm die Zahl der Firmen mit eindeutiger Kostenführerstrategie deutlich ab. 

Die vergleichsweise schwache Verankerung der Mitbestimmung in solchen Unternehmen ist leicht zu erklären: Die „Kostenführer“ üben in der Regel permanenten Druck auf die Arbeitskosten und die Beschäftigten aus. „Je größer der Einfluss der Arbeitnehmenden im Unternehmen ist“, konstatieren die Autoren der Studie, „desto seltener werden derartige Arbeitsbedingungen akzeptiert, die einer starken Kostenführerschaft gerecht werden.“

Zukunftsträchtige Strategien wie die mit Innovation, Produktqualität und dem Bestreben nach größerem Kundennutzen verbundene „Differenzierungsstrategie“ gehen tendenziell mit einer stark verankerten Mitbestimmung einher. Auch dieses Resultat liege auf der Hand: Im Gegensatz zu den Kostenführern setzen die Differenzierer auf hohe Technologieintensität und auf Innovationen – was aber „nur mit gut ausgebildeten und damit in der Regel höher entlohnten Beschäftigten erreicht werden kann“.

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