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Altersübergang: Die Lücke vor der Rente bleibt für viele

Ausgabe 10/2011

Heute sind mehr Ältere sozialversicherungspflichtig beschäftigt als je zuvor. Doch nur eine Minderheit erreicht bruchlos die Regelaltersgrenze.

Gut sieben Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sind älter als 50 Jahre. Über eine Million mehr als noch 2005. Drei Faktoren erklären die Zunahme, wie Martin Brussig vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen erläutert: das Nachrücken der geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge, die gestiegene Erwerbsbeteiligung von Frauen und dass Arbeitnehmer heute tatsächlich später aus dem Beruf ausscheiden als noch vor einigen Jahren. Brussig zufolge ist der Trend zu längerer regulärer Beschäftigung bei allen Personengruppen zu beobachten: Frauen und Männern, Ost- und Westdeutschen, Gering- und Hochqualifizierten.

Dennoch gelingt nur einer Minderheit ein glatter Übergang in die Rente. Besonders für Geringqualifizierte sind die Hürden am Ende des Erwerbslebens hoch. Brussigs Auswertungen zeigen etwa, dass die versicherungspflichtigen Beschäftigungszeiten der Geringqualifizierten deutlich weniger gestiegen sind als bei Beschäftigten mit Hochschulabschluss.

In der Lebensphase von 50 bis 59 Jahren ist bei akademisch Ausgebildeten „fast gar kein Rückgang bei den Beschäftigungszahlen zu verzeichnen“, schreibt der IAQ-Forscher. „Noch vor fünf Jahren war dies anders.“ Bei Menschen mit Berufsausbildung, vor allem aber bei Ungelernten fallen die Beschäftigungsquoten in dieser Zeit jedoch weiterhin deutlich ab, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie vor einigen Jahren.

In der allerletzten Phase vor der Regelaltergrenze geht es dann in allen Qualifikationsgruppen bergab: Von 100 Männern des Jahrgangs 1945, die mit 60 Jahren einen regulären Job hatten, waren mit 64 Jahren nur noch 54 beschäftigt – sofern sie einen Hochschulabschluss hatten. Bei beruflich oder gering Qualifizierten lag die Zahl nur bei 35 beziehungsweise 34.

Die Beschäftigungschancen unterscheiden sich auch zwischen den Wirtschaftszweigen. Besonders viele Ältere finden sich im öffentlichen Dienst, in der Energieversorgung, in der Abwasserwirtschaft oder im Grundstücks- und Wohnungswesen. Unterdurchschnittlich ist der Anteil über 50-Jähriger etwa im Gastgewerbe, in der Kommunikationsbranche oder der Bauwirtschaft. Die Gründe für die unterschiedlichen Beschäftigungsquoten können vielfältig sein, so Brussig. Beispielsweise könne der relativ hohe Anteil Älterer im öffentlichen Dienst sowohl auf einen hohen Akademikeranteil als auch auf Einstellungsstopps zurückzuführen sein, während ein niedriger Anteil von Älteren – beispielsweise in der Bauwirtschaft – ein Indiz für nicht altersgerechte Arbeitsbedingungen ist.

  • Länger im Job, aber nicht bis 65
    Zwar steigt die Zahl älterer Beschäftigter, dennoch gelingt es auch heute nur einer Minderheit bis zur Regelaltersgrenze eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auszuüben. Grafik herunterladen

Martin Brussig: Weitere Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ab 50 Jahren, Altersübergangsreport 2/2011.

Mehr Infos zum Projekt Altersübergang-Monitor

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