Zusammensetzung, Effektivität und Erfolgsbedingungen mitbestimmter Aufsichtsräte

: Theoretische Analyse und qualitativ-empirische Validierung


Forschungsschwerpunkt: Mitbestimmung

Status: Abgeschlossen

Projektende: 01.01.2013

Projektnummer: 2011-429-2

Projektziel:

Ziel des Projektes war die literaturgestützte und empirisch validierte Analyse des Zusammenhangs zwischen Aufsichtsratszusammensetzung und Unternehmensperformance. Hierzu wurden qualitative Interviews mit Aufsichtsratsmitgliedern geführt und ausgewertet. Wir finden erste Hinweise auf die Vor- und Nachteile heterogen zusammengesetzter Aufsichtsräte.

Veröffentlichungen:

Duran, Mihael und Kerstin Pull, 2014. Der Beitrag der Arbeitnehmervertreter zur fachlichen und geschlechtlichen Diversität von Aufsichtsräten: Erkenntnisse aus einer qualitativ-explorativen Analyse, Industrielle Beziehungen, 21(04/2014), S. 329-351.

Weitere Informationen:

Tübingen, Juni 2012.- 14 S.

Duran, Mihael: Public cheap talk in heterogeneous boards. Zwischenergebnis.-

http://whu.edu/static/geaba/Symposium/2012/Papiere/Duran.pdf

Gender Diversity in the Boardroom and Firm Performance: What Exactly Constitutes a "Critical Mass?".- In: Journal of Business Ethics; November 2012.- o. pag.

Joecks, Jasmin; Pull, Kerstin; Vetter, Karin:

http://rd.springer.com/article/10.1007/s10551-012-1553-6#

Projektbeschreibung:

1. Kontext

2002 wurde die Erstfassung des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) mit dem Ziel veröffentlicht, die in Deutschland geltenden Regeln für Unternehmensleitung und -überwachung transparenter zu gestalten. Zentraler Bestandteil des DCGK sind Empfehlungen zur Zusammensetzung und Arbeitsweise des Aufsichtsrats; seit 2010 ist explizit von einer wünschenswerten "Diversität" bei der Besetzung von Aufsichtsräten die Rede (vgl. DCGK 2012: 5.4.1), d.h. Aufsichtsräte sollten laut DCGK nach Möglichkeit "heterogen" aufgestellt sein.

2. Fragestellung

Im Projekt wird die Wahrnehmung der fachlichen und demographischen Heterogenität von Aufsichtsräten aus der Perspektive der Beteiligten untersucht. Im Hinblick auf die fachliche Heterogenität betrachten wir den beruflichen Hintergrund der Aufsichtsratsmitglieder, die Anzahl der ausgeübten Mandate und die Zugehörigkeitsdauer zum Gremium; im Hinblick auf die demographische Heterogenität betrachten wir das Alter, die Nationalität und das Geschlecht der Aufsichtsratsmitglieder.

3. Untersuchungsmethoden

Anknüpfend an die theoretisch basierte Identifikation der Heterogenitätsvariablen und vor dem Hintergrund der theoretisch herausgearbeiteten besonderen Relevanz der Mitbestimmung, wurden insgesamt 13 leitfadengestützte Interviews mit Aufsichtsratsmitgliedern deutscher Unternehmen durchgeführt.

Die Interview-Transskripte wurden nach der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Ziel der qualitativen Inhaltsanalyse ist keine Häufigkeitsanalyse, sondern die Extraktion und Interpretation von Informationen. Dabei gilt für Forschungsprozess, "dass in die Extraktion - trotz der dafür angebbaren Regeln - die Verstehensprozesse des jeweiligen Wissenschaftlers eingehen, dass sie also individuell geprägt ist." In diesem Sinne haben die Erkenntnisse aus der Interviewstudie nur eine begrenzte Reichweite und sind nicht generalisierbar.

4. Darstellung der Ergebnisse

- Ergebnis unserer Untersuchung ist, dass eine fachlich heterogene Zusammensetzung im Hinblick auf den beruflichen Hintergrund der Aufsichtsratsmitglieder positiv wahrgenommen wird. Dies schließt explizit die Arbeitnehmervertreter mit ein.

- Was die Zusammensetzung von Aufsichtsräten im Hinblick auf die Anzahl der Mandate und die Zugehörigkeitsdauer zum Gremium anbelangt, finden wir erste Hinweise darauf, dass Heterogenität vorteilhaft sein kann. Mehrfachmandate wie auch längere Zugehörigkeitszeit werden von den Befragten sowohl positiv als auch negativ gesehen.

- Bezüglich der demographischen Merkmale zeigt sich, dass die Befragten ein höheres Alter als grundsätzlich vorteilhaft für die Tätigkeit von Aufsichtsräten werten. Außerdem werden mit einer höheren Altersheterogenität positive Wirkungen verbunden.

- Geschlechterheterogenität wird von den Befragten durchgängig positiv wahrgenommen.

- In Hinblick auf die nationale Zusammensetzung ist aus Sicht der Befragten unklar, ob eine Internationalisierung der Aufsichtsräte und eine Heterogenität in Bezug auf das Merkmal "Nationalität" vorteilhaft ist oder nicht.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Kerstin Pull

Eberhard Karls Universität Tübingen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Lehrstuhl für Personal und Organisation

kerstin.pull@uni-tuebingen.de

Bearbeiter/in:

Mihael Duran

Eberhard Karls Universität Tübingen Lehrstuhl Personal und Organisation

mihael.duran@uni-tuebingen.de

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

stefan-luecking@boeckler.de

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