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Leiharbeit: Wenig Chancen auf regulären Job

Ausgabe 19/2012

Viele Leiharbeitnehmer hoffen darauf, von dem Betrieb, in dem sie arbeiten, weiter beschäftigt zu werden - mit festem Vertrag. Doch das gelingt nur selten.

Ökonomen sprechen vom Klebeeffekt der Leiharbeit, wenn Unternehmen Leiharbeiter in die Stammbelegschaft aufnehmen. Nach Darstellung der Zeitarbeitsbranche biete Leiharbeit gute Chancen, auf diesem Wege zu einer Festanstellung zu gelangen. Wie viele wirklich kleben bleiben, hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) ermittelt. Die Auswertung ergab, dass die Zahl der übernommen Leiharbeitnehmer im Untersuchungszeitraum, dem ersten Halbjahr 2008, etwa sieben Prozent aller eingesetzten Leiharbeitskräfte entsprach. Übernahmen kommen in Kleinbetrieben etwas häufiger vor als in großen. Insgesamt haben nur 18 Prozent der Betriebe, die mit Zeitarbeitsfirmen zusammenarbeiten, im Untersuchungszeitraum überhaupt ehemalige Leiharbeiter fest eingestellt.

Neben dem Klebeeffekt wird Leiharbeit häufig eine Sprungbrettfunktion zugeschrieben. Damit ist gemeint, dass Leiharbeiter – im Vergleich zu Arbeitslosen – ihre Arbeitsmarktchancen ganz allgemein verbessern. Der Sprung in den Arbeitmarkt muss dabei nicht zwingend in einen Betrieb führen, den sie bereits als Zeitarbeiter kennengelernt haben.

Um die Stärke dieses Effekts zu messen, haben die RWI-Forscher sogenannte statistische Zwillinge gebildet. Das heißt, sie haben Paare von Personen gebildet, die gleich lange arbeitslos waren, sich hinsichtlich Ausbildung, Alter, Geschlecht oder beruflichem Werdegang möglichst ähnelten, sich aber in einem Merkmal unterschieden: Zu Beginn des Beobachtungszeitraums nahm jeweils einer eine Zeitarbeitsbeschäftigung auf und der andere blieb noch mindestens bis zum Monatsende ohne Job.

Zwei Jahre später hatten tatsächlich deutlich mehr derjenigen einen Job, die zu Beginn des Beobachtungszeitraums eine Beschäftigung als Leiharbeiter aufgenommen hatten. Ihre „Beschäftigungswahrscheinlichkeit“ lag 17 bis 24 Prozentpunkte höher als die der Vergleichsgruppe. Allerdings ist „dieser Effekt vorrangig auf eine höhere Beschäftigungswahrscheinlichkeit in der Zeitarbeit zurückzuführen und nicht auf verstärkte Übergänge in eine anderweitige Beschäftigung“, so das RWI.

  • Leiharbeit: Geringer Klebeeffekt
    Nur wenigen gelingt es, durch Leiharbeit an einen festen Job zu kommen. Am besten sind die Chancen noch in Kleinbetrieben. Grafik herunterladen

Daniel Baumgarten, Michael Kvasnicka: Durchlässiger Arbeitsmarkt durch Zeitarbeit? (pdf), Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, November 2012

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