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Bildung: Erheblicher Investitionsbedarf

Ausgabe 10/2008

Weil das deutsche Bildungswesen zu viele Menschen nicht ausreichend fördert, sind besondere Anstrengungen nötig. Eine Studie listet auf, wie viel Investitionsbedarf besteht - von der Vorschule bis zur Weiterbildung.

Egal, ob das Leistungsvermögen von Schülern untersucht wird oder die Angebote an Weiterbildungskursen: Bei internationalen Vergleichen schneidet das deutsche Bildungswesen stets mittelmäßig ab. "Es gibt ausreichend Hinweise, dass die bestehende öffentliche Finanzierung von Bildung nicht zu einem optimalen Ergebnis führt", schreibt der Bildungsforscher Roman Jaich. Dennoch kommt es bislang nur in vereinzelten Ansätzen zu mehr Investitionen, etwa beim Ausbau der Kinderbetreuung. Jaich hat in einer Studie für die Hans-Böckler-Stiftung ausgerechnet, wie hoch der finanzielle Bedarf für eine dauerhafte Verbesserung in allen Segmenten des Bildungswesens ist. Der Ökonom vom European Institute for Globalisation Research kalkuliert einen zusätzlichen Bedarf von 29,4 Milliarden Euro pro Jahr - für die laufenden Ausgaben. Einmalige Kosten wie etwa für neue Schulgebäude sind dabei noch ausgeklammert.

Die privaten und öffentlichen Bildungsausgaben in Deutschland beliefen sich 2006 auf 142,9 Milliarden Euro, das entspricht knapp sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Jaich kommt in seiner Studie auf einen so umfangreichen Investitionensbedarf, weil derzeit gleich zwei große Aufgaben zu bewältigen sind. Zum einen gehe es darum, die öffentliche Kinderbetreuung auszubauen und die allgemein- bildenden Schulen zu verbessern. Jaich ermittelt den Finanzbedarf für folgendes Szenario: 60 Prozent der Kinder bis sechs Jahren erhalten eine Ganztagsbetreuung, die Erzieher  können sich intensiver kümmern als bisher, jeder fünfte der Beschäftigten in den Kindertagesstätten ist Akademiker. Außerdem übernimmt der Staat die Elternbeiträge, damit eine vorschulische Betreuung nicht am Geld scheitert.

Zugleich sei das Gemeinwesen auch gefordert, Mittel für das Nachholen von Schulabschlüssen zu stellen. Derzeit haben etwa acht Prozent der Schulabgänger keinen Abschluss vorzuweisen und gehen dann auch meist beim Rennen um die beruflichen Ausbildungsplätze leer aus. Besonders für die Kinder von Migranten stehen die Chancen schlecht. Da die Betriebe zudem immer weniger ausbilden, kalkuliert Jaich auch Kosten für mehr Berufsausbildungen in Vollzeitschulen ein.

Der Betrag von zusätzlich 29,4 Milliarden Euro pro Jahr könne indes mittel- bis langfristig wieder sinken, weil sich frühe Investitionen während der ganzen Bildungslaufbahn auszahlen: Wenn eine qualitativ hochwertige Bildung in Kindertagesstätten und in der Schule garantiert sei, dann müsse der Staat auch weniger für die späteren Bildungsabschnitte ausgeben.

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