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Verteilung: Beschäftigte tragen die Steuerlast

Ausgabe 03/2005

Über drei Viertel des Steueraufkommens sind im vergangenen Jahr durch die so genannten Massensteuern aufgebracht worden: Lohn-, Umsatz-, Verbrauchs- und Mineralölsteuern. Vor allem die Haushalte der Arbeitnehmer finanzieren damit weitgehend den Staat. Der Beitrag der Unternehmen verblasst von Jahr zu Jahr.

1960 machten die Massensteuern, die vor allem die privaten Haushalte aufbringen, noch 37,5 Prozent des Steueraufkommens aus;  bis 2004 hat sich ihr Anteil nun mit 76,8 Prozent mehr als verdoppelt, berichtet das WSI. Die Belastung der Arbeitseinkommen durch Lohnsteuern und Sozialbeiträge verharrt trotz zahlreicher Reformen auf hohem Niveau. 2004 erreichte die Lohnsteuerbelastung 17,7 Prozent, die Beitragsbelastung blieb über der 16-Prozent-Schwelle.

Die direkten Steuern auf Gewinn- und Vermögenseinkommen der privaten Haushalte sinken dagegen seit Jahren: von 20 Prozent 1960 auf 5,7 Prozent 2003 (aktuellster Wert). Die öffentliche Umverteilung wirke sich auf die Haushalte "wie eine Schere zulasten der Lohneinkommen und zugunsten der Gewinn- sowie Vermögenseinkommen"aus, so das WSI.

Die Folgen bringen mittlerweile auch prominente Ökonomen auf den Plan. "Weil die Reichen von ihrem Einkommen relativ weniger für Konsum ausgeben als die Armen, muss die Fiskalpolitik bei den unteren Einkommensgruppen ansetzen", empfiehlt Jim O'Neill, Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs. Kapitaleinkünfte erzielen in der Hauptsache die Gutsituierten - und die legen einen wesentlich größeren Anteil ihres Einkommens auf die hohe Kante.

Von der Steuerpolitik profitieren auch die Kapitalgesellschaften. Das WSI hat errechnet, dass die durchschnittliche Steuerbelastung der Kapitalgesellschaften im engeren Sinne - also die der AGs und GmbHs - von 33,6 Prozent 1980 auf rund 8 Prozent im Jahr 2003 abgesackt ist. Der US-Ökonom O'Neill konstatiert: "Deutschland ist Exportweltmeister, das lässt sich nicht mehr steigern." Deutsche Unternehmen seien extrem wettbewerbsfähig. Trotzdem investierten sie wenig und schafften kaum neue Jobs, weil ihnen der heimische Markt weggebrochen sei. Sein Fazit: "Also muss man ihn ankurbeln - ganz direkt."

Verteilungsbericht des WSI in: WSI-Mitteilungen 11/2004

Interview mit Jim O'Neill in: Die Zeit 35/2004

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