Böckler Impuls Ausgabe 16/2006

Unternehmensmitbestimmung

Keine Nachteile für Aktionäre

Mitbestimmung im Aufsichtsrat wirkt sich nicht negativ auf die ökonomische Leistungsfähigkeit von Unternehmen aus.

Sigurt Vitols vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung hat in einer ökonometrischen Analyse für den DGB den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen mit und ohne Mitbestimmung untersucht. Dabei stellte er "keine negativen Auswirkungen der paritätischen Mitbestimmung auf die Unternehmensperformance" fest. Dies treffe sowohl auf die Eigenkapitalrendite zu, eine zentrale Kennzahl für die reale Leistung eines Unternehmens, als auch auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis, einen der wichtigsten Maßstäbe der Börsenbewertung.

In seiner Studie wertete der Wissenschaftler für fast alle an der Frankfurter Börse gelisteten deutschen Unternehmen sämtliche relevante Kennzahlen der Jahre 2000 bis 2004 aus: die Zahl der Beschäftigten, die Börsenbewertung sowie Strukturdaten wie das Alter des Unternehmens und seine Branchenzugehörigkeit. Datenbasis für die Analyse der Eigenkapitalrendite sind 504, für das Kurs-Buchwert-Verhältnis 494 Unternehmen.

Bei der Auswertung der Daten umschiffte Vitols die zwei markantesten Probleme bei ökonomischen Studien zu den Auswirkungen der Mitbestimmung:

Das Problem des "Äpfel-Birnen-Vergleichs": Da es 76er Mitbestimmung in allen Kapitalgesellschaften mit mehr als 2.000 Beschäftigten gibt, existieren keine gleich großen Unternehmen ohne Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Der Forscher hat deshalb Unternehmen verschiedener Größengruppen miteinander verglichen. Seine These: Wenn der ökonomische Erfolg von Unternehmen in der Gruppe "1.501 bis 2.000 Beschäftigte" sich nicht vom Erfolg der Unternehmen unterscheidet, die größer (und deshalb mitbestimmt) sind, richtet sie zumindest keinen wirtschaftlichen Schaden an. Bei einer Reihe von Testverfahren zeigte sich genau dies: "keine signifikanten Vor- oder Nachteile in der Performance".

Das "Ausreißer-Problem": Dies tritt besonders bei der Beurteilung der Unternehmensperformance auf. Zwar weisen die meisten Unternehmen eine Eigenkapitalrendite zwischen plus und minus 20 Prozent auf. Doch gibt es vereinzelt Firmen, die weit außerhalb dieser Bandbreite liegen. Entweder, weil sie "abstürzen" und ihr gesamtes Eigenkapital in einem Jahr vernichten. Oder, weil sie besonders schnell und profitabel wachsen - was bei frisch gegründeten Unternehmen der Fall sein kann. Vitols wendete daher Tests an, deren Ergebnisse nicht übermäßig von Ausreißern verzerrt werden.

Es gebe aber Hinweise darauf, dass die Mitbestimmung Vorteile für die Beschäftigten bringe und zu einer Erhöhung von Produktivität und Innovationskraft führe, so Vitols. Daher könnte eine Abschaffung der 76er Mitbestimmung zu "gesamtgesellschaftlichen Wohlstandsverlusten führen".


Quellen

Sigurt Vitols: Ökonomische Auswirkungen der paritätischen Mitbestimmung, Gutachten im Auftrag des DGB, 15. September 2006
Gutachten zum Download (pdf) auf der Homepage des DGB


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