Forschungsprojekt: Funktionale Arbeitsteilung in EU Wertschöpfungsketten

Ursachen und Auswirkungen auf Löhne und Arbeitsbedingungen

Projektziel

Woran liegt es, dass einige Länder zu Standorten für Konzernsitze und Forschungslabore werden, während andere als „verlängerte Werkbänke“ innerhalb der europäischen Arbeitsteilung fungieren? Was sind die Auswirkungen dieser „funktionalen Spezialisierungen“? Dieses Forschungsprojekt sucht Antworten auf diese Fragen und ergründet die Folgen auf Lohnentwicklung und Arbeitsbedingungen.

Projektbeschreibung

1. Kontext

Die Spezialisierung in einzelnen Segmenten der Wertschöpfungskette erfolgt zusätzlich zu sektoralen Spezialisierungen. Und im Gegensatz zur beobachteten Konvergenz der Industriestrukturen innerhalb der EU, haben sich starke funktionale Divergenzen herauskristallisiert: die westlichen EU-Länder besetzen wissensintensive Segmente der Wertschöpfungskette (z.B. F&E), während in den mittel- und osteuropäischen EU-Ländern (EU-MOEL) vorrangig die eigentliche Produktion erfolgt. Diesen komplementären FS-Mustern liegen technologische Asymmetrien zu Grunde. Empirische Ergebnisse deuten darauf hin, dass die eigentliche Produktion mit verhältnismäßig geringer Wertschöpfung und Wachstumspotential verbunden sind. Angewandt auf die EU bedeutet dies, dass bei Fortbestehen der gegenwärtigen funktionalen Spezialisierungen bestehende Konvergenzprozesse – und damit das Kohäsionsziel der EU – gefährdet sein könnten - mit negativen Rückwirkungen auf die gesamte EU.

2. Fragestellung

Die Entstehung globaler Wertschöpfungsketten (GVCs) hat die Wirtschaft der EU radikal verändert. Insbesondere ergab sich durch die immer feinkörnigere internationale Arbeitsteilung für Länder die Möglichkeit, sich in einzelnen Unternehmensfunktionen der Wertschöpfungskette zu spezialisieren. Diese „funktionale“ Spezialisierung (FS) in Wertschöpfungssegmenten, z.B. F&E oder der eigentlichen Produktion, implizieren eine starke technologische Asymmetrie zwischen Headquarter-Ökonomien, die die Produktionsnetzwerke organisieren, und verlängerten Werkbänken (factory economies), die vorrangig den Faktor Arbeit in GVCs einbringen. Damit hängt das Potential hohe Wertschöpfung zu erwirtschaften neben der Industriespezialisierung auch von den Unternehmensfunktionen ab, die Länder innerhalb der Wertschöpfungskette erfüllen. Darauf aufbauend werden die Auswirkungen der identifizierten Spezialisierungsmuster auf den Arbeitsmarkt identifiziert.

3. Untersuchungsmethoden

Dieses Projekt vereint zwei bestehende Methoden zur Analyse von funktionalen Spezialisierungen (FS). Timmer et al. (2019) berechnen die FS im internationalen Handel anhand von berufsspezifischen Beschäftigungsdaten, die in Kombination mit Input-Output-Methoden als Unternehmensfunktionen interpretiert werden. Stöllinger (2019) verwendet Daten zu grenzüberschreitenden Investitionsprojekten, um die FS zu ermitteln. Clusteranalysen werden eingesetzt um die EU-Länder "funktionalen Clubs" zuzuordnen und geografische und sektorale Muster von FS zu identifizieren. Die Auswirkungen von FS auf die Beschäftigungsqualität und Löhne werden mit panelökonometrischen Methoden abgeschätzt. Schließlich werden unter Berücksichtigung der Heterogenität der EU-Länder und der Industrien die Determinanten von FS-Mustern mit binären Auswahlmodellen (z.B. Probit-Modelle) identifiziert.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Dr. Roman Stöllinger
Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche
stoellinger@wiiw.ac.at

Bearbeitung

Veronika Janyrova
Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche
janyrova@wiiw.ac.at

Dr. Aleksandra Kordalska
Gdańsk University of Technology
Department of Economic Sciences
Aleksandra.Kordalska@zie.pg.edu.pl

Dr. habil. Magdalena Olczyk
Gdańsk University of Technology
Department of Economic Sciences
Magdalena.Olczyk@zie.pg.edu.pl

Dr. Stefan Jestl
Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche
jestl@wiiw.ac.at

Galina Vasaros
Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche
vasaros@wiiw.ac.at

Nadya Heger
Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche
heger@wiiw.ac.at

Kontakt

Dr. Barbara Fulda
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
barbara-fulda@boeckler.de

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