Rechte Diskursstrategien gegen linke Politik in Social-Media

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Forschungsschwerpunkt: Bildung in der Arbeitswelt

Status: Laufend

Projektende: 31.08.2023

Projektnummer: 2021-306-5

Projektziel:

Das Projekt untersucht aus diskurs- und politolinguistischer Perspektive kommunikative Praktiken und semantische Muster, mit denen rechte und populistische Akteure gewerkschaftliche und linke Politiken in sozialen Medien herausfordern. Neben direkten Konfrontationen stehen semantische Enteignungsversuche im Vordergrund, in denen linke Inhalte, Begriffe und Argumente von rechts besetzt werden.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Mit dem Aufstieg und der Etablierung der AfD in den Parlamenten ist die traditionelle Zuordnung von Parteien und politischen Lagern zu bestimmten Milieus und Bevölkerungsgruppen prekär geworden. Zudem steht der Aufstieg der AfD auch für den Durchbruch neuer Kommunikations- und Umgangsformen in der politischen Öffentlichkeit, auf die sich die etablierten politischen Akteure einstellen mussten. Als wichtigste Kommunikationsarena der AfD wie auch anderer Organisationen des gegenwärtigen rechten Lagers erwiesen sich die sozialen Medien wie facebook oder twitter.

Auch bei Arbeitnehmer_innen ist der rechte Populismus erfolgreich. Er adressiert gezielt das ‚einfache Volk‘ und inszeniert sich als dessen politischer Repräsentant. Dabei sind nicht nur ‚neoliberale‘ Programmatiken zu erkennen, sondern es werden teilweise (vermeintlich) sozialstaatliche bis antikapitalistische Motive herangezogen.

2. Fragestellung

Das Projekt untersucht rechte Diskursstrategien in sozialen Netzwerken, mit denen linke und soziale Politik herausgefordert wird. Im Fokus stehen drei Fragenkomplexe:

1. Welche Akteure agieren wie im Diskursfeld? Welche Formen der Kooperation lassen sich beobachten? Welche Gruppen lassen sich hinsichtlich ihres Sprachgebrauchs und ihrer Vernetzung unterscheiden?

2. Welche semantischen Strukturen werden von rechter Seite im semantischen Kampf herangezogen oder besetzt? Welche Fahnen- oder Stigmawörter werden verwendet? Welche Argumente provozieren größere Auseinandersetzungen? Welche werden übernommen und transformiert?

3. Welche wiederholt beobachtbaren Handlungsmuster und diskursiven Praktiken werden von rechter Seite in sozialen Medien eingesetzt: Wie werden antagonistische Positionen argumentativ adressiert, wo werden sie lächerlich gemacht? In welchen Kontexten lassen sich Beleidigungen und Bedrohungen (Hate-Speech) beobachten? Sind (erfolgreiche) Gegenstrategien erkennbar?

3. Untersuchungsmethoden

Das Projekt verortet sich methodisch im Ansatz der korpusgestützten Mehrebenen-Diskursanalyse. Wir setzen auf eine Kombination hermeneutischer und computergestützter Verfahren als komplementäre Zugänge der Datenanalyse. Wir gehen von einem sprach- und diskurspragmatischen Grundverständnis aus, das Schlagwörter oder Argumentationsmuster als kommunikative Einheiten betrachtet, die primär sprachliches ‚Werkzeug‘ zur Stärkung der eigenen und gleichzeitigen Schwächung der gegnerischen Position sind.

Den fokussierten Diskursausschnitt erfassen wir durch ein umfangreiches Social-Media-Korpus, das eine vertiefende Analyse der rechten Kommunikationspraxis ermöglicht. Die Korpusgenerierung erfolgt mehrstufig: Zunächst werden manuell relevante Twitteraccounts identifiziert. Diesen Kernbestand erweitern wir konzentrisch anhand bestehender Follower-Strukturen. Dazu fließen Tweets, in denen bestimmte Hashtags verwendet werden, in das Korpus ein (z.B. #afd, #betriebsrat, #streik, #btw21, #höcke).

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Fabian Deus

Universität Siegen

Fakultät 1

deus@germanistik.uni-siegen.de

Prof. Dr. Friedemann Vogel

Universität Siegen

Germanistik - Linguistik: Sozio- und Diskursling.

friedemann.vogel@uni-siegen.de

Kontakt:

Dr. Michaela Kuhnhenne

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

michaela-kuhnhenne@boeckler.de

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