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Systemrelevant Folge 190 Service aktuell

Systemrelevant Podcast: Rechte Diskurse im Netz

Rechte Kommunikationsstrategien sind eine Hausforderung für die gesamte Gesellschaft. Christina Schildmann und Fabian Deus erläutern, wie man (neu)rechte Taktiken auf Social Media erkennt und kontert.

[14.05.2024]

Das Forschungsprojekt ReDiss ("Rechte Diskursstrategien gegen linke Politik in Social Media"), welches durch die Hans-Böckler-Stiftung gefördert wird, hat die Vernetzungen und Taktiken rechter Parteien und Gruppierungen im Internet untersucht und auf der Website rechte-diskurse.de öffentlich gemacht. Durch Mittel der Linguistik wurde so eine praxisnahe Grundlage geschaffen, die Menschen dabei helfen kann, die Dynamiken der rechten Diskurse im Netz zu verstehen. Insbesondere im Superwahljahr 2024 besitzt dies große Relevanz.

Das rechte Milieu zeichnet sich durch eine geteilte Weltanschauung und eine strategische Ausrichtung aus, mit der der gesellschaftliche Diskurs im vorpolitischen Raum – also beispielsweise im Kulturbereich, in den Universitäten, im Journalismus und im Internet – nach rechts verschoben werden soll. Das Projekt hat diese Strategien der Rechten herausgearbeitet.

In diesem Projekt ging es darum, nicht nur zu beschreiben, wie rechte Kommunikation in sozialen Medien aussieht, sondern damit auch eine Grundlage zu schaffen, durch die Menschen besser verstehen, womit sie es da zu tun haben und dadurch handlungsfähiger werden.

Fabian Deus, Projektleiter von Re-DiSS

Christina Schildmann, Leiterin der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung, erklärt, dass durch Provokation die Ausweitung des "gerade noch Sagbaren" erreicht und gleichzeitig der politische Gegner zu unüberlegten Gegenreaktionen verleitet werden soll, durch die die Rechte sich selbst medienwirksam die Opferrolle zuschreiben kann. Bei der Selbstverharmlosung können radikale und extremistische Inhalte durch eine bürgerlich scheinende Fassade verschleiert werden.

Die Strategie der Verzahnung soll bewirken, die Grenzen zwischen dem eigenen und dem gegnerischen politischen Lager zu verwischen, z. B. durch Verweise auf Sprecher aus dem Establishment, die schon einmal etwas ähnliches gesagt haben. Das kann die Gegner verwirren, die eigene Position wird schwieriger zu skandalisieren und der Ausgrenzungsstrategie vieler Medien steht das entgegen.

Das gleiche Ziel verfolgt auch die Strategie, sich Begriffe der politischen Gegner anzueignen. So bezeichnet sich die AfD beispielsweise als "Arbeiterpartei" und damit mit einem klar links konnotierten und geprägten Begriff.

Als Gegenstrategien empfehlen Fabian Deus, Diskurslinguist und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Siegen, und die weiteren Forschenden, sich nicht provozieren zu lassen und nicht impulsiv zu reagieren. Außerdem sollte man nicht mitspielen, also keine weitere Aufmerksamkeit auf die Positionen der rechten Akteure lenken und auch keine Verzahnungen zulassen. Stattdessen wird empfohlen, im eigenen politischen Lager Strukturen zu schaffen und praktische Kompetenzen und Räume aufzubauen, sodass das Handeln gegen rechte Diskurse abgestimmt werden kann.

Weiterhin sind "stille Mitlesenden" mitzudenken: Man kontert nicht nur dem politischen Gegner, sondern liefert auch Gegenpositionen, die das mitlesende Publikum überzeugen können. Zuletzt können auch Konfrontationen aufgenommen und umgekehrt werden – z. B. durch die ironische Verwendung rechter Schlagwörter oder gezielte Kampagnen.

Mehr zu Analysen und Strategien gegen rechte Parteien und Gruppierungen in sozialen Medien in unserer Podcast-Folge oder detailliert auf der Projekt-Website.

Moderation: Marco Herack

Weitere Informationen zur Folge

Projektseite Rechte Diskurse

Projektwebsite der Uni Siegen

Hier das Transkript zur Folge 190 herunterladen!

Alle Informationen zum Podcast

In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.

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