Forschungsprojekt: Digitalisierung und Tarifpolitik

Projektziel

Die Debatten über die Zukunft der Arbeitswelt sind vom Thema Digitalisierung geprägt. Während sich die Aufmerksamkeit auf die Bearbeitung des Wandels in den Betrieben sowie auf die Herausforderungen für die Arbeitsbeziehungen durch die „Plattformökonomie“ konzentriert, wird der Blick kaum auf die tarifpolitische Gestaltung von Digitalisierung gelenkt. Diese Lücke möchte dieses Projekt schließen.

Projektbeschreibung

Kontext

Das Thema Digitalisierung prägt derzeit die Debatten um die gesellschaftliche Entwicklung in vielen Bereichen. Während auch in Bezug auf die Zukunft der Arbeitswelt grundlegende Veränderungen erwartet werden, stehen sehr unterschiedliche Prognosen zu Beschäftigungsentwicklung, Veränderung von Tätigkeiten sowie dem Wandel der Arbeitsorganisation im Raum. Gleichzeitig sind im deutschen System der industriellen Beziehungen schon seit Jahrzehnten Erosionstendenzen zu beobachten. Es stellt sich die Frage nach der Gestaltungsfähigkeit von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden in verschiedenen Branchen. Vor diesem Hintergrund erscheint es besonders relevant, genauer zu untersuchen, wie die Tarifparteien den derzeitigen Wandel der Arbeitswelt (mit-)gestalten (können), welche tarifpolitischen Gestaltungsansätze zu Digitalisierung derzeit verfolgt werden, sowie zu beleuchten, wie die Akteurs- und Tarifvertragslandschaft in einzelnen Branchen eine Bearbeitung des Themas fördert oder erschwert.

Fragestellung

Während die industriesoziologische Forschung sich insbesondere auf die Bearbeitung von Digitalisierung im betrieblichen Kontext sowie auf die Herausforderungen für die Arbeitsbeziehungen durch das Aufkommen der „Plattformökonomie“ konzentriert, will dieses Forschungsprojekt den Blick auf die tarifpolitische Gestaltung von Digitalisierung lenken. Es verfolgt die Frage, wie das Thema Digitalisierung in der Arena der Tarifautonomie in Deutschland von den Tarifparteien behandelt wird. Zunächst soll erhoben werden, welche Aspekte des Themas aus Sicht der Tarifparteien besonders relevant sind und was überhaupt als tarifpolitisch regelbar gesehen wird. Ergebnis des Projektes soll eine Darstellung der Diskussionen und Auseinandersetzungen zum Thema Digitalisierung als Gegenstand von Tarifpolitik in verschiedenen Branchen und eine systematische Übersicht tarifvertraglicher Regelungen zum Themenkomplex sein.

Untersuchungsmethoden

Neben der Rezeption von Literatur und statistischen Daten werden insbesondere Experteninterviews mit Vertreter*innen der Tarifparteien geführt. Dabei wird von den acht DGB-Gewerkschaften ausgegangen, die die tarifpolitische Landschaft in Deutschland maßgeblich prägen. Anhand von Interviews mit Zuständigen für Digitalisierung und/oder Tarifpolitik wird rekonstruiert, wie das Thema behandelt und ob und wie es auch tarifpolitisch bearbeitet wird. Davon ausgehend werden Interviews mit Vertreter*innen der Tarifvertragsparteien auf Arbeitgeberseite (auf Verbands- oder Unternehmensebene) geführt. Darüber hinaus werden die Internetauftritte der Tarifparteien inhaltsanalytisch ausgewertet, ebenso wie Webauftritte von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, die sich explizit dem Thema Digitalisierung widmen. Schließlich wird eine Dokumentenanalyse von Tarifverträgen zum Themenkomplex Digitalisierung und weiteren Dokumenten der Tarifparteien durchgeführt.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Nele Dittmar
Technische Universität Berlin Institut für Soziologie
Digitalisierung der Arbeitswelt
nele.dittmar@tu-berlin.de

Kontakt

Dr. Stefan Lücking
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
stefan-luecking@boeckler.de

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