Lean@digital - betriebliche Akteure im Gestaltungsprozess


Forschungsschwerpunkt: Strukturwandel und Innovation

Status: Laufend

Projektnummer: 2018-398-1

Projektziel:

Die Digitalisierung als globaler Megatrend wird nach aktuellen Prognosen in den nächsten 20 Jahren zu großen Veränderungen der Industriearbeit führen. Das hat Implikationen für Beschäftigung und die Träger der Mitbestimmung in Deutschland – jenseits der technikzentrierten öffentlichen Debatte. "Digitalisierung" wird im Projekt "lean@digital" als Veränderungsprozess verstanden, der gestaltbar ist. Daher ist der Veränderungsprozess selbst Untersuchungsgegenstand im vorliegenden Projekt. Es geht um Fragen der betrieblichen Machtkonstellationen, konkrete Aushandlungspraxis, Einbindung in das Produktionssystem sowie Gestaltungschancen für die Beschäftigten und Träger der Mitbestimmung.Die Ergebnisse des Vorhabens sollen Hinweise für Beschäftigte und die Träger der Mitbestimmung liefern, wie im Digitalisierungsprozess das technisch Machbare, mit den betrieblichen Notwendigkeiten und den Interessen von Beschäftigten ausbalanciert werden kann.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sind sich einig, dass die Digitalisierung von Produkten, Marktbeziehungen und der industriellen Produktion in den nächsten 20 Jahren zu großen Veränderungen der Industriearbeit in Deutschland führen wird. Allerdings handelt es sich zum heutigen Zeitpunkt fast ausschließlich um Aussagen zur Zukunft von Arbeit und Wirtschaft und bisherige Erhebungen zum aktuellen Umsetzungsstand von Wirtschaft 4.0 in Unternehmen zeigen uneinheitliche und ungleichzeitige Entwicklungen. Außerdem ist die Frage, ob die neuen Digitalisierungskonzepte die Produktionslogik ganzheitlicher Produktionssysteme (GPS) unterstützen, oder eher ablösen oder sogar radikalisieren werden bislang wenig diskutiert. Ein frühzeitiges Verständnis der betrieblichen Machtkonstellationen, Aushandlungspraxis und Gestaltungschancen im Digitalisierungsprozess kann wesentlich dessen Erfolgschancen erhöhen und dazu beitragen, Einfluss auf dessen Entwicklungsrichtung zu gewinnen.

2. Fragestellung

Vor dem postulierten Megatrend „Digitalisierung“ und den konkreten betrieblichen Produktionssystemen soll dieses Projekt bereits erfolgreiche Digitalisierungsprozesse und Pilotprojekte zu Industrie 4.0-Lösungen im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Digitalisierungskonzepten und Ganzheitlichen Produktionssystemen (GPS) analysieren und bewerten.

Dabei stehen mit Blick auf die Handlungs- und Beteiligungsoptionen von Beschäftigten und der Interessenvertretung u.a. folgende Fragen im Vordergrund: Welche Akteure waren beteiligt? Welche Interessen konnten sie einbringen? Welche Rolle spielte die kollektive Mitbestimmung?

Mit Blick auf das Zusammenwirken von Industrie 4.0-Umsetzungen und ganzheitlichem Produktionssystem stehen u.a. folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie spielen neue Digitalisierungsmaßnahmen mit den bisherigen Lean- und GPS-Ansätzen zusammen? Werden dadurch Handlungsspielräume von Beschäftigten eingeschränkt, erweitert? Werden ihre Kompetenzen, ihr Erfahrungswissen integriert?

3. Untersuchungsmethoden

Das Projekt wird in einem interdisziplinären Forschungsverbund (IMU Institut GmbH und Hochschule Furtwangen) umgesetzt. Es baut auf einen Methodenmix aus quantitativen Analysen (Befragung von Betriebsräten und in Leuchtturmprojekten zu Industrie 4.0), qualitativen Fallstudien in 10 Unternehmen und Expertengesprächen auf. In den qualitativen Fallstudien (federführend IMU Institut) soll eine konkrete, bereits erfolgte Implementierung eines Digitalisierungsvorhabens untersucht werden. Der Untersuchungsfokus liegt auf Unternehmen, die beispielhafte Projekte zur digitalen Produktionssteuerung und zum digitalen Workflow in Verwaltung oder Entwicklung umgesetzt haben. In der quantitativen Erhebung (federführend HFU) werden diese Forschungsergebnisse in einem breiteren Untersuchungsfeld überprüft. Grundlage dieser Analysen ist der aktuelle Forschungsstand und eine Literaturstudie zu den Zusammenhängen zwischen technologischen Lösungen und Beschäftigung sowie Arbeitsbedingungen.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Eva Kirner

Hochschule Furtwangen Campus Schwenningen

kire@hs-furtwangen.de

Bettina Seibold

IMU Institut GmbH

bseibold@imu-institut.de

Bearbeiter/in:

Dr. Reinhard Bahnmüller

IMU Institut GmbH

rbahnmueller@imu-institut.de

Yalcin Kutlu

IMU Institut GmbH

ykutlu@imu-institut.de

Sandra Klatt

Hochschule Furtwangen Campus Schwenningen

klt@hs-furtwangen.de

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

stefan-luecking@boeckler.de

Newsletter mit Ihren Themen

Bleiben Sie informiert: Neueste Forschungsergebnisse und Infos zu den Themen Mitbestimmung, Arbeit, Soziales, Wirtschaft. Unsere Newsletter können Sie jederzeit abbestellen.

Der Beitrag wurde zu Ihrerm Merkzettel hinzugefügt.

Merkzettel öffnen