Mitbestimmung in ausländischen Firmen: Betriebsrätebefragung


Forschungsschwerpunkt: Mitbestimmung

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.08.2018

Projektnummer: 2017-487-2

Projektziel:

Dieses Projekt ergänzt die repräsentative Befragung der Geschäftsleitungen ausländisch kontrollierter Unternehmen in Deutschland zu Mitbestimmung und Arbeitsbeziehungen, die im Rahmen des Projekts 2014-707-2 durchgeführt worden war, durch eine entsprechende Befragung von Betriebsräten. Die Gegenüberstellung beider Perspektiven leistet einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der Debatte um das M

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Jeder elfte sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer ist in einem ausländisch kontrollierten Unternehmen tätig. Das deutsche System der Mitbestimmung wird von ausländischen Unternehmen hingegen teilweise kritisch bis ablehnend betrachtet. Problematisch ist, dass das systematische Wissen über das tatsächliche Mitbestimmungsverhalten in ausländisch kontrollierten Firmen in Deutschland gering ist und häufig auf empirisch einseitigen, von Arbeitgeberseite gewonnen Informationen beruht. Fallstudienergebnisse aus dem Projekt 2014-707-2 zeigten jedoch, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite die Situation sehr unterschiedlich bewerten. Aus diesem Grund erschien es nötig, die existierende Managementbefragung um eine systematische Befragung von Betriebsräten zum Thema Mitbestimmung in ausländisch kontrollierten Unternehmen in Deutschland zu ergänzen.

2. Fragestellung

Erstens wurden Fragen der Arbeitsbeziehungen und Mitbestimmung in ausländisch kontrollierten Unternehmen aus Sichtweise der Betriebsräte untersucht. Im Detail wurden Fragen zum Arbeitsbeziehungsklima, zu Konflikten, zur Konfliktbewältigung, zur Zusammenarbeit und Kooperation, zur Interessenregulierung sowie zur Einbindung und zum Einfluss des Betriebsrates in betriebliche Entscheidungen gestellt.

Zweitens wurde durch den Vergleich mit den Ergebnissen der Managementbefragung aus dem Projekt 2014-707-2 untersucht, bei welchen Themen Konsens und bei welchen Themen Meinungsunterschiede bestehen.

Drittens wurde mit Hilfe der Befunde der Betriebsrätebefragung der Verbreitung typischer Arbeitsbeziehungsqualitäten (sozialpartnerschaftlich, konfliktpartnerschaftlich, latent und akut konfliktorisch) nachgegangen. Von besonderem Interesse waren hier Herkunftsland- und Brancheneffekte sowie das Aufspüren von spezifischen Problembereichen der betrieblichen Mitbestimmung.

3. Untersuchungsmethoden

Es handelt sich um die erste repräsentative Großbefragung der Geschäftsleitungen von ausländischen Tochterunternehmen in Deutschland und einer sich daran anschließenden Matched-Sample- Befragung der Betriebsräte. Grundlage der Betriebsrätebefragung waren privatwirtschaftlich aktive, in ausländischem Besitz befindliche Tochterunternehmen im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor mit mehr als 20 Beschäftigten, in denen es einen Betriebsrat gibt. Die Umfrage erfolgte im Rahmen einer computergestützten Telefonbefragung. Der Fragenkatalog für die Betriebsrätebefragung ergab sich aus den relevanten Themenkomplexen der Managementbefragung. Zur Gewährleistung der Vergleichbarkeit wurden deckungsgleiche Fragen gestellt. Die Auswertung der gewonnen Daten und der statistische Vergleich mit den Ergebnissen der Managementbefragung erfolgte anhand von multivariaten Regressionsmodellen, komparativen Analysen und Multiple-Informant-Analysen.

4. Darstellung der Ergebnisse

Die Managementbefragung zeigte über alle Herkunftsländer hinweg eine hohe Akzeptanz und einen positiven Umgang mit der betrieblichen Mitbestimmung in den ausländischen Tochterunternehmen. Mitbestimmungsprobleme zeigten sich allerdings in stark zentral geführten Tochtergesellschaften sowie in den Fällen, in denen eine Vertrautheit der Konzernzentrale mit den Arbeits- und industriellen Beziehungen am deutschen Standort fehlte. Die Betriebsräte hingegen beurteilten das Arbeitsbeziehungsklima und das Verhältnis zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat als weniger positiv. Die darin deutlich werdenden unterschiedlichen Sichtweisen der Interessenvertretung und der Managementseite sind hoch signifikant. Trotz kritischerer Sichtweise der Betriebsräte, wurden die Qualität der Arbeitsbeziehungen und das Mitbestimmungsverhalten in den ausländischen Unternehmen im Durchschnitt als zufriedenstellend bewertet. Allerdings verweist die Betriebsrätebefragung durchaus auf signifikante Mitbestimmungsprobleme, vor allem in Tochterunternehmen US-amerikanischer Investoren. Die statistischen Ergebnisse aus den beiden Umfragen verifizierten teilweise die Befunde der Fallstudienuntersuchung des Projektes.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Christoph Dörrenbächer

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin School of Economics and Law

doerrenbaecher@hwr-berlin.de

Prof. Heinz-Josef Tüselmann

Manchester Metropolitan University Business School

All Saints Campus

h.tuselman@mmu.ac.uk

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

stefan-luecking@boeckler.de

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