Digitalisierung, Arbeit und Geschlechterverhältnisse

am Beispiel der Sachbearbeitung in Dienstleistung und Industrie


Forschungsschwerpunkt: Strukturwandel und Innovation

Status: Laufend

Projektende: 31.01.2021

Projektnummer: 2017-411-1

Projektziel:

Die Digitalisierung der Arbeit nimmt zu, und sie betrifft nahezu alle Bereiche der Wirtschaft, allerdings auf unterschiedliche Weise. Das Projekt will Zusammenhänge von Digitalisierung, Arbeit und Geschlechterverhältnissen am Beispiel der Sachbearbeitung in Industrie und Dienstleistung erforschen. Wo liegen in den aktuellen Entwicklungen Chancen zur Überwindung einer benachteiligenden Geschlechterdifferenz, und wie können sie genutzt werden? Das Projekt will wissenschaftliche und praxisnahe Erkenntnisse über die sozialen Prozesse der Digitalisierung sowie übertragbare, verallgemeinerbare Ergebnisse über das gewählte Forschungsfeld hinaus liefern. Es soll Handlungswissen erarbeitet werden, mit dem notwendige kritische Reflexionen des Bestehenden in Bezug auf Gender und Arbeit möglich sind. Dies gilt insbesondere auch für Betriebs- und Personalräte, die Digitalisierungsprozesse aktiv im Interesse der Frauen und Männer (mit) gestalten wollen.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Die Beschäftigten in den Büros haben bereits enorme Veränderungsprozesse mitgemacht. In Unternehmen gab es stets Bemühungen, auch die kaufmännisch-verwaltende Arbeit effizienter zu organisieren. Bereits frühe technische Hilfsmittel wie Schreibmaschinen oder Lochkarten beinhalteten Rationalisierungsmöglichkeiten und hatten Folgen für die Erwerbsarbeit von Frauen. Veränderungen in der Arbeitsorganisation, den Arbeitsinhalten, den Arbeitsbedingungen sowie insbesondere den geschlechterbezogenen Arbeitsteilungen sind auch im Zuge des jetzigen Digitalisierungsschubs angelegt. Prognosen weisen darauf hin, dass auch im Jahr 2030 die meisten Arbeitsstunden in Büro- und kaufmännischen Dienstleistungsberufen aufgewendet werden. Uns interessiert, wie sich die aktuellen Prozesse der Digitalisierung auf die geschlechterbezogene Arbeitsteilung auswirken. Dazu sollen Arbeitsabläufe, Gestaltungsprozesse und der Einsatz digitaler Techniken analysiert werden.

2. Fragestellung

Forschungsleitend ist die Annahme, dass Prozesse der Digitalisierung Anlässe bieten können, Geschlechterverhältnisse neu zu verhandeln, Machtverhältnisse, Rollenzuschreibungen und Arbeitsteilungen zu hinterfragen. Um Veränderungspotenziale durch Digitalisierung zu erkennen, ist es notwendig, Gestaltungsprozesse in der Sachbearbeitung als soziale Prozesse der Veränderung vorhandener ausgehandelter und etablierter Ordnungen einer kritischen Analyse zu unterziehen. Zu beantwortende Fragen im Rahmen des Projekts sind unter anderem: 1. Wie kann Digitalisierung zu einer geschlechtergerechten Arbeits- und Technikgestaltung beitragen? 2. Wie kann in Prozessen der Digitalisierung vorhandenes Geschlechterwissen verändert werden? 3. Wie könnte ein tragfähiges Konzept von guter geschlechtergerechter Arbeit aussehen? 4. Wie können sich in diesen Prozessen der Arbeits- und Technikgestaltung auch emanzipatorische Potenziale für Frauen und Männer ergeben, und wie können sie genutzt werden?

3. Untersuchungsmethoden

Kern der Untersuchung sind sechs Fallstudien in Bereichen der kaufmännischen-verwaltenden Sachbearbeitung in Industrie- und Dienstleistungsbetrieben. Nach einer Auswertung von Publikationen, Studien und Dokumenten, statistischer Analysen sowie Arbeitsmarktprognosen werden zur Exploration des Forschungsfeldes leitfadengestützte Interviews mit überbetrieblichen Expertinnen und Experten geführt. Die betrieblichen Fallstudien beinhalten die Analyse vorhandener Dokumente, Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern aus Geschäftsführungen, Personal- und Organisationsabteilungen, Technik- und Softwareentwicklung, betrieblichen Interessenvertretungen und Gleichstellungsbeauftragten sowie die Durchführung von Interviews und Gruppendiskussionen mit Beschäftigten und die Rückkopplung der Ergebnisse in die Betriebe. Querauswertung und Verallgemeinerung der Ergebnisse bilden den Abschluss der empirischen Phase, Veröffentlichung und Diskussion der Ergebnisse den Abschluss des Projekts.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Dr. Edelgard Kutzner

Technische Universität Dortmund Sozialforschungsstelle

kutzner@sfs-dortmund.de

Bearbeiter/in:

Dr. Melanie Roski

Technische Universität Dortmund Sozialforschungsstelle

roski@sfs-dortmund.de

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

stefan-luecking@boeckler.de

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