Rückkehr in den Arbeitsprozess

Organisatorische und individuelle Bedingungen der Re-Integration bei Gesundheitsproblemen.


Forschungsschwerpunkt: Wohlfahrtsstaat

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.03.2019

Projektnummer: 2016-985-4

Projektziel:

Nicht nur die Arbeitswelt, auch die gesellschaftlich normierten Bilder von Arbeitsunfähigkeit und gesundheitlich bedingten Leistungseinschränkungen sind in Veränderung begriffen. „Arbeitsunfähigkeit“ und „Erwerbsunfähigkeit“ werden nicht mehr als Begriffe der vollständigen und dauerhaften Leistungseinbuße verstanden. In diesem Vorhaben wurde die Rückkehr in den Arbeitsprozess untersucht.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Das Forschungsprojekt untersuchte die Bedingungen der gelungenen Wiedereingliederung in Beschäftigung nach langen Phasen krankheitsbedingter Beschäftigungslosigkeit. Im Zentrum standen zwei komplementäre, typische Konstellationen, in denen sich die Herausforderungen einer Re-Integration in Beschäftigung in besonderer Weise zeigen und die als drei Teilprojekte bearbeitet wurden:

(1) Die Re-Integration in Beschäftigung nach dem Auslaufen einer befristeten Erwerbsminderungsrente oder sehr langer Arbeitsunfähigkeit (Teilprojekt 1) und

(2) die Re-Integration auf einen neuen Arbeitsplatz innerhalb eines Unternehmens, die durch gesundheitliche Einschränkungen des/der Beschäftigten erforderlich ist (Teilprojekt 2).

Dem Vorhaben ist außerdem ein Forschungsmonitoring zugeordnet, das aktuelle Befunde und Projekte im Themenfeld inner- und überbetrieblicher Allianzen zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit zusammentragen und allgemein verständlich aufbereiten soll (Teilprojekt 3).

2. Fragestellung

Teilprojekt 1 fragte, welche Erwerbs- und Versicherungsbiografien Personen aufweisen, deren (befristete) Erwerbsminderungsrente geendet hat. Die Hypothesen bezogen sich auf drei Einflussfaktoren: die vorgängige Erwerbsbiografie, die Dauer der krankheitsbedingten Abwesenheit sowie der Grund der Leistungseinschränkung.

Die Forschungsfrage des Teilprojekts 2 lautete, welche Bedingungen die Wirksamkeit von innerbetrieblichen Allianzen begünstigen, die von Personalvermittlungsabteilungen mit dem Ziel koordiniert werden, Beschäftigte mit längerfristigen gesundheitsbedingten Einschränkungen der Leistungsfähigkeit in eine für sie geeignete, wirtschaftlich sinnvolle Tätigkeit auf dem internen Arbeitsmarkt einzugliedern.

Die Fragestellung des Teilprojekts 3 orientiert sich am Thema, wie betriebliche, überbetriebliche und externe Akteure an der Prävention, der Überwindung von Erkrankungen und beim Wiedereinstieg in die Beschäftigung beteiligt sind.

3. Untersuchungsmethoden

In den unterschiedlichen Schwerpunkten der Teilprojekte wurde mit eigenständigen Datengrundlagen und Analysemethoden gearbeitet.

Im Teilprojekt 1 wurden Daten des Forschungsdatenzentrums der Deutschen Rentenversicherung analysiert. Mittels deskriptiver und multivariater Methoden werden Erwerbs- und Rentenverläufe identifiziert und mögliche Einflussfaktoren bestimmt.

Im Teilprojekt 2 stand eine eigenständige Erhebung unter Führungskräften von innerbetrieblichen Personalvermittlungsagenturen im Mittelpunkt. Auf diese Weise wurden Strukturen, Aufgaben, Gelingensfaktoren und typische Probleme bei der Arbeit der internen Personalvermittlung erfasst.

Im Teilprojekt 3 wurde vorhandene Forschungsliteratur auf Grundlage einer Datenbankrecherche zusammengetragen und anhand dreier Themenschwerpunkte (Förderung/Vermeidung gesundheitlicher Einschränkungen, Erwerbsausstieg und Überwindung gesundheitlicher Einschränkungen und Wiedereinstieg) in drei Forschungsmonitoren systematisch aufgearbeitet.

4. Darstellung der Ergebnisse

Die Ergebnisse in Teilprojekt 1 zeigen, dass trotz einer sozialrechtlichen Normierung der Erwerbsminderungsrente als grundsätzlich befristeter Ausstieg aus dem Erwerbsleben nur selten eine Re-Integration in Beschäftigung gelingt. Auffällig ist eine hohe Instabilität der Beschäftigungsphasen (oder auch sonstiger Phasen) insbesondere nach kürzeren Phasen des Bezugs einer Erwerbsminderungsrente. Dies deutet auf Sortierprozesse, innerhalb derer sich die individuelle Erwerbsfähigkeit klärt. Daher sollten Formen der Beschäftigung unterstützt werden, die eine Erwerbstätigkeit auch bei geminderter Leistungsfähigkeit erlauben.

Teilprojekt 2 zeigt, dass eine enge Kooperation von Personalvermittlungsabteilungen und BEM zur effektiven Vermittlung von gesundheitlich eingeschränkten Beschäftigten auf produktive und leidensgerechte Arbeitsplätze beitragen kann; dabei erscheint die Integration des BEM in die PVA unter bestimmten Bedingungen als reifes und wirksames Modell. Weitere Faktoren sind die fallspezifische Kooperation verschiedener betrieblicher Akteure sowie die Etablierung innerbetrieblicher, fallübergreifender Netzwerke, die eine strategische Weiterentwicklung des BEM sicherstellen.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Martin Brussig

Universität Duisburg-Essen Institut Arbeit und Qualifikation IAQ

martin.brussig@uni-due.de

Bearbeiter/in:

Lina Zink

Universität Duisburg Essen Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ)

lina.zink@uni-due.de

Dr. Susanne Drescher

Universität Duisburg-Essen Institut Arbeit und Qualifikation IAQ

susanne.drescher@uni-due.de

Kathrin Filipiak

Helex Institut

kathrin.filipiak@helex-institut.de

Kontakt:

Dr. Dorothea Voss

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

dorothea-voss@boeckler.de

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