Neue Allianzen für Gute Arbeit bei bedingter Gesundheit

. Beschäftigungssicherung in KMU durch Kooperation betrieblicher und außerbetrieblicher Akteure.


Forschungsschwerpunkt: Wohlfahrtsstaat

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.01.2019

Projektnummer: 2016-981-4

Projektziel:

Im Projekt liegt ein Fokus auf der Suche nach inner-, über- und außerbetrieblichen Potenzialen für neue Allianzen zur nachhaltigen Beschäftigungssicherung gesundheitlich beeinträchtigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wie können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) motiviert und unterstützt werden, um der gesundheitlichen Situation Betroffener im Sinne „Guter Arbeit“ Rechnung zu tragen?

Veröffentlichungen:

Müller, Rainer und Joachim Larisch, 2019. Finnland: Sicherung von Erwerbsfähigkeit und Betriebliche Wiedereingliederung nach und bei chronischer Erkrankung in europäischen Staaten, sicher ist sicher, 70(05), S. 236-238.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Der demografische Wandel, ein starker Anstieg chronischer Erkrankungen, vor allem psychischer Störungen - mitbedingt durch arbeitsweltbezogene Faktoren - haben zu einer Zunahme Beschäftigter mit bedingter Gesundheit und Risiken des Arbeitsplatzverlusts geführt. Hinzu kommen ein branchen- und regionalspezifischer Fachkräftemangel und das heraufgesetzte Renteneintrittsalter. All dies lässt die Sicherung von Beschäftigungsfähigkeit im höheren Erwerbsalter und mit bedingter Gesundheit zu einer nicht nur einzelbetrieblichen, sondern auch zu einer gesundheits- und gesellschaftspolitischen Herausforderung werden.

Mit der Analyse betrieblicher Realitäten in vier ausgewählten Branchen (Pflege, IT, Handwerk, Hotel- u. Gaststättengewerbe) im KMU-Bereich wurden spezifische Bedarfe und Handlungsperspektiven aus der Sicht der Beschäftigten und ihrer Vertretungen, der Arbeitgeber, dem Arbeitsschutz und anderer Akteure im Gesundheitssystem identifiziert.

2. Fragestellung

Im Zentrum stand die Frage nach der nachhaltigen Beschäftigungssicherung für Beschäftigte in KMU, die trotz bereits vorliegender gesundheitlicher Beeinträchtigung oder einer bedrohten Gesundheit weiter arbeiten (wollen bzw. müssen). Dabei interessierten erstens die Bedingungskonstellationen, die subjektiven Bedürfnisse, Erwartungen und Sinnhorizonte von Beschäftigten und die Sichtweisen der organisierten Arbeitnehmerschaft auf der einen und die branchenspezifischen Sichtweisen und Planungshorizonte der Arbeitgeber mit Blick auf eine verbesserte Unterstützung des Arbeitens mit bedingter Gesundheit auf der anderen Seite. Zweitens ging es um die unterstützende Rolle externer Akteure (Kammern, Integrationsfachdienste, Sozialversicherungsträger, Betriebsärzte etc.) durch bestehende oder neue Kooperationsformen in Netzwerken und strategischen Allianzen. Hier standen die Voraussetzungen für Synergien in bereits existierenden und neu zu schaffen Unterstützungsnetzen und Allianzen im Fokus.

3. Untersuchungsmethoden

Auf Basis leitfadengesteuerter Interviews mit den beteiligten Akteuren (Beschäftigte, Arbeitgeber) in exemplarisch ausgewählten und hinreichend voneinander unterschiedenen Arbeitskulturen wurden zentrale Aspekte der Erfahrungen und Praktiken im Umgang mit bedingter Gesundheit und spezifische Unterstützungsbedarfe der KMUs erhoben. Parallel dazu erfolgte eine Inhalts-, Struktur- und Funktionsanalyse ausgewählter thematisch einschlägiger lokaler, regionaler und nationale Netzwerke und Allianzen der Gesundheitsförderung sowie bereits bestehender Modelle („Good Practice“) zur Beschäftigungssicherung auf Basis von Veröffentlichungen, Dokumenten und Selbstbeschreibungen sowie mit Hilfe Experten/innen-Interviews. Fokusgruppen mit beteiligten Akteuren/innen dienten der Abklärung von Chancen für die Umsetzung von Empfehlungen („Machbarkeit“). In einer zusammenfassenden Gesamtschau der perspektiventriangulierten Materialien wurden nach Akteuren differenzierte Handlungsempfehlungen formuliert.

4. Darstellung der Ergebnisse

Beschäftigungssicherung bei bedingter Gesundheit ist in KMUs weitgehend tabuisiert. Die Realität von Krankheiten und AU-Zeiten zwingt Betriebe wie Beschäftigte gleichwohl zur konkreten Auseinandersetzung, die in den untersuchten Arbeitskulturen sehr unterschiedlich erfolgt, so dass Zugangswege, Motivation und Anreize zur Unterstützung darauf abgestimmt werden müssen. Übergreifend zeigte sich, dass gesetzliche Anspruchsgrundlagen wie das BEM, Instrumente der Prävention und Rehabilitation trotz vieler Wegweiser und Checklisten in KMUs meist unbekannt sind. Eine aktive Informationssuche seitens der Beschäftigten und der Betriebe erfolgt nur anlassbezogen. Insgesamt ist ein großer externer Hilfebedarf sichtbar, für den es keine „one fits for all“ Lösungen geben kann, bis auf den übereinstimmenden Wunsch nach gut vor Ort erreichbarer Information, Beratung, Vermittlung aus einer Hand. Während nationale Netzwerke wie INQA die Rolle des Agenda-Settings übernehmen, sind lokal lösungsorientiert gewachsene Allianzen, die auf Vertrauen und Verlässlichkeit gründen, wirksam und akzeptiert. Notwendig wären träger- und rechtskreisübergreifende Beratungs- und Vermittlungsangebote mit festen Budget.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Ernst von Kardorff

Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Rehabilitationswissenschaften

ernst.von.kardorff@rz.hu-berlin.de

Bearbeiter/in:

Prof. Dr. Annett Schulze

Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Rehabilitationswissenschaften

annett.schulze@hu-berlin.de

Sascha Alexander Blasczyk

Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Rehabilitationswissenschaften

sascha.blasczyk@hu-berlin.de

Kooperationspartner:

Dr. Wolfgang Hien

Forschungsbüro für Arbeit, Gesundheit und Biographie

kontakt@wolfgang-hien.de

Kontakt:

Dr. Dorothea Voss

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

dorothea-voss@boeckler.de

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