Lernen auf der Plattform

Inklusives eLearning als Weiterbildungsangebot für eingeschränkte Beschäftigte


Forschungsschwerpunkt: Wohlfahrtsstaat

Status: Abgeschlossen

Projektende: 30.09.2018

Projektnummer: 2016-959-4

Projektziel:

Im Jahr 2008 hat die Bundesregierung die UN-Behindertenrechtskonventionen ratifiziert und somit einen Paradigmenwechsel bezüglich der Einbindung von behinderten oder benachteiligten Menschen in der Gesellschaft angestoßen. Im Projekt soll der Paradigmenwechsel der Inklusion in die Arbeitswelt transferiert werden, indem digitales Lernen für Personen jeglicher Ausgangslage ermöglicht werden soll.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Das Projekt "Lernen auf der Plattform. Inklusives eLearning als Weiterbildungsangebot für eingeschränkte Beschäftigte" hatte zum Ziel, Bildungsmaßnahmen für Arbeitnehmende mit Behinderungen und Beeinträchtigungen zu ermöglichen, welche bisher häufig vom digitalen Lernen ausgeschlossen werden. Laut Statistischem Bundesamt waren Ende 2013 7,5 Millionen Menschen in Deutschland schwerbehindert. Dies entspricht circa 9,4% der Bevölkerung. Unter dem Begriff der "Beeinträchtigung" verstehen wir den Kreis der Personen, die aufgrund ihrer individuellen Ausgangslage Schwierigkeiten an der beruflichen oder gesellschaftlichen Teilhabe haben. Im medizinischen Kontext sind diese Personen jedoch nicht behindert. Zu diesem Personenkreis zählen beispielsweise 7,5 Millionen Einheimische, die als funktionale Analphabeten keine oder nur mittelmäßige Schreib- und Lesekompetenzen aufweisen, sowie Migranten. Für diese Personengruppen existieren gegenwärtig kaum geeignete Lerntechnologien.

2. Fragestellung

Die Forschungsfragen lauteten:

1. Wie muss eine e-Learning-Plattform für berufliche Weiterbildung unter der Prämisse der Inklusion gestaltet sein?

2. Wie kann eine möglichst breit, flexibel und einfach nutzbare technische Realisierung einer solchen Plattform erfolgen?

3. Wie effektiv ist die Lernunterstützung durch eine solche Plattform?

4. Wie nehmen behinderte oder benachteiligte Menschen sowie Betriebe eine solche Plattform in der Praxis an?

3. Untersuchungsmethoden

Das Projekt umfasste zunächst die Erarbeitung der Anforderungen an inklusive eLearning-Systeme für berufliche Weiterbildungen unter Einbeziehung von verschiedenen Gruppen: 1. Erwerbspersonen mit verschiedenen Behinderungen und Benachteiligungen 2. Betriebe mit Interesse an einem inklusiv gestalteten digitalen Lernangebot und 3. Dozenten von eLearning-Kursen, die ihre beruflichen Weiterbildungskurse gerne inklusiv gestalteten möchten. Anschließend wurde auf Basis der erhobenen Anforderungen systematisch ein Systemkonzept unter Beachtung von Inklusionsaspekten entworfen. Die entstehende Software wurde empirisch evaluiert. Hierbei wurden zunächst qualitativ orientierte formative Evaluationsmethoden verwendet, um die grundsätzliche Akzeptanz der Plattform festzustellen und diese auf Basis der Erkenntnisse zu modifizieren. Nachfolgend erfolgte dann eine summative Evaluation unter der Fragestellung, ob das Konzept inklusives eLearning effektiv unterstützt.

4. Darstellung der Ergebnisse

Aus den erhobenen Anforderungen und dem Systemkonzept wurde die inklusive Lernplattform LAYA entwickelt. Diese ermöglicht gemeinsames Lernen für Menschen mit unterschiedlichen Ausgangslagen und bietet dafür verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten. Diese werden unter anderem in Form verschiedener Darstellungsformen (Video, Audio, Text, einfache Sprache, Gebärdensprache) umgesetzt.

Eine Evaluation der Plattform mit einem Unternehmen gestaltete sich schwierig und lässt Fragen über den Stellenwert von Inklusion in Unternehmen zu. Die Nutzerstudie im Rahmen eines Workshops zur Selbstständigkeit von Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen zeigte eine gute Akzeptanz der Lernplattform bei punktueller Kritik. Die meisten geäußerten Kritikpunkte konnten bereits in einem ersten Überarbeitungszyklus behoben werden. Weitere benötigen zunächst weiterer Forschung und werden für die langfristige Weiterentwicklung der Lernplattform berücksichtigt. LAYA wird über dieses Projekt hinaus in verschiedenen Projekten eingesetzt, so dass eine langfristige Weiterentwicklung sichergestellt ist.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Niels Pinkwart

Humboldt-Universität zu Berlin

Institut für Informatik

niels.pinkwart@hu-berlin.de

Bearbeiter/in:

Yasmin Patzer

Humboldt-Universität zu Berlin

patzer@informatik.hu-berlin.de

Stefanie Trzecinski

Kopf, Hand + Fuß gemeinnützige Gesellschaft für Bildung mbH

trzecinski@kopfhandundfuss.de

Kontakt:

Dr. Dorothea Voss

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

dorothea-voss@boeckler.de

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