Humanisierung der Arbeit

"-Literaturbericht zum "Forschungsprogramm Humanisierung des Arbeitslebens


Forschungsschwerpunkt: Geschichte der Gewerkschaften

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.10.2015

Projektnummer: 2015-860-5

Projektziel:

Unter dem Postulat der „Humanisierung der Arbeitswelt“ (HdA) erfuhr die Gestaltung der (Industrie-)Arbeit in den 1970er und 1980er Jahren eine öffentliche Aufwertung, die bis heute im Gedächtnis ist. Der Literaturbericht will das Interesse an einer stärkeren historischen Betrachtung wecken und durch eine wissenschaftliche Historisierung auch die Verknüpfung mit aktuellen Entwicklungen anregen.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Als Gemeinschaftsprogramm von Staat, Wissenschaft, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite konzipiert, startete die "Humanisierung des Arbeitslebens" 1974 unter Federführung von Bundesarbeits- und Forschungsministerium zur allgemeinen Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Als eines der größten Einzelprogramme der Reformära beschäftigte sich eine Vielzahl der Projekte mit der Beseitigung von Belastungen am Arbeitsplatz; hinzu kam Grundlagenforschung zur Verbesserung der Qualität der Arbeit. Es wurde nach teilweise heftigen politischen Debatten auch in den 1980er Jahren fortgesetzt und 1989 durch das Nachfolgeprogramm "Arbeit und Technik" (AuT) abgelöst.

2. Fragestellung

Die Untersuchung folgt der Hypothese, dass bislang eine starke Politisierung der allgemeinen Humanisierungsbestrebungen vorgenommen und insbesondere von der sozialwissenschaftlichen Forschung rezipiert wurde. Die allgemeine Humanisierungsbewegung ist jedoch vom eigentlichen Forschungsprogramm und den dort umgesetzten Maßnahmen zu trennen: Das Projekt fragt insbesondere nach den Bedingungen des Zustandekommens und den Faktoren der (fortwährenden) Krise des Programmes. Sie waren einerseits charakteristisch für das Programm, wiesen andererseits als Beispiel des Reformbündnisses bzw. der Reformkrise der 1970er Jahre auch über den Untersuchungsgegenstand hinaus. Das Forschungsprojekt hat hier in erster Linie die beteiligten Akteure an der Debatte identifiziert und hinterfragt, inwieweit die Humanisierungsfrage auch außerhalb des offiziellen Forschungsprogrammes rezipiert wurde.

3. Untersuchungsmethoden

Aufgrund des bislang großen Forschungsdesiderats führt der Literaturbericht wegweisend Quellen und die bisherige, stark interdisziplinär aufgefächerte Forschung zur Thematik zusammen. Seine Erstellung erfolgte über eine empirische historische Analyse, die neben der Rezeption der bisherigen Forschungsliteratur auch gedruckte Quellen (v. a. Berichtswesen; Schriftenreihe "Humanisierung des Arbeitslebens") berücksichtigt. Darüber hinaus wurden nicht publizierte Quellen als Überblick für künftige Forschungen gesichtet, bewertet und in den Bericht integriert. Dazu wurden Archiv- und Bibliotheksbestände überblicksartig eingesehen und Empfehlungen zu weiteren Forschungsfeldern aus geschichtswissenschaftlicher Sicht abgeleitet bzw. das Potential der Humanisierungsforschung für die aktuellen Debatten der Zeitgeschichte geprüft.

4. Darstellung der Ergebnisse

- Eine erste Bilanz zeigt, dass der anhaltende Mythos von HdA weniger auf seiner finanziell-organisatorischen Größe als vielmehr auf seinem politischen Gewicht beruht.

- Die Schwierigkeiten bei Umsetzung und Organisation des Programmes lagen zunächst beim Projektträger selbst. Langfristig offenbarten sich grundsätzliche strukturelle Probleme des Gesamtprogrammes, die vor allem seinen Anspruch und seine Umsetzungskraft betrafen.

- Trotzdem konnte die vorläufige These erhärtet werden, dass das Programm mit seiner langen Laufzeit und dem umfassenden Anspruch kurz-, mittel- und langfristige Verbesserungen in der Arbeitswelt hervorbrachte.

- Weder die historische Entwicklung des Programms noch die gesamtgesellschaftliche Bewegung kann in einer einzelnen Analyse aufgearbeitet werden: Nach der Untersuchung thematischer Schwerpunkte (z.B. Akteure, Zäsuren, Organisationsstrukturen, Differenzierung der Programmschwerpunkte und Fallbeispiele, Bewertung langfristiger Effekte, internationale Verflechtungen) wird es erst in einem zweiten Schritt möglich sein, die Erkenntnisse zusammenzuführen, um zu einer fundierten geschichtswissenschaftlichen Bewertung von HdA insgesamt zu kommen.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Nina Kleinöder

Phillipps-Universität Marburg Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte

nina.kleinoeder@staff.uni-marburg.de

Kontakt:

Dr. Michaela Kuhnhenne

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

michaela-kuhnhenne@boeckler.de

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