Forschungsprojekt: Europäisierungseffekte in der Übergangsgestaltung

"Von Brüssel nach Flensburg" - Exemplarische Rekonstruktion der Wechselwirkung zwischen Europäischer Bildungs- und Beschäftigungspolitik und der pädagogischen Gestaltung der Übergangsphase zwischen Schule und Beruf.

Projektziel

Programme zur Förderung der Beschäftigungsfähigkeit und Senkung der Schulabbruchquote haben die deutsche Bildungslandschaft verändert. Die Mehrzahl solcher Projekte wird mit europäischen Mitteln kofinanziert. Wie sich eine von der europäischen Ebene ausgehende bildungspolitische Steuerung konkret vollzieht, wird am Beispiel der Entwicklung des Übergangssystems in Schleswig-Holstein rekonstruiert.

Veröffentlichungen

Niemeyer, Beatrix und Sebastian Zick, 2019. Working the Boundaries of spaces for agency in adult education - how European social inclusion policy challenges, Working Paper Forschungsförderung 132, Düsseldorf : Hans-Böckler-Stiftung, 41 Seiten.

Zick, Sebastian, 2018. Jugendarbeitslosigkeit in Europa – von der Identifikation der Krise zur Eröffnung eines diskursiven Feldes, Working Paper Forschungsförderung 66, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 63 Seiten.

Niemeyer, Beatrix, 2018. Europäisierungseffekte in der Übergangsgestaltung – Fallstudie Schleswig-Holstein, Working Paper Forschungsförderung 67, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 79 Seiten.

Niemeyer, Beatrix, 2018. Europäisierungseffekte in der Übergangsgestaltung. Kurzfassung: Von Brüssel nach Flensburg, Working Paper Forschungsförderung 64, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 54 Seiten.

Menz, Christian, 2018. Der Europäische Sozialfonds und die Unterstütutzung von Jugendlichen am Übergang zwischen Schule und Beruf. Fördermöglichkeiten und -voraussetzungen zwischen 1957 und 2020, Working Paper Forschungsförderung 65, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 75 Seiten.

Weitere Informationen

Beitrag des Sonderbandes “Experiencing Europe” eingereicht beim Euro-pean Educational Research Journal, der Zeitschrift der Europäischen Ge-sellschaft für Erziehungswissenschaften (EERA)
http://im Erscheinen

Projektbeschreibung

1. Kontext

Die Untersuchung von „Europäisierungseffekten im Übergangssystem“ betrachtet das Übergangssystem aus der Metaperspektive der bildungspolitischen Gestaltung und nimmt die Wechselwirkungen zwischen regionaler und europäischer Politikebene in den Blick. Im Fokus steht die Herausbildung des Übergangssystems an der Schnittstelle von allgemeiner und beruflicher Bildung,und die Frage nach Verschiebungen in den handlungsleitenden Paradigmen der Ausgestaltung der Übergangsphase. Europäisierung wird dabei als doppelseitiges Verhältnis von Handlung und Struktur verstanden, das gleichzeitig Handlungen in EU-Strukturen und EU-Strukturen in Handlungsprozesse rücküberführt. Wie und von wem werden europäische und nationale Begründungszusammenhänge in Beziehung gesetzt? Wie wirken die damit einhergehenden Aushandlungsprozesse auf die Gestaltung der Übergangsförderung zurück? Dabei sind sowohl strukturelle Veränderungen als auch subjektive Deutungsmuster von Bildungsgerechtigkeit von Interesse.

2. Fragestellung

Wie werden nationale Bildungssysteme durch europäische Steuerungsimpulse beeinflusst? Wie wirkt europäische Bildungspolitik auf regionale Bildungsbedingungen?Wie verändert europäische Bildungs- und Beschäftigungspolitik die Gestaltung der Übergangsphase zwischen Schule und Beruf in Deutschland? Die mehrebenenanalytische Untersuchung fragt nach den impliziten und expliziten Veränderungen, die Programme zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit im Bereich der vorberuflichen Bildung in Deutschland bewirken und rekonstruiert diese exemplarisch am Beispiel eines Förderprogramms in Schleswig-Holstein.

3. Untersuchungsmethoden

Die Wechselwirkungen zwischen europäischer Steuerung und Übergangsförderung auf Landesebene wurden über eine qualitative Mehrebenenanalyse rekonstruiert. Dabei wurden die Sinnstrukturen der Makroebene der europäischen Politik und der Mesoebene der Institutionalisierungsprozesse der Übergangsförderung als unterschiedliche Komplexitätsebenen zunächst unabhängig voneinander rekonstruiert und anschließend zueinander in Beziehung gesetzt. Die empirische Basis bildete eine Dokumentenanalyse aller ESF-Verordnungen sowie von ausgewählten EU-Vereinbarungen, die in einem zweiten Schritt mit dem ausgewählten Fallbeispiel aus Schleswig-Holstein kontrastiert wurden. Dazu wurden zehn Expert_inneninterviews geführt, mit deren Analyse Verfahren der ESF-Förderung exemplarisch nachvollzogen sowie Bedeutungsverschiebungen und strukturelle Veränderungen in der Übergangsförderung des Landes identifiziert werden konnten.

4. Darstellung der Ergebnisse

Jugendarbeitslosigkeit als Thema erschließt den Gestaltungsraum des Übergangs diskursiv, ESF-Mittel fordern zu seiner Ausgestaltung auf; Förderverordnungen geben die Richtung vor, die Umsetzung allerdings vollzieht sich im Landeskontext im Anschluss an vorhandene Strukturen, mit den etablierten Akteuren und im Rekurs auf bisherige Erfahrungen und entwickelte Konzepte, jedoch nicht unbeeindruckt von normativen Setzungen auf europäischer Ebene. Die zentralen Veränderungen im Land bestehen in der Öffnung von Schule, der Vernetzung der Akteure der Übergangsförderung in Verwaltung und Praxis und in der Institutionalisierung von Steuerungsgremien. ESF-Förderung hat hierfür die entsprechenden Handlungsräume eröffnet und gleichzeitig reguliert. Mit dem Wechsel vom Verteilungs- zum Problemlöseansatz liefert sie einen Rahmen, der es den Mitgliedsländern ermöglicht, soziale Probleme in ihrer je spezifischen Ausprägung politisch (und pädagogisch) zu behandeln. Die Akteur_innen jonglieren dabei Landes- und EU-Anforderungen als parallele Sinnwelten, die in ihren jeweiligen Kontexten Geltung haben. Die Konstruktion der Koexistenz dieser beiden Sinnwelten wird zum Merkmal von Professionalität.

Projektleitung und Bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Beatrix Niemeyer-Jensen
Europa-Universität Flensburg Institut für Erziehungswissenschaft
niemeyer@uni-flensburg.de

Bearbeitung

Sebastian Zick
Europa-Universität Flensburg Institut für Erziehungswissenschaften Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschunsprojekt
sebastian.zick@uni-flensburg.de

Kontakt

Dr. Michaela Kuhnhenne
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
michaela-kuhnhenne@boeckler.de

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