Transnationale Unternehmensvereinbarungen

. Eine quantitative Bestandsaufnahme im Metallsektor


Forschungsschwerpunkt: Mitbestimmung

Status: Abgeschlossen

Projektende: 30.11.2011

Projektnummer: 2011-456-2

Projektziel:

Transnationale Unternehmensverhandlungen und -vereinbarungen sind mittlerweile ein viel diskutiertes Phänomen transnationaler Arbeitsbeziehungen. Verlässliche Zahlen zu ihrem Verbreitungsgrad, ihren Charakteristika und ihren Entwicklungspotenzialen lagen aber bislang nicht vor. Das Projekt hat diese Forschungslücke für den Metallsektor weitgehend geschlossen.

Veröffentlichungen:

Rüb, Stefan, Hans-Wolfgang Platzer und Torsten Müller, 2013. Europäische Vereinbarungspolitik auf Unternehmensebene. Entwicklungsdynamiken und Prozessmuster im Metallsektor, Industrielle Beziehungen, 20(3/2013), S. 221-244.

Müller, Torsten, Hans-Wolfgang Platzer und Stefan Rüb, 2012. Transnationale Unternehmensvereinbarungen und die Vereinbarungspolitik Europäischer Betriebsräte, WSI Mitteilungen, 6/2012, S. 457-463.

Weitere Informationen:

Europäische Vereinbarungspolitik auf Unternehmensebene. Entwicklungsdynamiken und Prozessmuster im Metallsektor.- In: Industrielle Beziehungen, 20. Jg. ; H 3/2013.- S 221-244

Rüb, Stefan.; Platzer, Hans-Wolfgang; Müller, Torsten:

http://www.hampp-ejournals.de/hampp-verlag-services/get?file=/frei/IndB_3_2013_Rueb

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Die Erfassung des Verbreitungsgrads transnationaler Unternehmensvereinbarungen beruht insbesondere auf Bestandslisten der EU-Kommission und der transnationalen Gewerkschaftsverbände. Diese sind aber bislang weder systematisch ausgewertet noch auf ihre Verlässlichkeit hinsichtlich der Vollständigkeit der Bestandsdaten überprüft worden. Zugleich sind in diesen Listen nur formale Vereinbarungen, nicht aber bewusst unterhalb formaler Vereinbarungen gehaltene transnationale Absprachen (Handschlagsvereinbarungen, in Sitzungsprotokollen/Protokollnotizen festgehaltene Verabredungen) erfasst. Verlässliche Zahlen zu Verbreitungsgrad, Charakteristika und Entwicklungspotenzialen einer transnationalen Vereinbarungs- und Absprachenpolitik sind aber für die betriebspolitische Praxis ebenso relevant wie für die einschlägige Forschung.

2. Fragestellung

Die Untersuchung hatte das Ziel, vertiefte empirische Erkenntnisse über den Entwicklungsstand und die möglichen Wachstumsprozesse einer transnationalen Vereinbarungs- und Absprachenpolitik im Metallsektor zu gewinnen. Im Einzelnen umfasste dies folgende Fragen: 1) die Frage des Verbreitungsgrads und der Charakteristika einer transnationalen (förmlich-vertraglichen) Vereinbarungspolitik (verbunden mit der Frage der Vollständigkeit und Verlässlichkeit verfügbarer Bestandsdaten transnationaler Vereinbarungen), 2) die Frage des Verbreitungsgrads und der Charakteristika einer transnationalen (informellen) Absprachenpolitik, 3) die Frage des zukünftigen Entwicklungspotenzials einer transnationalen Vereinbarungs- und Absprachenpolitik.

3. Untersuchungsmethoden

Methodisch basierte die Untersuchung auf einer breit angelegten Telefonbefragung und der sekundäranalytischen Auswertung anderweitig erhobener Daten. Auf der Grundlage eines teilstandardisierten Fragebogens wurden Telefoninterviews mit Repräsentanten Europäischer Betriebsräte (EBR) aus insgesamt 82 Unternehmen des Metallsektors geführt. Zur sekundäranalytischen Auswertung wurden die EBR-Datenbestände des Europäischen Metallgewerkschaftsbunds (EMB) und der IG Metall, die Bestandsdaten zu transnationalen Unternehmensvereinbarungen der EU-Kommission und vorangegangene eigene Erhebungen herangezogen.

4. Darstellung der Ergebnisse

- Nach vorsichtiger Schätzung lässt unsere Untersuchung den Schluss zu, dass in etwa 12-15% der Unternehmen der europäischen Metallindustrie bereits transnationale Vereinbarungen abgeschlossen wurden.

- Eine Dunkelziffer bestehender europäischer Vereinbarungen konnte nachgewiesen werden; sie liegt aber unterhalb einer Größenordnung, die die Aussagekraft der öffentlich gelisteten Vereinbarungen grundsätzlich in Frage stellen würde.

- Die Umfrageergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Zahl der Unternehmen, in denen in den kommenden Jahren transnationale Vereinbarungen abgeschlossen werden, graduell zunehmen, aber nicht im Sinne einer exponentiellen Wachstumsdynamik ansteigen wird.

- In unserer Erhebung wurde erstmals der empirische Nachweis für die Relevanz einer Absprachenpolitik von Europäischen Betriebsräten erbracht. In etwa einem Viertel der Unternehmen unseres Untersuchungssamples haben Europäische Betriebsräte Absprachen mit dem europäischen Unternehmensmanagement getroffen, die unterhalb formaler, schriftlich fixierter Vereinbarungen angesiedelt sind.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Hans-Wolfgang Platzer

Hochschule Fulda

FB Sozial- und Kulturwissenschaften

hans.w.platzer@sk.hs-fulda.de

Bearbeiter/in:

Dr. Stefan Rüb

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

stefan-luecking@boeckler.de

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