Geschichte des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes (EMB)

Vom europäischen Verbindungsbüro zur transnationalen Gewerkschaftsorganisation? Geschichte des Europäischen Metallgewerkschaftsbunds (EMB)


Forschungsschwerpunkt: Geschichte der Gewerkschaften

Status: Abgeschlossen

Projektende: 06.01.2016

Projektnummer: 2009-316-5

Projektziel:

Das Projekt zeichnet die geschichtliche Entwicklung der Organisationen der Metallgewerkschaften auf der Ebene der EWG bzw. der Europäischen Gemeinschaft (EG) und Europäischen Union (EU) nach. Es spannt den Bogen vom 1963 gegründeten "Europäischen Metallausschuss", dem "Europäischen Metallgewerkschaftsbund" ab 1971 bis zur Gründung von "industriAll- European Trade Union" im Jahr 2012.

Veröffentlichungen:

Clairmont, Yves, 2014. Vom europäischen Verbindungsbüro zur transnationalen Gewerkschaftsorganisation: Organisation, Strategien und Machtpotentiale des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes bis 1990, Studien zur Geschichte der Europäischen Integration 25, Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 505 Seiten.

Henning, Klaus, 2013. Europäische Integration und Gewerkschaften. Der EMB zwischen Interessenvertretung und transnationaler Solidarität. Der EMB zwischen Interessenvertretung und transnationaler Solidarität, Wiesbaden: Springer VS, 354 Seiten.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Gewerkschaften haben von Beginn der Europäischen Integration an ebenfalls Formen der europäischen Zusammenarbeit entwickelt. In der EGKS und später der EWG schufen sie "Europäische Gewerkschaftsausschüsse", um Arbeitnehmerinteressen gegenüber Europäischen Institutionen, Arbeitgeberverbänden und multinationalen Unternehmen zu vertreten, sowie sich grenzüberschreitend zu koordinieren und Solidarität zu organisieren. Seit den 1970er Jahren wurden die Ausschüsse zu Gewerkschaftsverbänden aufgewertet. Einer der wichtigsten unter ihnen war der Europäische Metallgewerkschaftsbund (EMB). Er vertrat die Metallgewerkschaften, die sich durch hohe Mitgliederstärke und lange gewekschaftliche Tradition auszeichneten. Die Metall- und Elektroindustrien waren zudem seit jeher Schlüsselindustrien für Europa und standen an der Spitze des technologischen und wirtschaftlichen Wandels.

2. Fragestellung

Die Studie geht der Frage nach, ob vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Integration in Europa, die Metallgewerkschaften an diese europäische Realität angepasste und funktionsfähige Verbandsstrukturen schufen. Zudem soll untersucht werden, welchen Wandlungsprozessen diese europäischen Verbandstrukturen gegebenenfalls unterworfen waren. Zentral ist dabei die Frage, ob und in wie weit die strategische Ausrichtung sowie die organisatorische Struktur der europäischen Verbandsebene der Metallgewerkschaften mit den an sie gestellten, sich wandelnden europäischen Anforderungen Schritt hielt.

3. Untersuchungsmethoden

Im Rahmen des Projekts wurden Zeitzeugengespräche mit allen ehemaligen Generalsekretären des EMB, fragebogenbasierte, halbstandardisierte Experteninterviews mit Mitgliedern von Ausschüssen des EMB sowie Mitarbeitern des Brüsseler Sekretariats von "IndustriAll European Union" durchgeführt. Zudem wurde das äußerst umfängliche, erst kürzlich erschlossenen Organisationsarchiv des EMB ausgewertet.

4. Darstellung der Ergebnisse

Die Metallgewerkschaften haben ihre Organisationsstrukturen und Strategien auf europäischer Ebene gestärkt. Trotz unterentwickelter europäischer Arbeitsbeziehungen und mangelndem politischen Einfluss gelang es den Metallgewerkschaften, Ansätze einer sozialpolitischen Integration durchzusetzen.

Grad und Form der gewerkschaftspolitischen Integration variieren in den verschiedenen Handlungsfeldern. In gewissem Sinne folgte die Europäisierung der Politik der Metallgewerkschaften der politischen Integration in Europa in Form der Entwicklung eines europäischen Mehrebenensystems. In einigen Bereichen gab es eine Übertragung von Entscheidungsbefugnissen an eine supranationale gewerkschaftliche Verbandsebene. In anderen schufen die Mitgliedsverbände eine Methode, die einige Ähnlichkeiten mit der "Methode der offenen Koordinierung" in der Europäischen Union hat.

In allen verbandlichen Handlungsfeldern gab es Konflikte, die in den nationalen Unterschieden der Mitgliedsverbände, vor allem in Bezug auf Organisationsprinzipien und historischen Erfahrungen wurzeln. Trotz dieser Hindernisse gelang es den Metallgewerkschaften, handlungsfähige europäische Verbandsstrukturen zu schaffen.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Peter Massing

Freie Universität Berlin Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft

FB Politik- und Sozialwissenschaften

massingr@zedat.fu-berlin.de

Prof. Dr. Siegfried Mielke

Freie Universität Berlin FB Politik- u. Sozialwissenschaften

OSI (Campus Lankwitz)

smielke@zedat.fu-berlin.de

Prof. Dr. Dr. Jürgen Kocka

Freie Universität Berlin Friedrich-Meinecke-Institut

FB Geschichts- und Kulturwissenschaften

prokocka@zedat.fu-berlin.de

Bearbeiter/in:

Yves Clairmont

Klaus Henning

Kontakt:

Dr. Michaela Kuhnhenne

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

michaela-kuhnhenne@boeckler.de

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