Erwerbstätigkeit in der Pflege in Deutschland und Schweden

Kontinuierliche Erwerbstätigkeit in der Pflege. Ein deutsch-schwedischer Vergleich


Forschungsschwerpunkt: Erwerbsarbeit

Status: Abgeschlossen

Projektende: 30.09.2011

Projektnummer: 2009-262-4

Projektziel:

Pflegekräfte in der Altenbetreuung in Schweden können im Gegensatz zu Deutschland zumeist auf eine lange und kontinuierliche Tätigkeit zurückblicken. Auf der Basis einer Fragebogenuntersuchung mit jeweils 600 Pflegekräften in der ambulanten und stationären Versorgung wurden in beiden Ländern Voraussetzungen für eine kontinuierliche Erwerbstätigkeit in der Pflege untersucht.

Weitere Informationen:

Pflegejobs ohne Perspektive.- In: Böcklerimpuls, 16/2013.- S. 6

http://www.boeckler.de/44371_44381.htm

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Der Bereich der pflegerischen Versorgung stellt ein zentrales Tätigkeitsfeld für die zunehmende Erwerbsintegration von Frauen dar. Trotz der gesellschaftlichen Bedeutung des Tätigkeitsfelds haben sozialpolitische Veränderungen zu einer zunehmenden Ökonomisierung und damit zu einer erheblichen Verschlechterung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen geführt. Diese Entwicklung erschwert es, Pflegekräften eine sozial abgesicherte, gesundheitsförderliche und interessante berufliche Perspektive zu bieten. Die ländervergleichende Untersuchung soll Hinweise für eine Weiterentwicklung sozialpolitischer und arbeitsorganisatorischer Bedingungen liefern und damit zu einer Verbesserung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen, der Erleichterung der Vereinbarung von Beruf und Familie und dem Abbau der Geschlechtersegregation beitragen.

2. Fragestellung

Aufgrund der ländervergleichenden Analysen von Pflegepolitiken, Entwicklungen im Tätigkeitsfeld und Berufsverbleib wurden zentrale Dimensionen der Voraussetzungen des Berufsverbleibs definiert und darauf aufbauend Untersuchungsfragen formuliert: (1) Wie werden die Muster des Berufsverbleibs in beiden Ländern durch die Beschäftigungsbedingungen des Tätigkeitsfelds, die Arbeitsbedingungen und die Vereinbarung von Beruf und Familie beeinflusst? (2) In welchem Zusammenhang stehen diese Einflüsse in beiden Ländern zu zentralen Variablen der Arbeitssituation, wie der wahrgenommenen Arbeitsbelastungen und Ressourcen und deren Bewertung? (3) Wie beeinflussen die objektiv vorhandenen Belastungen und Ressourcen und deren subjektive Bewertung die Absicht des Berufsverbleibs in beiden Ländern? (4) Inwieweit unterscheidet sich die Situation für unterschiedliche Gruppen von Pflegekräften im ambulanten und stationären Sektor in beiden Ländern?

3. Untersuchungsmethoden

Zur ländervergleichenden Analyse der Arbeitssituation und der Vereinbarung von Beruf und Familie wurde eine in Schweden bereits durchgeführte Fragebogenuntersuchung in Deutschland repliziert und durch Experteninterviews in Schweden ergänzt. Entsprechend der Fragestellung wurden objektive Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz, deren subjektive Bewertung, Muster des Berufsverbleibs über die Berufsbiographie und der Vereinbarung von beruflichen und familiären Anforderungen einbezogen. Die Fragen wurden auf der Basis uni- oder multivariater statistischer Verfahren ausgewertet. Die Stichprobenziehung in Schweden erfolgte auf der Basis des hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrads durch eine Zufallsauswahl aus dem Mitgliedsregister der Gewerkschaft. In Deutschland wurden repräsentativ ambulante und stationäre Einrichtungen zur Verteilung der Fragebögen ausgewählt.

4. Darstellung der Ergebnisse

Die Ergebnisse geben Hinweise auf Einflussfaktoren auf den tatsächlichen Berufsverbleib und die Absicht eines Berufswechsels:

- In Schweden weisen Pflegekräfte unabhängig von der Qualifikation lange Berufsverweildauern auf, während dies in Deutschland nur Fachkräften gelingt. Die kontinuierliche Tätigkeit in Schweden ist durch zeitlich umfassendere und sozial abgesicherte Arbeitstätigkeiten, funktionale Integration von Arbeitsaufgaben und berufsbegleitende Qualifizierung aller Pflegekräfte und damit durch eine kaum vorhandene Polarisierung gekennzeichnet.

- Die familienpolitischen Rahmenbedingungen in Schweden ermöglichen eine Kombination von Beruf und Familie, während für deutsche Pflegekräfte familienbedingte Unterbrechungen oder die Aufnahme von Tätigkeiten mit geringem zeitlichen Umfang typisch sind.

- Die Absichten des Berufs-/Stellenwechsels zeigen sich länderspezifisch überformt: Während sich in Deutschland die quantitative Belastung als die entscheidende Variable für die Absicht des Berufs-/Stellenwechsels herausstellt, ist es in Schweden die Unzufriedenheit mit den Veränderungen der Arbeits- und Versorgungssituation sowie den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Hildegard Theobald

Universität Vechta Institut für Gerontologie

hildegard.theobald@uni-vechta.de

Bearbeiter/in:

Maren Preuß

Universität Vechta Institut für Gerontologie

maren.preuss@uni-vechta.de

Kontakt:

Dr. Dorothea Voss

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

dorothea-voss@boeckler.de

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