Forschungsprojekt: Dienstleistungsarbeit zwischen Ökonomisierung u. Aktivierung

Dienstleistungsarbeit zwischen Ökonomisierung und Aktivierung. Neue Herausforderungen an Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik

Projektziel

Im Zentrum der qualitativ und quantitativ angelegten Studie steht der Wandel der Arbeit in den sozialen Diensten. Dabei wurden insbesondere die Folgen der zunehmenden betriebswirtschaftlichen Organisation der Arbeit ("Ökonomisierung") und neuer professioneller und sozialpolitischer Ansprüche ("Aktivierung") auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in diesen Bereichen untersucht.

Veröffentlichungen

Hielscher, Volker, 2013. Zwischen Kosten, Zeit und Anspruch. Das alltägliche Dilemma sozialer Dienstleistungsarbeit, Wiesbaden: Springer VS, 280 Seiten.

Nock, Lukas, Volker Hielscher und Sabine Kirchen-Peters, 2013. Dienstleistungsarbeit unter Druck: Der Fall Krankenhauspflege. Ergebnisse einer Befragung von Pflegepersonal im Krankenhaus und vergleichende Analyse zu Befunden aus Altenpflege und Jugendhilfe, Arbeitspapier 296, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 52 Seiten.

Nock, Lukas, Sabine Kirchen-Peters und Volker Hielscher, 2013. Zwischen Anspruch und Marktdruck: Pflege im Branchenvergleich, Dr. med. Mabuse, 38(201), S. 43-45.

Hielscher, Volker, 2012. Dienstleistungsarbeit zwischen Ökonomisierung und Aktivierung. Neue Herausforderungen an Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik, Saarbrücken, 227 Seiten.

Blass, Kerstin, 2012. Zwischen Ökonomisierungsdruck und Aktivierungsanspruch, Die Schwester Der Pfleger, 51(08/2012), S. 788-790.

Projektbeschreibung

1. Kontext

Der Wohlfahrtsstaat in Deutschland ist in den vergangenen fünfzehn Jahren einem weit reichenden Umbau unterworfen worden. Mechanismen von Markt und betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente sind in vielen Bereichen sozialer Dienste eingeführt worden, mit dem Anspruch, die Effizienz sozialer Dienstleistungen zu erhöhen. Diese Entwicklungen charakterisieren eine "Ökonomisierung" der Dienstleistungsarbeit. Neben die Ökonomisierung ist in der jüngeren Zeit ein neues Verständnis des Wohlfahrtsstaates als "aktivierender Sozialstaat" getreten. Unter dem Aktivierungsparadigma werden für die Gewährung sozialer (Dienst-)Leistungen zunehmend Gegenleistungen bzw. die aktive Mitwirkung von Klienten erwartet. Doch Aktivierung muss letztendlich von den professionellen Helfern in der Interaktion mit ihren Adressaten praktisch umgesetzt werden. Ökonomisierung und Aktivierung dürften in wachsendem Maße die Arbeitsanforderungen und -bedingungen der Beschäftigen prägen.

2. Fragestellung

Folgende konkrete Fragestellungen wurden bearbeitet:

- Inwieweit und in welcher Form werden die Ökonomisierung und die Anforderungen an Aktivierung in verschiedenen Bereichen sozialer Dienstleistungsarbeit definiert und vorangetrieben?

- Wie gehen die sozialen Dienste mit dem Druck zu effizientem Wirtschaften um? Wie versuchen sie, eine hohe Dienstleistungsqualität sicherzustellen?

- Wie wird die Arbeit in den Organisationen sozialer Dienste gesteuert? Welche Rolle spielen neue betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente?

- Welchen neuen Anforderungen oder Belastungen sehen sich die Beschäftigten im Arbeitsprozess gegenüber?

- Wie beeinflusst die Ökonomisierung und der Aktivierungsanspruch die Interaktion zwischen professionellen Helfer/innen und ihren Klienten/innen?

3. Untersuchungsmethoden

Die vergleichende Studie wurde in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung, dem Allgemeinen Sozialdienst der Jugendämter sowie der ambulanten und stationären Altenpflege mit folgenden Erhebungsschritten durchgeführt:

1. In sechzehn Einrichtungen wurde eine Expertenbefragung mit Leitungskräften zu den Rahmenbedingungen, den Anforderungen und Ressourcen durchgeführt, mit denen die Einrichtungen arbeiten müssen.

2. In ausgewählten Einrichtungen wurden zudem die Beschäftigten in leitfadengestützten Interviews zum Wandel der Arbeitsbedingungen und der Arbeitsanforderungen sowie zur Bedeutung der Ökonomisierung und Aktivierung im Arbeitsprozess befragt.

3. Auf der Grundlage der Interviewauswertungen wurde eine breitere quantitative Befragung durchgeführt, an der mehr als 1300 Beschäftigten aus den vier sozialen Dienstleistungsfeldern teilgenommen haben.

4. Ergänzend wurden mehr als 600 Pflegekräfte aus Allgemeinkrankenhäusern im Rahmen einer Online-Erhebung befragt.

4. Darstellung der Ergebnisse

Die Ökonomisierung zeigt sich in den betrachteten Branchen durchgängig, aber in verschiedener Ausprägung und Reichweite:

- Überall sind die Anforderungen an die Qualität der Dienstleistungen angestiegen, ohne dass diese Anforderungen - aus Sicht der Akteure - durch einen hinreichenden Personalaufbau aufgefangen wurden.

- Der stärkste Ökonomisierungsdruck zeigt sich, wo Dienstleistungsanbieter an einem Markt konkurrieren und die Leistungen zugleich extrem knapp finanziert sind. Dies betrifft insbesondere die stationäre Altenpflege.

- Betriebswirtschaftlich orientierte Organisationsstrategien finden sich primär in der Pflege und in den Jugendämtern. Zeit- und Personalknappheit werden dort als evidente Bedrohung der Arbeits- und Dienstleistungsqualität wahrgenommen.

- Der Ansatz der Aktivierung ist im Zuge der arbeitsmarktpolitischen Diskussion mittlerweile kritisiert worden, weil er in der Arbeitsförderung auch als Disziplinierungsinstrument genutzt wurde. In den untersuchten sozialen Diensten hingegen wurde die Aktivierung eher positiv als unterstützende Dienstleistungsbeziehung interpretiert, die aber wegen der engen Ressourcenlage meist nur schwer einzulösen ist.

Projektleitung und Bearbeitung

Projektleitung

Dr. Volker Hielscher
Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)
hielscher@iso-institut.de

Bearbeitung

Kerstin Blass
Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)
blass@iso-institut.de

Dr. Sabine Kirchen-Peters
Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)
kirchen-peters@iso-institut.de

Lukas Nock
Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)
nock@iso-institut.de

Kontakt

Dr. Barbara Fulda
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
barbara-fulda@boeckler.de

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