Ältere Arbeitnehmer/innen im Betrieb

. Altersstrukturen von Betriebsbelegschaften, altersselektive Personalpolitiken und deren Determinanten


Forschungsschwerpunkt: Erwerbsarbeit

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.05.2006

Projektnummer: 2004-588-3

Projektziel:

Im Projekt wurden auf der Basis aktueller repräsentativer Daten des IAB-Betriebspanels die betrieblichen Sicht- und Verhaltensweisen gegenüber Älteren analysiert. Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Älteren sowie ihre Rekrutierung und Beschäftigung wurden neben den Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung Älterer (z.B. betriebliche Weiterbildung) untersucht.

Veröffentlichungen:

Bellmann, Lutz und Jens Stegmaier, 2007. IAB-Befragung zu älteren Arbeitnehmern in Deutschland: Ältere werden bei Einstellungen erheblich benachteiligt. Wenig betriebliche Aktivitäten zum Erhalt ihrer Beschäftigungsfähigkeit, Soziale Sicherheit, 5/2007, S. 189-193.

Bellmann, Lutz, Tilo Gewiese und Ute Leber, 2006. Betriebliche Altersstruktur in Deutschland, WSI Mitteilungen, 8/2006, S. 1-427.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Die unterproportionale Beschäftigung Älterer erklärt sich wesentlich aus dem betrieblichen Umgang mit den Angehörigen dieser Beschäftigtengruppe. Daraus ergeben sich gravierende Konsequenzen nicht nur für die älteren Arbeitnehmer sondern auch für die Finanzierung der Sozialsysteme und die Sicherstellung des Fachkräftebedarfs. Fundamental ist die in der Vergangenheit im Konsens der Akteure erfolgte Ausgliederung Älterer aus dem Erwerbsleben auf der Basis eines Werturteils über die Gerechtigkeit der Verteilung von Arbeit zugunsten der Jüngeren. Dem steht allerdings das Recht auf Arbeit für alle entgegen. In den letzten Jahren mehren sich jedoch die Anzeichen für Veränderungen in der Beschäftigtensituation Älterer. Eine solche Umorientierung stellt erhebliche Anforderungen an die Personalplanungen der Betriebe und auch an die Lebensplanung der Individuen.

2. Fragestellung

Projektgegenstand sind betriebliche Altersstrukturen, altersselektive Personalpolitiken und die in den Betrieben bestehenden Altersstereotype. Aus der ungünstigen Bilanz für die Beschäftigung Älterer ergeben sich eine Reihe von Einzelfragen: Wie beurteilen die Betriebe die Leistungsfähigkeit Älterer? Warum werden die Bewerbungen Älterer abgelehnt? Welche Betriebe stellen ältere Arbeitnehmer ein? In welchen Betrieben sind ältere Arbeitnehmer beschäftigt? Wie hat sich die Beschäftigungssituation für die Älteren entwickelt? Welche Bedeutung haben Maßnahmen zur gezielten Förderung älterer Arbeitnehmer (wie z.B. betriebliche Weiterbildung)? Neben relevanten Informationen zu diesen Fragen wurden die Bestimmungsgründe betrieblichen Handelns identifiziert sowie die Betriebe hinsichtlich ihrer personalpolitischen Strategien gegenüber Älteren typisiert.

3. Untersuchungsmethoden

Die aktuellen und repräsentativen Daten des IAB-Betriebspanels wurden ergänzt um ausgewählte Daten der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Das IAB-Betriebspanel wird seit 1993 in Westdeutschland und seit 1996 auch in Ostdeutschland erhoben und mittlerweile bei 16.000 Betrieben aller Branchen und Betriebsgrößenklassen durchgeführt. Das Themenfeld "Ältere Arbeitnehmer" bildete den Schwerpunkt der Befragungswellen 2002 und 2004 des IAB-Betriebspanels. Neben deskriptiven Auswertungen der relevanten Fragen zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit durch die Betriebe, dem betrieblichen Rekrutierungs- und Beschäftigungsverhalten sowie von Maßnahmen zur gezielten Förderung der Beschäftigung Älterer wurden multivariate Analysen zu den Determinanten der betrieblichen Altersstrukturen und altersselektiven Personalpolitiken sowie zur Typisierung der Betriebe hinsichtlich ihrer personalpolitischen Strategien vorgenommen.

4. Darstellung der Ergebnisse

Der Anteil der 55-bis 64-jährigen Erwerbstätigen ist im Zeitraum 2002 bis 2004 angestiegen. Besonders interessant sind dabei die für die Jahre 2002 und 2004 ermittelten Unterschiede in der Beschäftigung Älterer, zwischen West- und Ostdeutschland, zwischen kleineren und größeren Betrieben und Betrieben verschiedener Wirtschaftszweige. Die hohe Wertschätzung der Betriebe älteren Arbeitnehmern gegenüber ändert aber nichts daran, dass nur auf gut jede 10. zuletzt besetzte Stelle ein über 50-jähriger Mitarbeiter eingestellt wurde, obwohl der Anteil dieser Gruppe am Arbeitslosenbestand bei knapp 25% lag.

Dies hat aber nur in einem geringen Teil der Fälle mit einem "altersdiskriminierenden" Verhalten seitens der Arbeitgeber zu tun. 3 von 4 Betrieben liegen keine Bewerbungen älterer Arbeitnehmer vor.

Die Ergebnisse des IAB-Betriebspanels 2002 haben aber gezeigt, dass die Verbreitung von betrieblichen Maßnahmen zur Beschäftigung Älterer vergleichsweise gering ist, obwohl z.B. Einigkeit darüber besteht, dass Weiterbildung zwar nicht die einzige, aber doch eine sehr wichtige Möglichkeit ist, um die Leistungspotentiale Älterer zu erhalten und auszubauen.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Ute Leber

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit

Instit. f. Arbeitsmarkt- u. Berufsforschung

ute.leber@iab.de

Prof. Dr. Lutz Bellmann

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit

lutz.bellmann@iab.de

Bearbeiter/in:

Tilo Gewiese

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit

tilo.gewiese@iab.de

Kontakt:

Dr. Barbara Fulda

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

barbara-fulda@boeckler.de

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