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Sabrina Emrich, Aufsichtsrätin bei Novartis in Nürnberg Magazin Mitbestimmung Magazin Mitbestimmung

Aufsichtsräte: Wir bestimmen mit

Ausgabe 01/2021

Sabrina Emrich ist Aufsichtsrätin bei Novartis in Nürnberg. Von Fabienne Melzer

Respektvoll miteinander umgehen, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist, diskutieren mit dem Ziel, Konflikte zu lösen und gute Entscheidungen zu treffen – so sieht für Sabrina Emrich die ideale Arbeit im Aufsichtsrat aus. Der Aufsichtsrat von Novartis Pharma, in dem sie seit drei Jahren als stellvertretende Vorsitzende arbeitet, lebt viel von dieser Kultur. Das liege vor allem daran, dass es ein junges Gremium ist.

Vor ein paar Jahren überschritt das Unternehmen erstmals die Zahl der Beschäftigten, ab der ein mitbestimmter Aufsichtsrat gewählt wird. Der Vorstand der IG BCE schlug Sabrina Emrich vor, Gewerkschaftssekretärin aus Nürnberg und Betreuerin von Novartis. Die Belegschaft vertraute der 33-Jährigen und wählte sie. „Es war ein großer Vorteil, dass es keine tradierte Umgangskultur im Aufsichtsrat gab. So konnten wir eine Kultur schaffen, wie wir sie uns wünschen“, sagt sie. „Der Weg dorthin war und ist ein Lernprozess für alle.“ Denn in globalen Unternehmen gebe es immer wieder unterschiedliche Sichtweisen. Ein Doppelstimmrecht für die Anteilseigner im Aufsichtsrat dürfe es aus ihrer Sicht zukünftig nicht mehr geben. Gerade vor dem Hintergrund der Transformation brauche es einen fairen Ausgleich unterschiedlicher Interessen.

Sabrina Emrich kam auf Umwegen zur IG BCE. In Würzburg studierte sie soziale Arbeit und soziales Management. Zum Studium gehörte ein Praxissemester, das sie beim Jugendring der Stadt machte. Dort organisierte sie Beteiligung, lud zu Diskussionsrunden ein, brachte Jugendliche mit Lokalpolitikern ins Gespräch und fragte sie nach ihren politischen Vorstellungen. „Was würdest du machen, wenn du Bürgermeister wärst?“, lautete eine Frage. Dabei entdeckte sie, was ihr wirklich lag: „Ich wollte Beteiligung organisieren.“ Die Arbeit im Jugendring machte ihr Spaß, aber ein großer Teil der Gelder kam von der Stadt, erzählt sie und präzisiert ihren Berufswunsch von damals: „Ich wollte unabhängig Interessen vertreten.“ Der Gewerkschaftsbeitrag – die Idee, dass Mitglieder sich durch ihren Beitrag unabhängig machen, um ihre Interessen zu vertreten – gab den Ausschlag: Sie bewarb sich bei der Gewerkschaft, genauer gesagt bei der IG BCE, weil der sozialpartnerschaftliche Ansatz ihrer eigenen Haltung am nächsten kam. „Ich bin ein konsensorientierter Mensch“, sagt die 33-Jährige. Als Trainee machte sie Station in Stuttgart, Leverkusen, Würzburg und München und landete schließlich in Nürnberg. Hier gibt es große Unternehmen mit freigestellten Betriebsräten. Ihnen muss sie nicht mehr viel zu ihren Rechten und Pflichten erklären. Aber es gibt auch Kolleginnen und Kollegen, die erst kürzlich einen Betriebsrat gegründet haben.

Vor zwei Jahren studierte sie parallel zu ihrer Arbeit Wirtschaftspsychologie. Ihre Masterarbeit schrieb sie zum Thema Kulturwandel in Unternehmen. Wissen, das ihr bei ihrer Arbeit als Aufsichtsrätin hilft. Vor allem auch bei ihrem Ziel, eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Den Aufsichtsrat sieht sie als interdisziplinäres Team, als Sparringspartner des Vorstands, der Strategien nicht nur am Kapitalmarkt orientiert, sondern auch für ökologische und sozial gerechte Veränderungen eintritt. Dabei betont sie wieder, wie wichtig ihr der respektvolle Umgang mit allen Menschen ist. Ihre Grundüberzeugung lautet: „Jeder Mensch ist gleich viel wert, egal ob Aufsichtsrat oder Arbeiter.“

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