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Mein Arbeitsplatz: Mit der Sonne gekocht

Ausgabe 07+08/2014

Ruth G. Saavedra, 59, Start-up-Gründerin der bolivianische Firma Sobre La Roca, die Solarherde herstellt. Beim Vertrieb kooperiert sie mit der Stiftung Cedesol, die von ihrem Mann David Whitfield geleitet wird. 

Cochabamba, Calle Illapa 1870 „Ein Besuch auf dem Land, hier in der Umgebung von Cochabamba im Südwesten Boliviens, hat mich dazu gebracht, eine Firma zu gründen. Ich war mit meinem Mann David unterwegs, und wir lernten eine Frau kennen, die uns ihre täglichen Probleme mit dem Kochen schilderte: Ihr Herd verbrauchte nicht nur viel Feuerholz, der Rauch sorgte auch dafür, dass sie immer hustete und eine Wand ihrer Lehmhütte schwarz von Ruß war. Damals hatte ich schon begonnen, alternative Herde zu entwickeln, meine Solarkocher. Das sind einfache Kisten aus Holz mit etwas Dämmstoff und einer Glasplatte mit Scharnier. Diese Platte klappt man hoch und stellt einen Topf mit Essen in das mit Edelstahlblech ausgekleidete Innere. Den Rest macht die Sonne. Bei günstigen Bedingungen wird es im Inneren bis zu 180 Grad heiß. Die Temperatur lässt sich regulieren, je nachdem wie man die Kiste aufstellt. Der Einfallswinkel der Sonne spielt eine wichtige Rolle. Ich habe lange herumexperimentiert. Heute haben wir ein Modell, das dem Sonnenstand in Bolivien angepasst ist. Das verkaufen wir auch in La Paz und Potosí, Städte, die über 3500 Meter hoch liegen.

Bauern haben mich schon verjagt und als Hexe beschimpft. Sie konnten einfach nicht glauben, dass man Essen ohne Strom oder Feuer erwärmen kann. Sie dachten, da sei schwarze Magie im Spiel. Nachdem ich fluchtartig mein Haus verließ, haben sie den zurückgelassenen Herd komplett auseinandergenommen. Aber glücklicherweise spricht sich herum, dass meine Herde funktionieren. Wir machen Präsentationen und erklären die Funktionsweise. Mittlerweile habe ich rund 9000 Solarkocher in Bolivien verkauft. Sie kosten umgerechnet 50 Euro. Für einfache Familien ist das viel Geld. Kleinkredite sind selten in Bolivien. Was uns sehr hilft, ist die Unterstützung der Schweizer Klimaschutzorganisation Myclimate. Sie bietet Kompensation für CO²-Emissionen an, und da wir durch die Solarherde Emissionen einsparen, erhalten wir für jeden Herd einen Zuschuss. Das hilft mir, die Produktionskosten zu senken.“

Textdokumentation und Foto: Knut Henkel

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