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Löhne: Um den Schlaf gebracht

Ausgabe 15/2015

Lohngerechtigkeit beeinflusst die Nachtruhe: Wer sich unfair bezahlt fühlt, schläft schlechter.

Das zeigt Christian Pfeifer von der Universität Lüneburg in einer empirischen Studie. Nach seinen Berechnungen leiden Schlafdauer und Schlafqualität, wenn Beschäftigte ihr Gehalt als unfair empfinden. Das sei insofern bedenklich, als Schlafstörungen nicht nur die Leistungsfähigkeit am Tag beeinträchtigen, sondern nachweislich auch das Risiko für Herzprobleme, Übergewicht und Diabetes erhöhen.

Für seine Analyse hat Pfeifer Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 2009, 2011 und 2013 ausgewertet, die auf Angaben von mehr als 10.000 Arbeitnehmern beruhen. Diejenigen Befragten, die ihren Lohn für ungerecht halten, schlafen signifikant weniger als diejenigen, die sich fair bezahlt fühlen: Wenn Faktoren wie das Geschlecht, der Familienstand, die Bildung oder das Alter herausgerechnet werden, beträgt der Unterschied 1,2 bis 2,5 Prozent, was bis zu zehn Minuten pro Nacht entspricht. Die Wahrscheinlichkeit, zwischen sieben und neun Stunden zu schlafen, also eine gesunde Schlafdauer einzuhalten, sinkt um 5,6 bis 7 Prozentpunkte. Die Zufriedenheit mit dem Schlaf, die das SOEP auf einer zehnstufigen Skala erfasst, nimmt um 1,3 bis 5 Prozent ab. Gleichzeitig steigt das Risiko krankhafter Schlafstörungen: Entsprechende ärztliche Diagnosen sind bis zu 36 Prozent häufiger bei Beschäftigten, die sich über unfaire Entlohnung beklagen. Alle Effekte sind vor allem werktags nachweisbar.

Christian Pfeifer: Unfair Wage Perception and Sleep: Evidence from German Survey Data, IZA Discussion Paper Nr. 9317, August 2015

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