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Staat: Qualität entscheidet, nicht die Größe

Ausgabe 15/2013

Ein „aufgeblähter“ Staatsapparat bremst das Wirtschaftswachstum, lautet ein Glaubenssatz konservativer Ökonomen. Entscheidend ist jedoch nicht die Größe des öffentlichen Sektors, sondern seine Qualität, wie eine internationale Vergleichstudie zeigt.

Ist „Big Government“ immer eine Bürde für die wirtschaftliche Entwicklung, wie angebotsorientierte Ökonomen oft behaupten? Dieser Frage haben sich Daniel Oto-Peralías und Diego Romero-Ávila von der Universität Sevilla angenommen. Ihr Datensatz enthält Informationen zu über 80 Ländern und deckt den Zeitraum von 1981 bis 2005 ab. Als Indikator für die Größe des Staatsapparats dienen die öffentlichen Ausgaben für Personal, Güter und Dienstleistungen. Dabei zeigt sich auf den ersten Blick kein systematischer Zusammenhang mit der Wirtschaftsentwicklung.

Konturen gewinnt das Bild erst, wenn ein weiterer Faktor einbezogen wird: die Qualität öffentlicher Dienstleistungen. Letztere messen von der Weltbank erhobene Indikatoren, die zum Beispiel Auskunft über die politische Unabhängigkeit der Verwaltung oder deren Ausbildungsniveau geben.

Negativ auf das Wirtschaftswachstum wirken sich hohe Staatsausgaben nach den Berechnungen der Wissenschaftler nur dann aus, wenn die bürokratische Qualität gering ist. Länder mit einer gut funktionierenden Verwaltung brauchen dagegen keine Einbußen bei der Wirtschaftsleistung durch einen aktiven Staat zu fürchten.

„Es gibt keinen Grund, die Größe des Staatssektors zu verringern, wenn die Qualität öffentlicher Institutionen stimmt“, folgern Oto-Peralías und Romero-Ávila. Für die aktuelle Krise in Europa heißt das: In den angeschlagenen Staaten sollte es nicht so sehr um die Größe des Staatsdienstes gehen, sondern um Verwaltungsreformen, die seine Effizienz verbessern. In diesem Sinne verstehen die Wissenschaftler ihre Untersuchung als „Weckruf“ an die Politik.

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