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Gender: Führungskräfte brauchen Zeit für Familie

Ausgabe 14/2012

In Führungspositionen sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert. Und wenn sie es in die Top-Etage schaffen, übernehmen weibliche Führungskräfte immer noch mehr häusliche Pflichten als ihre männlichen Kollegen.

Die Zahlen sind ernüchternd: 2011 verharrte laut Führungskräfte-Monitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen bei drei Prozent. Auf den unteren und mittleren Leitungsebenen sehen die DIW-Forscherinnen allerdings Fortschritte: Insgesamt stieg der Anteil der weiblichen Kräfte in den vergangenen zehn Jahren von 22 auf 30 Prozent.

„Wirtschaft und Politik sind sich einig, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht werden soll“, so die Autorinnen. Über Weg, Ausmaß und Tempo bestünden jedoch deutlich unterschiedliche Auffassungen. Das DIW Berlin hat deshalb Daten zur Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern in Führungspositionen auch außerhalb des Arbeitsmarktes zusammengestellt. Sie sollen dabei helfen, Ansatzpunkte für bessere Chancen von Frauen auf Führungspositionen zu identifizieren.

Auf Basis der Zahlen des Sozio-oekonomischen Panels stellen die Wissenschaftlerinnen fest, dass Führungskräfte sich in vielem ähneln: Rund zwei Drittel aller Männer und Frauen haben einen Hochschulabschluss, auch ihre Eltern sind oft gut ausgebildet. Sie leben ungefähr gleich häufig in Partnerschaften – Führungsfrauen allerdings öfter ohne Trauschein. Führungspositionen bedeuten für beide Geschlechter meist sehr lange Wochenarbeitszeiten, was Männer wie Frauen oft gerne ändern würden. Teilzeitarbeit kommt insbesondere in höheren Führungsetagen kaum vor.

Markante Unterschiede zeigen sich bei der Verteilung der häuslichen Pflichten, wenn Führungskräfte in Partnerschaften leben. Frauen in Führungspositionen übernehmen im Schnitt knapp 60 Prozent der Hausarbeit, Männer nicht ganz 20 Prozent. Hoch qualifizierte Frauen hätten eher Partner auf einer ähnlichen Karrierestufe, männliche Führungskräfte hingegen seien offenbar häufig mit Frauen verheiratet, die über eine geringere Qualifikation verfügen, kommentieren die Forscherinnen ihre Ergebnisse. Bei der Kinderbetreuung bleiben die Rollen traditionell verteilt. Frauen in Führungspositionen verbringen weitaus mehr Zeit mit ihren Kindern; an den bereits mit Berufsarbeit weitgehend ausgefüllten Werktagen im Durchschnitt 4,6 Stunden. Männer haben dann lediglich 1,5 Stunden Zeit für den Nachwuchs.

  • Managerinnen: Zu Hause belastet
    Wenn Führungskräfte in Partnerschaften leben, zeigen sich markante Unterschiede bei der Verteilung der häuslichen Pflichten. Auch bei der Kinderbetreuung bleiben die Rollen traditionell verteilt. Grafik herunterladen

Elke Holst, Anne Busch, Lea Kröger: Führungskräfte-Monitor 2012: Update 2001-2010 (pdf), DIW Berlin: Politikberatung kompakt 65, Berlin, August 2012

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