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Beschäftigung: Arbeitsmärkte in Ost- und West: Gleiche Bewegung, verschiedene Niveaus

Ausgabe 15/2008

Die Hochkonjunktur zur Jahrtausendwende hat dem ostdeutschen Arbeitsmarkt nichts genützt. Im jüngsten Aufschwung ist das anders.

Die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland ist weiterhin erheblich höher als im Westen. Aber die neuen Bundesländer haben in den vergangenen Jahren Anschluss an die westdeutsche Arbeitsmarktentwicklung gefunden: Von 2005 bis 2007 nahm die Zahl der ostdeutschen Erwerbstätigen um 2,1 Prozent oder 128.000 Personen zu. Im vorangegangen Konjunkturaufschwung von 1998 bis 2000 war die Beschäf­tigung in den neuen Bundesländern hingegen noch zurückgegangen. Hans Ulrich Brautzsch, Wissenschaftler am Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) hat untersucht, was sich in den vergangenen beiden Jahren am ostdeutschen Arbeitsmarkt getan hat und welche Unterschiede zwischen Ost und West weiterhin bestehen:

Leicht unterproportional vom Aufschwung profitiert. Etwa 13 Prozent des Anstiegs der gesamtdeutschen Erwerbstätigkeit seit 2005 entfielen auf Ostdeutschland. Da hier aber 16 Prozent aller Erwerbsfähigen leben, blieb der relative Zuwachs leicht unter dem Wert für die alten Länder. Trotzdem ging die Unterbeschäftigung im Osten stärker zurück als im Westen. Denn die Zahl der Arbeit Suchenden ist nicht nur durch die neuen Jobs gesunken, sondern auch aus demografischen Gründen:

Von 2005 bis 2007 verabschiedeten sich deutlich mehr Menschen in die Rente als junge Menschen im erwerbsfähigen Alter hinzukamen. Die Differenz beträgt etwa 210.000 Personen. 

Im gleichen Zeitraum zogen erheblich mehr Ostdeutsche in den Westen als umgekehrt. Aus diesem Grund ging die Bevölkerung der neuen Bundesländer um 150.000 Menschen zurück.

Ostdeutsche arbeiten im Schnitt nicht weniger, die Arbeit ist in den neuen Ländern aber anders verteilt. Auf 1.000 Personen zwischen 15 und 65 Jahren kommen in Ostdeutschland 688 Erwerbstätige, von denen 45 zur Arbeit in den Westen pendeln. Die Erwerbstätigenquote liegt damit bei etwa 93 Prozent des Westniveaus. Allerdings relativiert sich der Unterschied, wenn man nicht in Personen rechnet, sondern in geleisteten Arbeitsstunden. Denn in den neuen Ländern wird deutlich länger gearbeitet als in den alten. Die Zahl der Arbeitsstunden je 1.000 Einwohner im Erwerbsfähigen Alter ist im Osten aber fast genauso hoch wie in den westlichen Ländern.

Die Veränderung der Erwerbsbevölkerung eingerechnet, waren die Stellenzuwächse im aktuellen Aufschwung sogar höher als im Westen. Je 1.000 Personen im Erwerbsalter kamen in Ostdeutschland 35 Erwerbstätige hinzu. Davon arbeiten 20 in Vollzeit. In Westdeutschland stieg die Zahl der Arbeitnehmer und Selbstständigen nur um 21 Personen pro 1.000 Erwerbsfähige, 11 von ihnen sind Fulltime-Jobber.

Größere Nachfrage nach Arbeitsplätzen. Die "Arbeitsplatzlücke" in Ostdeutschland ist trotz aller Fortschritte doppelt so groß wie in den alten Ländern, so die Analyse des IWH-Forschers Brautzsch. Die Lücke ergibt sich als Differenz zwischen der Zahl aller Arbeit Suchenden - nicht nur der registrierten Arbeitslosen - und der Zahl aller besetzten und unbesetzten Stellen. Nach dieser Rechnung fehlten in Ostdeutschland 2007 pro 1.000 Erwerbsfähige 139 Arbeitsplätze, im Westen nur 62. Der Unterschied liegt zum einen am geringeren Stellenangebot im Osten, zum anderen aber auch daran, dass hier ein größerer Teil der 15- bis 65-Jährigen arbeiten möchte.

In absoluten Zahlen lässt sich der Ost-West-Unterschied  bei der so genannten Arbeitsplatzausstattung auch so ausdrücken: Ostdeutschland bräuchte 427.000 zusätzliche Jobs, um auf das Niveau der alten Bundesländer zu kommen. 

  • Arbeiten in Ostdeutschland
    688 von 1.000 erwerbsfähigen Ostdeutschen arbeiten, im Westen sind es 736. Grafik herunterladen

Quelle

Hans-Ulrich Brautzsch: Zur Entwicklung des ostdeutschen Arbeitsmarkts, in: WSI-Mitteilungen 9/2008

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