Böckler Impuls Ausgabe 13/2011

Banken

Finanzwirtschaft: Zu groß ist ungesund

Ab einer gewissen Größe ist der Finanzsektor eines Landes eher eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung als ein Wachstumstreiber.

Eine aktuelle empirische Studie stellt eine These der Standardökonomie infrage: Je weiter der Finanzsektor entwickelt sei, desto leichter fänden innovative Unternehmer und potenzielle Geldgeber zusammen, was das Wirtschaftwachstum beflügeln würde. Jean Louis Arcand vom Genfer Graduate Institute, Enrico Berkes vom Internationalen Währungsfonds und Ugo Panizza von der Welthandels- und Entwicklungskonferenz haben diese Aussage mithilfe verschiedener Datensätze und wirtschaftsmathematischer Methoden überprüft.* Ihr Ergebnis: Es scheint eine Schwelle zu geben, ab der weiteres Wachstum der Finanzwirtschaft keinen positiven Einfluss auf die Entwicklung der realen Ökonomie mehr hat.

Nach den Berechnungen der Wissenschaftler ist dieser Grenzwert dann erreicht, wenn die Summe der Kredite an den privaten Sektor rund 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Wenn die Banken also bereits so viel Geld verleihen wie alle Unternehmen zusammen im Jahr einnehmen, tragen weitere Kredite nicht mehr dazu bei, die reale Produktion anzukurbeln.

Doch die Forscher kommen nicht nur zu dem Schluss, dass ein größerer Finanzsektor der übrigen Wirtschaft nicht nützt. Sie sehen darin sogar eine Gefahr. Denn es habe sich gezeigt, dass „die Finanzwirtschaft ein wichtiger Verstärker der globalen Wirtschaftkrise war, die nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 ausbrach“. Die Ökonomen nennen zwei mögliche Gründe dafür, dass ausgedehnte Finanzsysteme einen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben könnten. Einer sei die erhöhte Volatilität – zunehmende Schwankungsanfälligkeit – und das damit verbundene höhere Crash-Risiko. Der zweite sei in sich häufenden Fehlinvestitionen zu sehen.

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Quellen

Jean Louis Arcand, Enrico Berkes, Ugo Panizza: Too Much Finance?, März 2011.


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