Böckler Impuls Ausgabe 19/2018

Makroökonomie

Ungleichheit bremst die Wirtschaft

Höhere Löhne, mehr Verteilungsgerechtigkeit – davon würden nicht nur Einzelne profitieren, sondern die gesamte Wirtschaft.

Ungleichheit bremst die Wirtschaft

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Wenn sich die Einkommen der breiten Masse schwach entwickeln, gefährdet dies die wirtschaftliche Stabilität. So wie in den USA, wo viele Menschen ihren Konsum nur über Kredite finanziert haben, was eine Überschuldung der privaten Haushalte zur Folge hatte. In Deutschland stellt sich die Situation anders, aber nicht unbedingt besser dar. Wenn nicht genug Geld übrig ist, halten sich die Menschen hierzulande beim Konsum zurück. Das schadet der Binnenwirtschaft. Um zu einem ausgewogenen Wachstumsmodell zu kommen, müssten in beiden Ländern die unteren und mittleren Einkommen stärker steigen. Das ist das Ergebnis einer Analyse von Jan Behringer vom IMK und Till van Treeck von der Universität Duisburg-Essen. Die Forscher haben für 20 Länder im Zeitraum von 1972 bis 2007 untersucht, wie sich die Einkommensverteilung auf die Wirtschaft der jeweiligen Staaten auswirkt.

Welche Folgen steigende Einkommensungleichheit haben kann, hat sich in der Finanzkrise deutlich gezeigt: Seit Beginn der 1980er-Jahre stieg die Ungleichheit in den USA stark an. Die Topverdiener zogen weit davon, der Großteil der Menschen verzeichnete hingegen nur geringe Einkommenszuwächse. Um weiterhin mithalten zu können, blieb vielen von ihnen nichts anders übrig, als die Ersparnis zu reduzieren, länger zu arbeiten und sich höher zu verschulden. Die Banken vergaben leichtfertig Kredite, auch an Haushalte mit zweifelhafter Bonität. Als offenkundig wurde, dass ein großer Teil dieser Schulden niemals zurückgezahlt werden kann, kam es 2008 zum großen Crash. Dieser erschütterte zunächst die Finanzmärkte, darauf folgte eine weltweite Rezession.

Deutschland: Hohe Gewinne, wenig Konsum

In Deutschland war das Problem weniger die Kluft zwischen Normalverdienern und Spitzeneinkommen, sondern das Auseinanderdriften von Unternehmensgewinnen und Masseneinkommen. Die deutschen Unternehmen haben ihre Gewinne in den 2000er-Jahren kräftig steigern können. Statt diese zu reinvestieren oder die Löhne zu erhöhen, behielten sie einen großen Teil davon ein. Zwar erzielte die deutsche Wirtschaft im Außenhandel große Überschüsse. Die Lohnquote, also der Anteil der Arbeitseinkommen am Volkseinkommen, ging jedoch zurück. Die Binnenwirtschaft und der private Konsum blieben schwach. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das ebenfalls gefährlich: Der private Konsum macht in reichen Ländern etwa zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus. Fällt die Nachfrage im Inland geringer aus, können nicht mehr alle Produktionskapazitäten ausgelastet werden. Sollten sich dann auch noch die Exporte abschwächen, droht ein drastischer Rückgang der Wirtschaftsleistung. 
Das kreditfinanzierte Wachstumsmodell in den USA und anderer angelsächsischer Länder habe sich als nicht nachhaltig erwiesen, so die Ökonomen. Aber auch das deutsche Modell sei instabil. Dass beide Modelle keine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung erlauben, sehe man schon an den Leistungsbilanzen. Deutschland habe einen permanenten Überschuss, die USA ein Defizit. Das heißt: Deutschland produziert mehr, als es selbst verbraucht; die USA verbrauchen mehr, als sie selbst produzieren. Die Folgen seien globale Ungleichgewichte. Man müsse den Blick darauf richten, die Fehlentwicklungen bei der Einkommensverteilung zu korrigieren. Eine stabile Entwicklung lasse sich nur mit steigenden Masseneinkommen erreichen. 

Quelle

Jan Behringer, Till van Treeck: Income distribution and the current account, Journal of International Economics, September 2018 
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