Böckler Impuls Ausgabe 05/2018

Arbeitswelt

Wie Technik die Pflege verbessern kann

Die Digitalisierung wird das Gesundheitswesen verändern. Damit sie Patienten und Pflegekräften nutzt, muss der Einsatz von Technik klaren Regeln folgen.

Wie Technik die Pflege verbessern kann

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Die elektronische Krankenakte, Telemedizin oder Pflegeroboter – moderne Technologien verändern die Arbeit in Pflegeberufen. Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Beschäftigten und die Patienten hat, kommt allerdings in der aktuellen, häufig technikgetriebenen Debatte zu kurz. Das ist das Ergebnis einer Analyse von Michaela Evans vom Institut Arbeit und Technik, Volker Hielscher vom Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft und Dorothea Voss von der Hans-Böckler-Stiftung. Wenn neue Technologien eingeführt werden, sollten diese in erster Linie die Arbeitsbedingungen und die Qualität in der Pflege verbessern, also dem Wohl der Menschen dienen, betonen die Forscher: „Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Pflege ist angesichts der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren enorm. Zugleich wird allenthalben mehr Zeit für menschliche Zuwendung in der Pflege und eine bessere Versorgungsqualität gefordert. Durch Technikunterstützung allein wird man diese Herausforderungen nicht meistern können, doch sollten Technikpotenziale systematisch ausgelotet und genutzt werden“, heißt es in der Analyse. Die Wissenschaftler haben ein Leitbild entworfen, das als Richtschnur für den Einsatz von Technik in Pflegeberufen dienen kann. Die wichtigsten Punkte sind:

Drängende Probleme des Arbeitsalltags lösen: Damit Technik von den Beschäftigten tatsächlich als Entlastung wahrgenommen wird, muss sie sich nahtlos in den Pflegealltag einbetten lassen. Sie darf weder neue oder zusätzliche Probleme schaffen noch zu erhöhtem Bedienungsaufwand führen oder durch eine umständliche Gerätebedienung die für die Pflegebedürftigen wertvolle Zeit reduzieren.

Mehr Wert auf Qualifizierung legen: Nur wenn sich Beschäftigte kompetent in der Handhabung einzelner Geräte oder ganzer technischer Systeme fühlen, sind sie in der Lage und bereit, die Technologien auch im Arbeitsalltag zu nutzen. Werden sie nach dem Motto „Mach einfach mal“ mit den Geräten alleingelassen, stellt die Auseinandersetzung mit der Technik eher eine Mehrbelastung in einem ohnehin schon anstrengenden Beruf dar. In der Aus- und Weiterbildung kommen technikunterstützte Lösungen bislang kaum vor – das muss sich ändern.

Mitbestimmung stärken: Die Beteiligung der Beschäftigten bei der Einführung moderner Technik ist zentral für nachhaltige Modernisierungsstrategien. Schließlich verfügen die Beschäftigten über das praktische Wissen. Sie können am besten einschätzen, an welcher Stelle die Technik sinnvoll eingesetzt werden kann. Bislang werden jedoch Betriebs- und Personalräte, so sie vorhanden sind, nur unzureichend eingebunden.

Arbeit aufwerten und Kompetenzen erweitern: Die psychosozialen Anforderungen in der Pflegearbeit sind jetzt schon hoch, zugleich aber auch unterbewertet. Bei erhöhtem Technikeinsatz werden  die Ansprüche an die professionellen Kompetenzen noch größer. Das verdient mehr Anerkennung und bessere Bezahlung. Wird die Arbeit in der Pflege gegenüber anderen Berufsgruppen wie zum Beispiel Ärzten aufgewertet, würde dies die Attraktivität des Berufsbildes erhöhen und zur Fachkräftegewinnung beitragen.

Auf überbetrieblicher Ebene aktiv werden: Neue digitale Technologien betreffen das gesamte Gesundheitswesen. Die Auswirkungen auf Arbeitsprozesse, Qualifikationen, Arbeitsbelastung und Versorgungsqualität sollten daher nicht nur im Einzelfall, sondern auch auf überbetrieblicher Ebene begutachtet werden. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern Hinweise auf erwünschte und unerwünschte Effekte. Davon ausgehend lassen sich arbeitspolitische Forderungen formulieren und in den politischen Prozess einbringen.

Quelle

Michaela Evans, Volker Hielscher, Dorothea Voss: Damit Arbeit 4.0 in der Pflege ankommt - wie Technik die Pflege stärken kann (pdf), Policy Brief der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 5, März 2018  

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