Der Algorithmus als Chefin?

Forschungsschwerpunkt: Mitbestimmung im Wandel

Status: laufend

Projektende: 30.04.2019

Projektnummer: 2017-464-2

Projekttitel: Der Algorithmus als Chefin?

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Projektziel:

Digitale Plattformen werden zunehmend zu zentralen Akteuren für die Organisation und Koordination von Arbeit. Am Beispiel einer empirischen Analyse ortsgebundener Lieferplattformen für die Gastronomie wollen wir die Kontroll- und Arbeitsbedingungen in den dortigen Beschäftigungsverhältnissen untersuchen. Neben der Funktionsweise der Algorithmen interessiert uns vor allem die Perspektive der Beschäftigten und wie diese durch konkrete, unterschiedlich automatisierte Plattformfunktionen beeinflusst wird. Daraus ergeben sich neue Herausforderungen und Regelungsbedarfe für das Arbeits- und Sozialrecht, die wir am Maßstab „guter Arbeit“ entwickeln wollen.

 

Veröffentlichungen:

Degner, Anne und Eva Kocher, 2018. Arbeitskämpfe in der „Gig-Economy“?. Die Protestbewegungen der Foodora- und Deliveroo-„Riders“ und Rechtsfragen ihrer kollektiven Selbstorganisation, KJ Kritische Justiz, 51(3), S. 247-265.

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Projektbeschreibung:

1. Kontext

Kontext des Projektes ist die sich in der Digitalisierung und Globalisierung entwickelnde so genannte Share- oder Gig-Economy. Digitale Plattformen übernehmen zunehmend die Koordination von Arbeitstätigkeiten. Die „Plattformisierung“ erfasst die verschiedensten Arbeitsbereiche von Crowdworking im engeren Sinn bis hin zu analogen Dienstleistungen wie haushaltsnahe und personenbezogene Dienste, Fahrdienste und Lieferservices. Obwohl sich die meisten Plattformen selbst lediglich als vermittelnde „Marktplätze“ für Arbeitskräfte beschreiben, die Beschäftigten als vertraglich selbstständig arbeitend beschrieben werden und damit selbst die Risiken und die Verantwortung für ihre Tätigkeit tragen, nehmen Plattformen häufig eine strukturierende Rolle ein. Sie koordinieren und organisieren die Beschäftigten wie Arbeitgeber.


2. Fragestellung

Wie (1), mit welchen Auswirkungen für die digital Beschäftigten (2) und mit welchen rechtlichen Konsequenzen (3) arbeiten Plattformen?

(1) Um die erste Frage beantworten zu können, analysieren wir die Plattformsoftware hinsichtlich der Funktions- und Steuerungslogik. Wir wollen herausfinden, wo und von wem Leitlinien für die Algorithmen festgelegt und kontrolliert werden und inwiefern die Algorithmen darauf angelegt sind „dazuzulernen“ bzw. auf bestimmte Situationen automatisiert zu reagieren.

(2) Aus Beschäftigtenperspektive interessiert uns insbesondere, wie die Beschäftigten mit algorithmischem Management und der Kontrolle durch Reputationsmechanismen umgehen und wie sie das algorithmische Management und die Kontrolle durch Reputationsmechanismen erleben.

(3) Davon ausgehend stellt sich die Frage, welche Konsequenzen für arbeits- und sozialrechtliche Regulierungen und Begriffssysteme gezogen werden müssen, damit „gute Arbeit“ im Internet möglich wird.


3. Untersuchungsmethoden

Auch methodisch gehen wir in drei Schritten vor:

1) Zunächst wollen wir die Logik des algorithmischen Managements besser verstehen und dafür typische Management-Software für den Bereich der Lieferdienstleistungen untersuchen.

2) Um einen Einblick in die Perspektiven der Beschäftigten zu erhalten, führen wir leitfadengestützte Interviews mit Plattformbeschäftigten und Plattformbetreiber*innen. Zudem wollen wir teilnehmende Beobachtungen durch eigene Tätigkeit und nicht-teilnehmende Beobachtungen durch die Begleitung von Fahrer*innen in ihrem Arbeitsalltag machen.

3) Daneben wollen wir systematisch die Rechtswirklichkeit sowie die soziale Praxis des Rechts im Umgang mit den neuen digitalen Beschäftigungsformen erforschen.


 

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Eva Kocher
Europa-Universität Viadrina Frankfurt/O.
Juristische Fakultät
E-Mail: kocher(at)euv-frankfurt-o.de

Dr. Ben Wagner
Wirtschaftsuniversität Wien Institute for Management Information Systems
E-Mail: ben.wagner(at)wu.ac.at

Joanna Bronowicka
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Kulturwissenschaftliche Fakultät
Centre for Internet & Human Rights (CIHR)
E-Mail: bronowicka(at)europa-uni.de


Bearbeiter/in:

Mirela Ivanova
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Kulturwissenschaftliche Fakultät
Centre for Internet & Human Rights (CIHR)
E-Mail: Ivanova(at)europa-uni.de

Anne Degner
Europa-Universität Viadrina Frankfurt/O.
Juristische Fakultät
E-Mail: degner(at)europa-uni.de

 

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
E-Mail: stefan-luecking(at)boeckler.de

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