Gesundheitsgefährdung bei Schicht- und Nachtarbeit

Forschungsschwerpunkt: Erwerbsarbeit im Wandel

Status: abgeschlossen

Projektende: 31.12.2011

Projektnummer: 2011-479-3

Projekttitel: Gesundheitsgefährdung bei Schicht- und Nachtarbeit

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Projektziel:

Ziel war es, gesundheitliche Beanspruchungen bei Schicht- und Nachtarbeit im Vergleich zur Tagarbeit zu analysieren. Anhand der BIBB/ BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 wird gezeigt, dass für die Gesundheit vor allem bedeutsam ist, ob an körperlich, sozial oder psychisch belasteten Arbeitsplätzen gearbeitet wird. Weniger wichtig ist, ob dies am Tage oder in der Nacht geschieht.

 

Veröffentlichungen:


Arbeit zur falschen Zeit am falschen Ort? Eine Matching-Analyse zur Gesundheitgefährdung bei Schicht- und Nachtarbeit. Abschlussbericht / Olaf Struck u.a.- Bamberg, Dezember 2011.- 43 S.

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Arbeit zur falschen Zeit am falschen Platz? Eine Matching-Analyse zu gesundheitlichen Beanspruchungen bei Schicht- und Nachtarbeit / Olaf Struck u.a.- In: Journal for Labour Market Research, April 2013.- o. pag.

 

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Etwa ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland arbeitet in Schichtarbeit, etwa ein Achtel arbeitet an 5 oder mehr Tagen im Monat in Nachtschichten. In der Industrie und in den wachsenden Dienstleistungsbereichen wurden Tag-, Nacht- und Wochenendangebote ausgedehnt und die tägliche Erwerbsarbeitszeit zunehmend flexibilisiert. So hat sich der Anteil der in Schicht- und Nachtarbeit tätigen Beschäftigten in den letzten Jahrzehnten sukzessive erhöht. Vor diesem Hintergrund werden gesundheitliche Beanspruchungen von Nacht- und Schichtarbeit untersucht. Im Unterschied zu den meisten Studien werden dabei soziodemographische Einflussfaktoren und Tätigkeitsmerkmale systematisch mitberücksichtigt. Dies ist bedeutsam, um den eigenständigen Effekt der Lage der Arbeitszeit unter Kontrolle von Arbeitsplatzbedingungen und der sozialen Selektivität bei Schicht-, Nacht- oder Tagarbeitnehmer(inne)n ermitteln zu können.


2. Fragestellung

Schichtarbeit und insbesondere Nachtarbeit gilt als eine wichtige Ursache für gesundheitliche Gefährdungen wie zirkadiane Rhythmus-Schlafstörungen, Schlafmangel, Herz-Kreislauf- und Magen- Darm-Beschwerden sowie psychische Symptome. Doch handelt es sich dabei tatsächlich um einen kausalen Zusammenhang zwischen Schichtarbeit bzw. Nachtarbeit und gesundheitlichen Beeinträchtigungen? Oder sind es spezifische Merkmale, wie die Bedingungen am Arbeitsplatz oder ein niedrigerer sozialer Status, die gesundheitsgefährdend wirken und die charakteristisch für viele Beschäftigte in Schicht- bzw. Nachtarbeit sind, aber durchaus auch andere Beschäftigte in Tagarbeit kennzeichnen?

Um dieser Frage nachgehen zu können, war ein spezifisches methodisches Design notwendig, das strukturgleiche Personengruppen (Alter, Qualifikation, Arbeitsplatzbelastung usw.), die sich nur durch die Lage ihrer Arbeitszeit voneinander unterscheiden, in Bezug auf Krankheitssymptome miteinander vergleicht.


3. Untersuchungsmethoden

Anhand der BIBB/ BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 wird die Wirkung von zahlreichen tätigkeitsspezifischen und sozialstrukturellen Einflussfaktoren auf die physische und psychische Gesundheit sowie auf Schlafstörungen untersucht. Die Analyse erfolgte im ersten Schritt mit einem Matching-Ansatz. Dabei werden zu Schicht- und Nachtarbeitsgruppen möglichst strukturgleiche Kontrollgruppen in Bezug auf sozial-strukturelle Charakteristika und Tätigkeitsmerkmale gebildet. Dies ermöglicht es, eigenständige Effekte der Lage der Arbeitszeit auf gesundheitliche Beeinträchtigungen zu extrahieren. In einem zweiten Schritt werden die hier gefundenen Ergebnisse mit der Gesamtheit der Erwerbstätigen verglichen. Dadurch ist es möglich, zu verdeutlichen, welche Bedeutung insbesondere Belastungen an Arbeitsplätzen sowohl für Tag-, Schicht- und Nachtarbeiter für die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Beschwerden haben.


4. Darstellung der Ergebnisse

- Schicht- und insbesondere Nachtarbeit erhöht deutlich die Wahrscheinlichkeit von Schlafstörungen. Für weitere gesundheitliche Effekte, die exklusiv durch die Lage der Arbeitszeit oder indirekt über Schlafstörungen und Schlafmangel verursacht werden, bestehen nur sehr geringe Hinweise. Teilweise können allerdings dauerhafte gesundheitliche Folgen infolge von verminderten Regenerationsmöglichkeiten bei Nachtarbeit erwartet werden.

- Mindestens ebenso bedeutungsvoll ist, dass belastende Tätigkeiten signifikant und unabhängig von der Lage der Arbeitszeit, die Wahrscheinlichkeit für Gesundheit gefährdende Beeinträchtigungen erhöhen.

- Für die Gesundheit von Arbeitnehmern ist zentral, ob an körperlich, sozial oder psychisch belasteten Arbeitsplätzen gearbeitet wird. Weniger wichtig ist, ob dies am Tage oder in der Nacht geschieht.

- Entsprechend sollte der Blick vorrangig auf belastende Merkmale am Arbeitsort gerichtet werden. Auf diese Weise würden gesundheitsfördernde Effekte zugleich für Tagarbeit wie auch für Nacht- und Schichtarbeit erzielt. Diese Faktoren können vergleichsweise gut in positiver Weise beeinflusst werden. Hierauf haben Arbeitgeber maßgeblichen Einfluss.


 

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Olaf Struck
Otto-Friedrich-Universität Bamberg Professur für Arbeitswissenschaft
E-Mail: olaf.struck(at)uni-bamberg.de


Bearbeiter/in:

Matthias Dütsch
Otto-Friedrich-Universität Bamberg Professur für Arbeitswissenschaft
E-Mail: matthias.duetsch(at)uni-bamberg.de

 

Kontakt:

Dr. Yvonne Lott
Hans-Böckler-Stiftung Abt. Forschungsförderung
E-Mail: Yvonne-Lott(at)boeckler.de

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