Forschungsprojekt: Visionen und Best Practices für die digitale Transformation

Visionäre Handlungsorientierungen für Technikgestaltung in der gewerkschaftlichen Praxis

Projektziel

Ziel ist es, Methoden und konzeptionelle Debatten der Technik- und Zukunftsforschung für eine belegschaftszentrierten Gestaltung des digitalen Wandels fruchtbar zu machen. Dabei soll die Untersuchung von Technik-Aneignung und -Gestaltung in Genossenschaften und Vorreiterbetrieben den Ausgangspunkt für eine Weiterentwicklung von Mitbestimmung und den Ausbau von Gestaltungskompetenzen bieten.

Projektbeschreibung

1. Kontext

Die Gestaltung der Digitalisierung ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Gegenstand gesamtgesellschaftlicher wie gewerkschaftspolitischer Debatten avanciert. Nach der Hochzeit der sogenannten „Industrie 4.0“ Vision gibt es aktuell intensive Auseinandersetzungen über die Einführung von Künstlicher Intelligenz und die Folgen für Unternehmen und Betriebe. Die Geschwindigkeit und Eingriffstiefe des digitalen Wandels stellt dabei Belegschaften und ihre Interessensvertretungen vor wesentliche Herausforderungen.

Die Gewerkschaften sind in dieser Situation dazu aufgerufen, durch eine Weiterentwicklung von Mitbestimmungsinstrumenten die Handlungsfähigkeit der Belegschaften kontinuierlich zu stärken und hierfür auch neue, „visionäre“ Orientierungen und Methoden zu erschließen, die über etablierte Themensetzungen und Praxisformate betrieblicher Interessensvertretung hinausgehen.

2. Fragestellung

Das Projekt widmet sich der Frage, wie visionäre Gestaltungspraktiken, die alternativen betrieblichen Innovations- und Technikregimen entspringen (etwa im Genossenschaftswesen), für die Weiterentwicklung von Mitbestimmung im Kontext technologischen Wandels fruchtbar gemacht werden können. Diese übergreifende Fragestellung des Projektes wird in drei Teilfragestellungen konkretisiert:

• Welche visionären demokratischen Technikgestaltungspraktiken gibt es in genossenschaftlichen Betrieben?

• Welche Best Practices aus dem e Mitbestimmungskontext in Deutschland gibt es aber auch und wie können diese verallgemeinert und mit einem umfassenden demokratischen Anspruch verknüpft werden, um eine weitergehende Rolle von Belegschaften in Innovationsprozessen zu ermöglichen?

• Und zuletzt: Welche Handlungsstrategien bieten sich an, um einen solchen weitgehenden Gestaltungsanspruch sowie die entsprechende Mitbestimmungspraxis auf betrieblicher Ebene zu verankern?

3. Untersuchungsmethoden

Das Projekt verzahnt wissenschaftliche Analyse und transdisziplinäre Gestaltung des digitalen Wandels. Dazu werden Fallstudien und leitfadengestützte Interviews genutzt, um zu erheben, wie Technikgestaltung und -aneignung gelingen kann, wenn Belegschaften darin eine aktivere Rolle zukommen. Betrachtet werden insbesondere demokratisch organisierte Produktions- und Plattformgenossenschaften (z.B. Mondragón und CoopCycle). Zudem werden die Gelingensbedingungen und Zukunftspotenziale visionärer Gestaltungspraktiken durch die Analyse etablierter Best Practices im deutschen Kontext erhoben. Ausgehend von Literaturstudien führen wir vertiefende Fallstudien in drei Betrieben durch;

Erkenntnisse der ersten beiden Projektphasen werden im Rahmen von Zukunftswerkstätten und Strategie-Workshops in Zusammenarbeit mit betriebs- und gewerkschaftspolitischen Stakeholdern aufgearbeitet, um abschließend mögliche visionäre Handlungsstrategien als Handlungsleitfaden zu erstellen.

Projektleitung und Bearbeitung

Projektleitung

Philipp Frey
Karlsruher Institut für Technologie Institut für Technikfolgeabschätzung+Systemanalyse
philipp.frey@partner.kit.edu

Dr. Linda Nierling
Karlsruher Institut für Technologie Institut für Technikfolgeabschätzung+Systemanalyse
linda.nierling@kit.edu

Kontakt

Dr. Saskia Freye
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
Saskia-Freye@boeckler.de

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