Forschungsprojekt: Plattformarbeit und Datenschutz

Marktakteure, Problemlagen, Regulierungserfordernisse national und international

Projektziel

Das Projekt ist an der Schnittstelle von Wirtschafts- und Rechtswissenschaften verortet. Ziel ist es, Risiken und Regelungsbedarfe für den Datenschutz zu ermitteln, die durch digitale Crowd- und Gig-Working-Plattformen entstehen. Im Vergleich der Länder Deutschland, USA und China werden erstmals umfassend systematisch empirisch Probleme des Datenschutzes für Plattformarbeitende erforscht.

Veröffentlichungen

Mangold, Sonja und Sina Häusler, 2025. Datenschutz in der Gig Economy. Risiken und Regulierungserfordernisse, Arbeit und Recht, 4, S. 151-156.

Mangold, Sonja, 2023. Data privacy and digital work platforms in global perspective, Italian Labour Law E-Journal, 16, S. 109-125.

Hornuf, Lars, Sonja Mangold und Yayun Yang, 2023. Data Privacy and Crowdsourcing. A Comparison of Selected Problems in China, Germany and the United States, Cham: Springer Nature Switzerland, 149 Seiten.

Weitere Informationen

Dieses Projekt gehört zum Forschungsverbund „Digitale Transformation“.
https://www.boeckler.de/de/digitale-transformation-35531.htm

Projektbeschreibung

Kontext

Crowd- und Gigworking-Plattformen haben in den letzten Jahren weltweit einen rasanten Aufschwung erlebt. Nach derzeitigem Erkenntnisstand bergen Plattformgeschäfte immense neue Möglichkeiten der Sammlung persönlicher Daten und der Kontrolle des Leistungs- und Nutzungsverhaltens der über die Portale vermittelten Arbeitskräfte. Das Projekt hat empirisch erforscht, wie bei Plattformarbeit mit Datenschutzfragen umgegangen wird. Neben dem deutschen Markt wurden US-amerikanische und chinesische Anbieter betrachtet. Angesichts der zunehmenden Internationalisierung und des hohen Konkurrenzdrucks am Plattformmarkt lässt die globale Perspektive wichtige Rückschlüsse zu, welche Handlungsbedarfe und Regelungsstrategien im europäischen Raum in Hinblick auf den Datenschutz angezeigt sind. Dadurch ergeben sich wichtige Aufschlüsse, welche Folgen neuartige digitale Geschäftsmodelle für den Datenschutz im Arbeitskontext als unverzichtbaren Bestandteil "guter Arbeit" haben.

Fragestellung

Folgende Fragestellungen wurden im Rahmen des Projekts untersucht:

1. Welche strukturellen Merkmale weist der Plattformmarkt in Deutschland gegenwärtig auf? Welche Anbieter sind auf dem US-amerikanischen und chinesischen Markt aktiv? Welche Markentwicklungen sind für Deutschland zu erwarten?

2. Welche tatsächlichen Problemlagen bestehen für den Datenschutz bei Plattformarbeitsprozessen?

3. Wie ist die derzeitige Unternehmenspraxis in Deutschland, gemessen an normativ-rechtlichen Anforderungen zum Datenschutz, im internationalen Vergleich zu bewerten?

4. Welche flankierenden Maßnahmen sind vor allem EU rechtlich nötig, um künftig einen problemadäquaten Datenschutz für Crowd- und Gig-Worker:innen sicherzustellen?

Untersuchungsmethoden

Methodisches Hauptinstrument war eine Analyse der Datenschutzerklärungen deutscher, US-amerikanischer und chinesischer Plattformen. Zusätzlich dazu wurden weitere relevante Dokumente wie Allgemeine Nutzungsbedingungen herangezogen. Auf dieser Quellenbasis wurde eine Datenbank zum Umgang mit personenbezogenen Daten von Crowd- und Gig-Worker:innen erstellt. Bei der Auswertung des Datenmaterials wurde auf Methoden der deskriptiven und der multivariaten Statistik zurückgegriffen. Um die Kenntnisse zu Datenschutzrisiken zu vertiefen, wurden systematisch auf Portalen Benutzerkonten eingerichtet und zur teilnehmenden Beobachtung genutzt. Die so erforschte Unternehmenspraxis wurde anhand bestehender Datenschutzvorgaben (z.B. Transparenz, Datensparsamkeit) rechtlich beurteilt. Auf Basis der Befunde wurden problemadäquate Vorschläge zur Verbesserung des europäischen Datenschutzrahmens de lege ferenda erarbeitet.

Darstellung der Ergebnisse

Eine umfangreiche empirische Erhebung hat ergeben, dass der Markt für Crowdworking-Plattformen in Deutschland deutlich kleiner ist als in China oder den USA. Strukturell ist der deutsche Markt, wie auch der amerikanische, vor allem durch sogenannte Crowd Labor Markets geprägt. In China erfreuen sich Crowd Contests besonderer Beliebtheit. Sowohl inländische als auch ausländische Crowd- und Gig-Working-Plattformen sammeln ein breites Spektrum an Daten.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Datenschutz auf Crowdsourcing-Plattformen in den drei Ländern weisen jedoch erhebliche Unterschiede, aber auch einige Gemeinsamkeiten auf. In den USA gibt es bislang keine bundesweite Omnibus-Regulierung zum Schutz personenbezogener Daten. Der Bundesstaat Kalifornien hat ein der DSGVO ähnliches Verbraucherschutzgesetz erlassen. China begann nach Europa und den USA mit der Entwicklung seiner Datenschutzgesetze, die in einigen Teilen wiederum der DSGVO ähneln. Kennzeichnend für den chinesischen Ansatz ist das unterschiedliche Schutzregime für Persönlichkeitsrechte gegenüber privaten Akteuren und staatlichen Stellen.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Lars Hornuf
Technische Universität Dresden Fakultät Wirtschaftswissenschaften
Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre

Dr. Sonja Mangold
Universität Bremen Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

Bearbeitung

Sina Häusler
Technische Universität Dresden Fakultät Wirtschaftswissenschaften
Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre

Valeriia Khlopchyk
Technische Universität Dresden Fakultät Wirtschaftswissenschaften
Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre

Arved Steinhauer
Universität Bremen Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

Kontakt

Dr. Stefan Lücking
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung