Forschungsprojekt: (Räumliche) Beschäftigungseffekte zunehmenden Online-Handels

Projektziel

Die Digitalisierung des Einzelhandels und seiner Zulieferketten schreitet voran. Eine hohe Dynamik geht von großen (v.a. ausländischen) Online-Händlern aus. Zudem entstehen ‚hybride‘ Formen zwischen Online- und stationärem Handel, die Wareneinkauf, Logistik, Verwaltung und IT entlang der Wertschöpfungskette verändern. Das Projekt untersucht die Effekte auf lokale Arbeit und deren Gestaltung.

Veröffentlichungen

Fuchs, Martina, Peter Dannenberg, Tatiana López, Cathrin Wiedemann und Tim Riedler, 2022. Location-specific labour control strategies in online retail, ZFW - Advances in Economic Geography, S. 1-12.

Fuchs, Martina, Peter Dannenberg, Tim Riedler und Cathrin Wiedemann, 2021. Marktführer des Online-Handels. Wirkungen auf Arbeit und Beschäftigung in Deutschland, Study 463, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 56 Seiten.

Fuchs, Martina, Peter Dannenberg und Cathrin Wiedemann, 2021. Big Tech and Labour Resistance at Amazon, Science as Culture, S. 1-2.

Dederichs, Sebastian und Peter Dannenberg, 2021. Spatial change in German online food retailing: Examples from brick-and-mortar, pure-play and combined e-commerce, Raumforschung und Raumordnung. Spatial Research and Planning, S. 1-2.

López, Tatiana, Tim Riedler, Heiner Köhnen und Michael Fütterer, 2021. Digital value chain restructuring and labour process transformations in the fast-fashion sector: Evidence from the value chains of Zara & H&M, Global Networks, S. 1-17.

Dannenberg, Peter, Tim Riedler, Cathrin Wiedemann und Martina Fuchs, 2020. Digital Transition by COVID‐19 Pandemic? The German Food Online Retail, TESG Tijdschrift voor Economische en Sociale Geografie, S. 1-18.

Weitere Informationen

Dieses Projekt gehört zum Forschungsverbund „Die Ökonomie der Zukunft“.
http://www.boeckler.de/de/die-okonomie-der-zukunft-18476.htm

Prof. Dr. Martina Fuchs, Prof. Dr. Peter Dannenberg
https://portal.uni-koeln.de/universitaet/aktuell/presseinformationen/detail/online-lebensmittelhandel-nur-zeitweiser-schub-durch-coronamassnahmen

Projektbeschreibung

Kontext

Im Kontext eines harten Wettbewerbs schreitet die Digitalisierung des deutschen Einzelhandels und seiner Zulieferketten voran. Eine hohe Dynamik geht von großen Online-Händlern aus. Besonders aus den USA und China drängen neue Formen des Handels nach Deutschland; Online-Händler (wie Amazon und Alibaba) dominieren zunehmend den deutschen Markt. Dies verändert Beschäftigung und gefährdet Arbeitsplätze in bestehenden Einzelhandelswertschöpfungsketten. Aber der Online-Handel nimmt dem klassischen stationären Einzelhandel nicht einfach große Marktanteile ab. Es entstehen auch ‚hybride‘ Formen, die Online- und stationären Handel verbinden. Diese Prozesse verändern auch Wareneinkauf, Logistik, Verwaltung und IT entlang der Wertschöpfungskette. Das Projekt untersucht, wie Online-Handel und Hybridisierung die lokale Arbeit beeinflussen und wie diese Herausforderungen gestaltet werden können.

Fragestellung

Die zentrale Frage des Projekts lautet: Wie verändert der hybride und Online-Handel die Arenen lokaler Arbeit in den internationalen Einzelhandelswertschöpfungsketten und welche Möglichkeiten für arbeitsbezogenes Place-Making bieten sich für die beteiligten Akteure?

Es geht darum, wie dominante internationale Unternehmen neue Trends setzen und inwiefern sich dadurch lokale Arenen menschlicher Arbeit in Deutschland verändern. Zudem wird das Place-Making im Sinne bereits genutzter Handlungspotenziale und noch ungenutzter, aber erkennbarer Gestaltungsmöglichkeiten herausgearbeitet (im Sinne pro-aktiver, arbeitsorientierter Einbettung), an denen die Lead Firm in der Wertschöpfungskette, örtliche Geschäftsleitung, Beschäftigte, Betriebsrat, Gewerkschaft etc. beteiligt sind.

Untersuchungsmethoden

Methodisch erfolgten vertiefte Studien in deutschen Städten unterschiedlicher Größe und Arbeitsmarktsituation. Hierbei wurden Betriebe entlang der Wertschöpfungsketten des Hybrid- und Online-Handels auf Basis qualitativer Interviews mit Beteiligten und Experten untersucht. Es wurden drei dynamische Metropolen ausgewählt. Außerdem wurden weitere Regionen untersucht, um auch Standorte jenseits der Pionier-Lagen einzubeziehen und Regionen verschiedener Wachstumsdynamik bzw. Schrumpfung abzubilden. Es erfolgten an den verschiedenen Standorten 39 Experteninterviews mit Führungskräften und 11 mit Gewerkschafter*innen und Betriebsratsmitgliedern sowie 16 mit anderen regionalen Interessenvertretungen und 13 mit weiteren Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis.

Darstellung der Ergebnisse

Generell führt die Expansion des Onlinehandels dazu, dass die Unternehmen sehr schnelle und große Investitionen tätigen, um möglichst rasch eine starke Marktposition zu erreichen. Das ist verbunden mit einem hohen Zeit- und Kostendruck, der von den Kunden ausgehend die Wertschöpfungskette entlang strukturierend wirkt. Dennoch bestehen Spielräume dahingehend, wie Betriebe digitale Innovationen mit Blick auf Arbeit umsetzen. Darin liegen Ansatzpunkte für praktizierte Mitwirkung und Mitbestimmung. In den technisch-administrativen Bereichen sowie in den kleineren innerstädtischen Logistikzentren ist die digitale Kontrolle weniger ausgeprägt als in den großen Logistikzentren, die im Hinterland der Städte liegen; allerdings sind gerade dort Gewerkschaft und Betriebsrat aktiv. In der Auslieferungslogistik ist die technische Kontrolle ebenfalls hoch; auch hier nimmt gewerkschaftliche Organisierung und die Etablierung von Betriebsräten zu, erweist sich aber als schwieriger gerade aufgrund der hohen Fluktuation der Beschäftigten. Allgemein bildet die Technologiegestaltung in der lokalen Arena eine Herausforderung, da sie meist außerhalb der Reichweite deutscher Mitbestimmung erfolgt.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Peter Dannenberg
Universität zu Köln Wirtschafts- und Sozialwissenschaftl. Fakultät
p.dannenberg@uni-koeln.de

Prof. Dr. Martina Fuchs
Universität zu Köln Wirtschafts- und Sozialgeographisches Institut
fuchs@wiso.uni-koeln.de

Bearbeitung

Tim Riedler
Universität zu Köln Wirtschafts- und Sozialgeographisches Institut
WiSo-Fakultät
riedler@wiso.uni-koeln.de

Cathrin Wiedemann
Universität zu Köln Geographisches Institut
c.wiedemann@uni-koeln.de

Martina Krüger
Universität zu Köln Dezernat 7, Forschungsförderung
73 Nationale Förderung
m.krueger@verw.uni-koeln.de

Kontakt

Christina Schildmann
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
Christina-Schildmann@boeckler.de

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