Forschungsprojekt: Zeitarbeitsfirmen im Wandel zur Beschäftigungsindustrie?

Projektziel

Global führende Zeitarbeitsfirmen weiten aktuell ihr Geschäftsfeld systematisch aus und stellen sich als umfassende Personaldienstleister für flexibilisierte Arbeit neu auf. Mit ihren Diversifizierungsstrategien entwickeln sie sich vom spezialisierten Anbieter von Leiharbeit zum breit aufgestellten Dienstleister innerhalb einer wachsenden Beschäftigungsindustrie.

Veröffentlichungen

Pongratz, Hans J., 2021. Die digitale Beschäftigungsindustrie als global expandierende Branche, WSI Mitteilungen, 74(4), S. 263-273.

Pongratz, Hans J., 2021. Bewerbung als Risiko?. Informationskontrolle auf dem digitalisierten Arbeitsmarkt, WISO Direkt 23, [online] https://www.fes.de/abteilung-wirtschafts-und-sozialpolitik/artikelseite-wiso/bewerbung-als-risiko, zuletzt abgerufen am 17.08.2021, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung , 4 Seiten.

Weitere Informationen

Dieses Projekt gehört zum Forschungsverbund „Die Ökonomie der Zukunft“.
http://www.boeckler.de/de/die-okonomie-der-zukunft-18476.htm

Projektbeschreibung

1. Kontext

Zeitarbeitsfirmen bieten zunehmend die Vermittlung und Nutzung verschiedenster Formen von Arbeitskraft an: von befristeten Anstellungen und Interim-Management über Leiharbeit und Werkverträge bis hin zu Freelancern und Online-Arbeitenden (Crowdworking). Damit reagieren sie auf den erhöhten Bedarf an qualifizierten Fachkräften und auf Strategien des flexibilisierten Personaleinsatzes durch die Arbeitgeber. Neuartige Prozesse und Strukturen der Vermittlung von Arbeitskraft können unter Einsatz von Verfahren künstlicher Intelligenz flexible Beschäftigung wesentlich erleichtern. Eine solche Verlagerung der Kontrolle über Verfahren der Personalrekrutierung ist von enormer arbeits- und sozialpolitischer Relevanz. Sie kann weitreichende Auswirkungen auf die Personalarbeit in den Kundenunternehmen, die gesellschaftlichen Mitbestimmungsmöglichkeiten und die Vermittlungsaufgaben der Arbeitsagenturen haben.

2. Fragestellung

Das Projekt dokumentiert die neuen Unternehmensstrategien der Zeitarbeitsfirmen und erforscht ihre Ursachen und treibenden Kräfte. Die Untersuchungsfragen richten sich sowohl auf die Zielsetzungen und Maßnahmen der Firmen als auch auf den Wandel der Diskurse und strategischen Leitbilder in der Branche. Auf dieser Grundlage werden künftige Entwicklungspotenziale der Beschäftigungsindustrie einzuschätzen und die sozialen und ökonomischen Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt und seine zentralen Akteure abzuklären versucht. Da von diesem Wandel Verschiebungen der Machtbeziehungen am Arbeitsmarkt zu erwarten sind, werden auch Gegenbewegungen und alternative Entwicklungspfade in die Untersuchung einbezogen. Geprüft werden zudem Ergänzungen des begrifflich-analytischen Instrumentariums, etwa mit der theoretischen Konzeption von Intermediären am Arbeitsmarkt („labour market intermediaries“), um die gesellschaftspolitische Tragweite dieser Entwicklung angemessen interpretieren zu können.

3. Untersuchungsmethoden

Da es noch wenig Forschung zu den Unternehmen der Zeitarbeit gibt, wird ein exploratives Forschungsdesign mit mehreren Runden von Dokumentenanalysen und Experteninterviews gewählt. Das Vorgehen umfasst vier Analyseschwerpunkte: (a) vergleichende Intensivfallstudien der Strategien der beiden in Deutschland und weltweit führenden Zeitarbeitsfirmen, Randstad und Adecco, (b) Kontextanalysen zur globalen Entwicklung unter Einbeziehung relevanter Positionen großer Unternehmensberatungen und Internet-Konzerne, (c) konkurrierende und alternative Geschäftsmodelle von mittelständischen Firmen und Genossenschaften in Deutschland sowie (d) die Folgen für die Personalarbeit und die betriebliche Mitbestimmung in den Kundenunternehmen. Auf dieser empirischen Grundlage werden mehrere realistische Entwicklungsszenarien erarbeitet. In Transfer-Workshops mit Gewerkschaften und Verbänden werden diese Szenarien hinsichtlich ihres gesellschaftspolitischen Gestaltungsbedarfs überprüft.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Stephan Lessenich
Ludwig-Maximilians-Universität München Institut für Soziologie
lessenich@soz.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Hans J. Pongratz
Ludwig-Maximilians-Universität München Institut für Soziologie
hans.pongratz@lmu.de

Bearbeitung

Laura Späth
Ludwig-Maximilians-Universität München Institut für Soziologie
laura.spaeth@soziologie.uni-muenchen.de

Dr. Ana Cárdenas Tomazic
Ludwig-Maximilians-Universität München Institut für Soziologie
ana.cardenas@soziologie.uni-muenchen.de

Kontakt

Dr. Barbara Fulda
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
barbara-fulda@boeckler.de

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