Forschungsprojekt: ÖPNV zwischen Gemeinwohl und Kommerz

Projektziel

Das Projekt „ÖPNV zwischen Gemeinwohl und Kommerz“ untersuchte den Wandel der Wertschöpfung und Geschäftsmodelle im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), wenn dieser durch neue Mobilitätsdienstleistungen erweitert wird. Im Fokus standen aktuelle Treiber, aber auch zukünftige Wirkungszusammenhänge, Veränderungspotenziale und Gestaltungsoptionen sowie Folgen für Arbeit und Beschäftigung.

Veröffentlichungen

Kollosche, Ingo, Rafael Oehme, Wolfgang Schade, Christian Scherf, Marcel Streif und Dirk Thomas, 2022. Der Wert des ÖPNV zwischen Gemeinwohl und Kommerz. Wandel der Wertschöpfung durch neue Mobilitätsdienstleistungen, Working Paper Forschungsförderung 255, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 185 Seiten.

Zwiers, Jakob, Lisa Büttner, Siegfried Behrendt, Ingo Kollosche, Christian Scherf, Simon Mader und Wolfgang Schade, 2021. Wandel des öffentlichen Verkehrs in Deutschland. Veränderung der Wertschöpfungsstrukturen durch neue Mobilitätsdienstleistungen. Eine Transformationsanalyse aus der Multi-Level-Perspektive, Study 451, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 114 Seiten.

Zwiers, Jakob, Lisa Büttner, Siegfried Behrendt, Ingo Kollosche, Wolfgang Schade, Christian Scherf und Simon Mader, 2021. Treiber und Getriebener – Thesen zum Wandel des ÖPNV, Internationales Verkehrswesen, 73(1), S. 54-57.

Weitere Informationen

Dieses Projekt gehört zum Forschungsverbund „Die Ökonomie der Zukunft“.
http://www.boeckler.de/de/die-okonomie-der-zukunft-18476.htm

Projektbeschreibung

Kontext

Durch Automatisierung, Digitalisierung, Elektrifizierung und Dekarbonisierung steht der Personenverkehr an der Schwelle eines umfassenden Wandels. Dies führt zu Veränderungen in der Wertschöpfung des ÖPNV, die unter anderem durch die digitale Vernetzung von Dienstleistungen als auch durch die Neuorganisation der Verkehrsmittelnutzung hervorgerufen werden. Der Privatsektor ist dabei ein wichtiger Treiber: kommerzielle Fahrdienstvermittler und Internetkonzerne sowie zahlreiche Start-up-Unternehmen arbeiten an neuen Mobilitätslösungen. Doch nicht nur die Akteure ändern sich: Der Transformationsprozess in der Personenbeförderung wird auch durch neue Angebots- und Nachfragefaktoren bestimmt. Daraus ergeben sich verschiedene Typen von Geschäftsmodellen des ÖPNV in Konkurrenz, aber auch in Kooperation mit neuen Anbietern. Die Verteilung von Chancen und Risiken beeinflusst die Standards guter Arbeit und Beschäftigung.

Fragestellung

Die zentrale Frage lautete, welche Akteure und Treiber die Transformation hin zu neuen Wertschöpfungsformen und Geschäftsmodelltypen bewirken: Welche quantitativen und qualitativen Effekte rufen diese Änderungen im ÖPNV hervor? Im Einzelnen wurde danach gefragt, wie neue Mobilitätsdienstleistungen den Wettbewerb hinsichtlich Wertschöpfungsverteilung und Standardsetzung verändern. Welche Folgen hat die veränderte Wertschöpfung auf den deutschen ÖPNV in der Zukunft? Weiterführende Fragen betrafen Empfehlungen für Anbieter und Beschäftigte: Was sollten Governance-Arrangements enthalten, um die sozialökonomische Chancen zu ergreifen und Risiken zu erkennen?

Untersuchungsmethoden

Zur Identifikation von Transformationspfaden diente das Technological-Transition-Modell, auch bekannt als Mehr-Ebenen- bzw. Multi-Level-Perspektive, nach Frank W. Geels. Damit wurde die aktuelle Lage des ÖPNV vor dem Hintergrund seiner bisherigen Transformationsdynamik beschrieben. Die heutigen Wertschöpfungskomponenten des ÖPNV wurden den Elementen des Business-Modells CANVAS nach Alexander Osterwalder und Yves Pigneur zugeordnet. Auf Basis von Web-Recherchen, Online-Befragungen und Interviews wurde eine Typologie von Geschäftsmodellen entwickelt. Drei Zukunftsszenarien beschreiben die Spannbreite möglicher Variationen des ÖPNV-CANVAS sowie Entwicklungspfade der Geschäftsmodelltypen. Den Abschluss bildeten Potenzialanalysen und Governance-Empfehlungen, deren sozialökonomische Chancen- und Risikoverteilung in einem Workshop mit Fachleuten und Stakeholdern diskutiert wurden.

Darstellung der Ergebnisse

Als zentraler Treiber der Wertschöpfungsänderung wurde die Grenzverschiebung zwischen abweichenden Markt- und Regulierungssphären innerhalb bzw. außerhalb des ÖPNV identifiziert. Die zukünftige Entwicklung hängt davon ab, in welche Richtung sie erfolgt: Wird der ÖPNV kommerzieller oder die anderen Mobilitätsdienste gemeinwohlorientierter? Dies ist auch eine betriebswirtschaftliche Systemgrenze, die z. B. die Finanzierung öffentlicher Infrastrukturen betrifft. Allerdings zeigt sich auch, dass der Übergang zwischen Gemeinwohl und Kommerz immer fließender wird, da sich die Handlungslogiken gegenseitig durchdringen. Hingegen tritt der Gegensatz „Konfrontation versus Kooperation“ zwischen heterogenen Mobilitätsanbietern in den Vordergrund. Es besteht daher ein hoher Bedarf an begleitender und vergleichender Forschung zu den Erfolgsbedingungen kollaborativer Angebote. Als wichtige Rahmenakteure sollten die Kommunen einbezogen werden, da sowohl die Konfrontation als auch die Kooperationsformen ortsspezifisch sind. Das Ziel sollte eine integrative, kommunale Verkehrsplanung im Zusammenwirken zwischen öffentlicher Verwaltung, klassischem ÖPNV und neuen Anbietern sein.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Dr. Christian Scherf
M-Five GmbH Mobility, Futures, Innovation, Economics
christian.scherf@m-five.de

Ingo Kollosche
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH
i.kollosche@izt.de

Prof. Dr. Stephan Rammler
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH
s.rammler@izt.de

Dr. Wolfgang Schade
M-Five GmbH Mobility, Futures, Innovation, Economics
wolfgang.schade@m-five.de

Bearbeitung

Dr. Siegfried Behrendt
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH
s.behrendt@izt.de

Marcel Streif
M-Five GmbH Mobility, Futures, Innovation, Economics
marcel.streif@m-five.de

Jakob Zwiers
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH
j.zwiers@izt.de

Dirk Thomas
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH
d.thomas@izt.de

Lisa Steck
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH
l.steck@izt.de

Kontakt

Christina Schildmann
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
Christina-Schildmann@boeckler.de

Der Beitrag wurde zu Ihrerm Merkzettel hinzugefügt.

Merkzettel öffnen