Forschungsprojekt: Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung

Erwerbssituation, Einstellungen und Änderungswünsche. Analysen auf der Basis des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP)

Projektziel

Im Projekt wird anhand repräsentativer Haushalts- und Personendatensätze die Arbeitsmarktsituation von Fachkräften in der Kindertagesbetreuung analysiert. Dies erfolgt auch im Vergleich mit anderen Berufsgruppen, die eine ähnliche Ausrichtung haben. Neben der Analyse der Erwerbssituation von frühpädagogischen Fachkräften werden auch deren Zufriedenheiten, Belastungen und Präferenzen beleuchtet.

Veröffentlichungen

Spieß, C. Katharina und Johanna Storck, 2016. Fachkräfte in der frühen Bildung - Erwerbssituation, Einstellungen und Änderungswünsche. Eine Analyse auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und Familien in Deutschland (FiD), Working Paper Forschungsförderung 9, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 112 Seiten.

Spieß, C. Katharina und Franz G. Westermeier, 2016. Berufsgruppe „Erzieherin“: Zufrieden mit der Arbeit, aber nicht mit der Entlohnung, DIW Wochenbericht, 83(43), S. 1023-1033.

Spieß, C. Katharina und Franz G. Westermeier, 2016. Berufsgruppe „Erzieherin“: Zufrieden mit der Arbeit, aber nicht mit der Entlohnung, DIW Wochenbericht, 43, S. 1023-1033.

Wittenberg, Erich, 2016. Sechs Fragen an C. Katharina Spieß. »Berufsgruppe Erzieherin: Wie zufrieden sind sie mit ihrer Arbeit und wie empfinden sie ihre Arbeitsbelastung? «, DIW Wochenbericht, 43, S. 1034.

Projektbeschreibung

1. Kontext

Nachdem in den letzten Jahren vielfach über den quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung diskutiert wurde, steht seit einiger Zeit der qualitative Ausbau im Vordergrund. Die pädagogische Qualität und die Kompetenzen des frühpädagogischen Personals sind dabei elementarer Bestandteil. Im Gegensatz dazu scheint das Berufsbild der Erzieher/innen und Kinderpfleger/innen in der Öffentlichkeit nach wie vor geprägt von Eigenschaften, welche wenig von Kompetenz und Professionalität geprägt sind. Wenn es künftig darum gehen soll, Maßnahmen zu entwickeln, um mehr pädagogische Fachkräfte für den frühkindlichen Bereich zu gewinnen, ist es notwendig, dass ausreichende und systematische Kenntnisse über die objektiven und subjektiven Merkmale von Erwerbstätigen in diesem Bereich vorliegen. Hier setzt die vorliegende Studie an - ausgehend davon, dass Maßnahmen der Fachkräftegewinnung nur dann effektiv sind, wenn sie den Besonderheiten der (potenziellen) Beschäftigten angepasst sind.

2. Fragestellung

In dem Forschungsprojekt werden zum einen die soziodemografischen Merkmale und die Erwerbsituation von Fachkräften in der frühen Bildung untersucht. Zum anderen werden ihre Arbeitsmarktpräferenzen in Abhängigkeit ihrer soziodemografischen Merkmale, Persönlichkeitsmerkmale und familiären Situation analysiert. Korrelationen zwischen diesen Merkmalen und den Erwerbspräferenzen können Hinweise darauf geben, wo anzusetzen ist, um "gute Arbeit" zu etablieren. Gleichzeitig wird der Frage nachgegangen, inwieweit Belastungen und Beanspruchungen des Personals in der frühen Bildung als überdurchschnittlich empfunden werden. Hierzu wird dargestellt, inwieweit sich die Bewertung des Berufsfeldes durch die Fachkräfte von denen anderer Berufsgruppen unterscheidet. Es werden Merkmale der pädagogischen Fachkräfte in der frühen Bildung verglichen mit denen von Fachkräften in anderen Berufen sowie mit der Gruppe der Gesamtheit der erwerbstätigen Frauen mit einem beruflichen Ausbildungsabschluss.

3. Untersuchungsmethoden

Das Projekt ergänzt das von der HBS geförderte Projekt "Kontinuierliche Erwerbstätigkeit in der Kindertagesbetreuung" durch quantitative Analysen auf der Basis repräsentativer Daten eines Haushalts- und Personenpanels. Mit den untersuchten Längsschnittsdaten können auch Erwerbsverläufe nachgezeichnet und damit die Erwerbssituation der Fachkräfte detailliert beschrieben werden. Eine Besonderheit der Daten liegt darin, dass sie eine Betrachtung von Persönlichkeitseigenschaften (Fünf-Faktoren-Modell) ermöglichen. Diese geben Hinweise auf Präferenzen von Individuen und hängen entsprechend mit Erwerbsentscheidungen und deren subjektiver Bewertung zusammen. Ein weiteres Modell - das "Effort-Reward-Modell" nach Siegrist (1996, 2002) - wird zur Messung der Belastungen im Beruf genutzt. Es werden bivariate und multivariate Analysen durchgeführt.

4. Darstellung der Ergebnisse

Die Analysen umfassen ein breites Spektrum von empirisch gewonnenen Erkenntnissen. Unter anderem wird deutlich, dass die Einstellungen der Fachkräfte in der frühen Bildung, die sich auch in ihrer Persönlichkeit widerspiegeln, eine hohe Passung mit dem Berufsfeld aufweisen. Hinzu kommt eine relativ hohe Arbeitszufriedenheit auf der einen Seite, aber auch eine relativ hohe Belastung mit erwerbsbezogenen Anforderungen auf der anderen Seite. Zwar kann von keiner "Gratifikationskrise" bei Fachkräften in der frühen Bildung ausgegangen werden. Allerdings zeigen die Befunde, dass die Personalverantwortlichen durchaus beobachten sollten, inwiefern das "Effort-Reward-Verhältnis" dieser Personen sich verschlechtert, da dies mit einem kurz- oder längerfristigen Ausstieg aus dem Beruf verbunden sein könnte. Bemerkenswert ist auch, dass einigen Fachkräften eine erwerbsbezogene Anerkennung und Karrieremöglichkeiten fehlen. Von fast jeder zweiten Fachkraft wird das Gehalt als nicht angemessen bewertet.

Projektleitung und Bearbeitung

Projektleitung

Dr. Johanna Storck
DIW Berlin Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
jstorck@diw.de

Prof. Dr. C. Katharina Spieß
DIW Berlin Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. Abteilung Bildung und Familie
kspiess@diw.de

Kontakt

Dr. Dorothea Voss
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
dorothea-voss@boeckler.de

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