Mitbestimmung in ausländischen Unternehmen in Deutschland

Mitbestimmungsverhalten, betriebliche Interessenvertretung, Interessenregulierung und Arbeitsbeziehungsmuster in ausländischen Unternehmen in Deutschland


Forschungsschwerpunkt: Mitbestimmung

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.03.2017

Projektnummer: 2014-707-2

Projektziel:

Inwieweit sind Mitbestimmungsprobleme bei ausländischen Töchtern deutscher Unternehmen Einzelfälle oder die Regel? Welche Einflussfaktoren gibt es und welche Strategien verfolgen betriebliche und gewerkschaftliche Interessenvertretungen? Diesen Fragen ging das Projekt mithilfe einer vergleichenden Fallstudie und einer repräsentativen Befragung des Managements ausländischer Konzerntöchter nach.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Verglichen mit der großen Bedeutung, die ausländische Tochterunternehmen in Deutschland erlangt haben, war die wissenschaftliche Beschäftigung mit Fragen des Mitbestimmungsverhaltens in diesen Unternehmen lange Zeit begrenzt geblieben. Die wenigen dazu verfügbaren Studien waren veraltet, beruhten auf kleinen, nicht repräsentativen Stichproben, und hatten eine höchst selektive Datenbasis. Es war nicht zuletzt die geringe wissenschaftliche Fundierung des Themas, die zu einer polarisierten, sachlich häufig inadäquaten politischen Debatte um das Mitbestimmungsverhalten ausländischer Unternehmen in Deutschland geführt hat. Das Projekt hatte zum Ziel zu einer Versachlichung und Weitentwicklung dieser Debatte beizutragen.

2. Fragestellung

Das Projekt hat zwei komplementäre Fragestellungen bearbeitet. Gefragt wurde zum einen nach den Konturen betrieblicher Interessenvertretung und tarifvertraglicher Einbindung ausländischer Tochtergesellschaften in Deutschland. Alle wesentlichen Aspekte individueller und kollektiver Arbeitsbeziehungen wurden dabei abgefragt und analysiert. Ziel war es, Betriebsgrößen-, Herkunftsland-, Branchen- und Lerneffekte zu ermitteln. Zum anderen ist das Projekt arbeitsbeziehungsrelevanten Problemen und Konflikte in ausländischen Tochterunternehmen in Deutschland nachgegangen. Untersucht wurden auch die von betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretungen verfolgten Strategien, etwa hinsichtlich der hier oft problematischen Informationsbeschaffung und -bewertung oder hinsichtlich der Beziehungsgestaltung mit dem lokalen Management.

3. Untersuchungsmethoden

Aufbauend auf bestehende Erhebungen (etwa die WSI-Betriebsrätebefragung) wurde in einer repräsentativen Telefonumfrage das Management ausländischer Tochtergesellschaften mit mindestens 20 Beschäftigten befragt. Insgesamt konnten 863 verwertbare Befragungen durchgeführt werden, die mit Hilfe mulitvariater Regressionsanalysen und komparativer Analysen ausgewertet wurden:

Vertiefend dazu wurden im Projekt Fallstudien in 21 systematisch ausgewählten ausländischen Tochtergesellschaften in Deutschland durchgeführt. Der Datenzugang erfolgte hier über 50 habstrukturierte Interviews mit dem lokalen Management sowie den betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretern. Hinzukam die Analyse von betriebsbezogenen Sekundärdaten.

4. Darstellung der Ergebnisse

In der Gesamtschau ergab die Managementumfrage über alle Herkunftsländer hinweg einen positiven Umgang mit Mitbestimmungsfragen. Insgesamt zeichnen sich die Arbeitsbeziehungen durch ein gutes Arbeitsbeziehungsklima und eine relativ geringe Konflikthaftigkeit aus. Das Verhältnis zwischen Management und Betriebsrat schien in der überwiegenden Mehrheit der ausländischen Firmen kooperativ zu sein. Allerdings hat der Betriebsrat generell nur einen mittelmäßigen Einfluss auf Entscheidungen der Geschäftsleitung. Es ergaben sich keine signifikanten Herkunftslandeffekte.

Die Fallstudienuntersuchung, die auch auf Informationen der Abreitnehmerseite beruht, ist hingegen zu einer etwas kritischeren Einschätzung gekommen. Es wurden vier typische Ausprägungen von Arbeitsbeziehungen in ausländischen Tochtergesellschaften ermittelt. Darüber hinaus haben sich diverse internationalisierungsspezifische Konfliktanlässe gezeigt und Konflikte sind verstärkt in Konzerntöchter anglo-amerikanischer Konzerne aufgetreten. Dies verweist auf die Notwenigkeit die repräsentative Managementbefragung durch eine entsprechende Befragung betrieblicher Interessenvertreter zu ergänzen.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Christoph Dörrenbächer

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin School of Economics and Law

doerrenbaecher@hwr-berlin.de

Prof. Heinz-Josef Tüselmann

Manchester Metropolitan University Business School

All Saints Campus

h.tuselman@mmu.ac.uk

Bearbeiter/in:

Dr. Heinz-Rudolf Meißner

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin School of Economics and Law

hrmeissner@online.de

Dr. Qi Cao

Manchester Metropolitan University Business School

q.cao@mmu.ac.uk

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

stefan-luecking@boeckler.de

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