Arbeitsbeziehungen Wind

Institutionalisierung von kollektiven Arbeitsbeziehungen in der deutschen Windenergiebranche?


Forschungsschwerpunkt: Mitbestimmung

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.12.2016

Projektnummer: 2013-678-2

Projektziel:

Über die arbeitspolitischen Besonderheiten in Unternehmen der erneuerbaren Energiewirtschaft ist vergleichsweise wenig bekannt. Das Forschungsprojekt untersucht daher auf welche Weise sich arbeitspolitische Institutionen in der Windkraftbranche herausbilden und inwieweit inner- und überbetriebliche Kontextbedingungen sowie die energiepolitischen Rahmenbedingungen auf diese Entwicklung einwirken.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Gegenüber den Veränderungsprozessen der Personal- und Arbeitspolitik in etablierten Branchen bieten Studien über sich neu herausbildende Branchen die Gelegenheit, den Entstehungs- und Formierungsprozessen betrieblicher Beschäftigungssysteme einschließlich der Herausbildung und Veränderung arbeitspolitischer Institutionen nachzuspüren. Ein wichtiges Element solcher dynamischen Branchen ist, dass die organisatorischen Grenzziehungen zwischen verschiedenen Wertschöpfungsstufen noch im Fluss sind. Die als innovativ geltende Windenergiebranche ist ein prototypischer Fall für eine neuartige Branche, in der sich die Personal- und Arbeitspolitik nicht unbedingt entlang etablierter Muster vollzieht, sondern als eine komplexe Gemengelage von alten und neuen Elementen darstellt.

2. Fragestellung

Im Fokus des Forschungsprojekts steht die Frage, auf welche Weise sich die Personalpolitik in der vergleichsweise neuen Windenergiebranche entwickelt und welche Bedeutung in diesem Zusammenhang der Herausbildung von arbeitspolitischen Institutionen zukommt. Diese übergeordnete Frage beinhaltet folgende Unteraspekte: Inwieweit beeinflussen politische (EEG) und wirtschaftliche (etwa Eigentums- und Wettbewerbssituation) Kontextfaktoren die Personalpolitik der Unternehmen und den Prozess der Institutionalisierung von Arbeitsbeziehungen? Wie lässt sich der Stellenwert von Personal- und Arbeitspolitik in den Geschäftsmodellen der Unternehmen der Windenergiebranche einordnen? Welche Standards der sozialen Nachhaltigkeit streben die Unternehmen dabei an und inwieweit können sie diese auch einhalten? Welche Rolle spielen die klassischen arbeitspolitischen Akteure bei der Institutionalisierung kollektiver Arbeitsbeziehungen in der Windenergiebranche?

3. Untersuchungsmethoden

Ziel des Projektes ist es, durch einen systematischen Vergleich führender Windkraftanlagenhersteller die folgenden Aspekte zu untersuchen:

- Einbettung der Unternehmen in das wirtschafts-, energie- und umweltpolitische Umfeld,

- Eigentumsstrukturen und Verflechtungen innerhalb und außerhalb der Branche,

- Unternehmensstrategien und typische Geschäftsmodelle sowie

- die damit verbundenen personalpolitischen Praktiken, einschließlich des Praktiken des arbeitspolitischen Interessenausgleichs.

Dabei setzt das Vorhaben auf einen Methodenmix, der zum einen - im Sinne einer qualitativen Netzwerkforschung - ausgehend von zentralen Unternehmen die Arbeits- und Personalpolitik auf verschiedenen Wertschöpfungsstufen über interviewbasierte Unternehmensfallstudien erschließt. Zum anderen wird mit Hilfe von Sekundäranalysen das politische und marktliche Wettbewerbsumfeld ausgeleuchtet und dient der Ermittlung überbetrieblicher Kontextfaktoren sowie energiepolitischen Rahmenbedingungen.

4. Darstellung der Ergebnisse

Angesichts der Größe und Entwicklung der Unternehmen in der Branche erscheint die Erklärung „einer noch jungen Branche im Entwicklungsstadium“ als nicht ausreichend für die Frage nach der unterschiedlichen Ausgestaltung kollektiver Arbeitsbeziehungen. Obgleich im Vergleich mit dem sonstigen Maschinen- und Anlagebau unterentwickelt, lässt sich trotz bedeutsamer Ausreißer für den Windanlagenbau ein Entwicklungsprozess in Bezug auf die kollektiven Arbeitsbeziehungen erkennen. Eine Institutionalisierung von kollektiven Arbeitsbeziehungen im deutschen Windanlagenbau findet den Ergebnissen zufolge jedoch vor allem bottom-up in den einzelnen Unternehmen statt. Dieser Entwicklungsprozess ist zwar in allen betrachteten Organisationen zu erkennen, vollzieht sich jedoch in Abhängigkeit von früheren Imprints, Ausgangsniveaus und den wirksamen Prozessen im Sinne einer arbeits- und personalpolitischen Agency in den Unternehmen unterschiedlich schnell. Es kann gesagt werden, dass die gewerkschaftliche Initiative in Organisationen und der Branche, Handlungsdruck auf Arbeitgeberseite ausgelöst hat; allerdings sind disruptive Wechsel in der Personalpolitik nicht zu beobachten.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Miranda Schreurs

Freie Universität Berlin Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU)

Miranda.Schreurs@fu-berlin.de

PD Dr. Lutz Mez

Freie Universität Berlin Berlin Centre for Caspian Region Studies (BC CARE)

lutz.mez@fu-berlin.de

Prof. Dr. Jörg Sydow

Freie Universität Berlin Fachbereich Wirtschaftswissenschaft

Management Department

joerg.sydow@fu-berlin.de

Bearbeiter/in:

Dr. Markus Helfen

Freie Universität Berlin Department of Management

HRM & Labor Politics

markus.helfen@fu-berlin.de

Manuel Nicklich

Freie Universität Berlin Fachbereich Wirtschaftswissenschaft

Management Department

manuel.nicklich@fu-berlin.de

Michael Krug

Freie Universität Berlin Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU)

mikru@zedat.fu-berlin.de

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

stefan-luecking@boeckler.de

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