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Beschäftigung: Teilzeit auf dem Vormarsch

Ausgabe 07/2016

Die atypische Beschäftigung nimmt zu. Das liegt an mehr Teilzeitjobs und Leiharbeit. Die Zahl der Minijobs geht hingegen zurück.

Rund 39 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Deutschland waren 2015 in Teilzeit, Leiharbeit oder Minijobs tätig. Zwar stieg auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit, noch stärker hat allerdings die atypische Beschäftigung zugenommen. Im Vergleich zum Vorjahr nahm der Anteil der atypischen Jobs um 0,4 Prozentpunkte zu – er befindet sich auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren, wie die WSI-Datenbank „Atypische Beschäftigung“ zeigt. „Insbesondere die Zahl der Teilzeit- und Leiharbeiter hat zugenommen“, sagt Toralf Pusch, Arbeitsmarktexperte des WSI.

Das WSI wertet für seine Datenbank Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) aus, die als einzige Quelle alle abhängig Beschäftigten regional differenziert registriert. Der vom WSI berechnete Anteil fällt höher aus als die vom Statistischen Bundesamt berichtete Quote. Dies liege an einer umfangreicheren Erfassung von Teilzeitarbeit durch die BA, erklärt Pusch. Außerdem seien Schüler, Studenten und Rentner bei den Zahlen des Statistischen Bundesamtes ausgeklammert.

Am stärksten verbreitet ist atypische Beschäftigung in den westdeutschen Flächenländern: Schleswig-Holstein kommt mit 43,1 Prozent auf den höchsten Wert, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 42,2 und Niedersachsen mit 41,7 Prozent. Auf Stadt- und Kreisebene weist Delmenhorst mit 54,1 Prozent die höchste Quote atypischer Jobs auf. Auch in den Kreisen Osterholz, Neustadt an der Weinstraße, Kusel, Rhein-Pfalz-Kreis und Landshut liegt die Quote über 50 Prozent. Im Osten Deutschlands sind die Werte meist deutlich niedriger. Pusch führt dies auf andere Erwerbsmuster bei Frauen zurück. Dass Frauen im Westen deutlich häufiger atypisch beschäftigt sind, liege unter anderem an traditionellen Rollenbildern sowie an unzureichenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Am niedrigsten ist der Anteil atypischer Beschäftigung auf Länderebene in Thüringen mit 36 Prozent. Auf den mit Abstand niedrigsten Wert unter den Städten und Kreisen kommt Wolfsburg mit 23,1 Prozent.

Den WSI-Daten zufolge arbeiten etwa 22,4 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Teilzeitjobs. Diese Gruppe macht den größten Anteil der atypischen Beschäftigung aus. Längst nicht jede Teilzeitbeschäftigung sei prekär, betont Pusch. Doch häufig entspreche Teilzeit nicht den eigentlichen Wünschen der Beschäftigten. Der Anteil der besonders schlecht bezahlten und abgesicherten Minijobber im Haupterwerb ging erstmals seit längerem merklich zurück – er sank um 0,7 Prozentpunkte auf 14,4 Prozent an der Gesamtbeschäftigung.

 

Was ist Teilzeitarbeit?

Nach der gesetzlichen Definition liegt Teilzeitbeschäftigung vor, wenn die regelmäßige Wochenarbeitszeit eines Arbeitnehmers kürzer ist als die einer vergleichbaren Vollzeitkraft im selben Betrieb. Nach dieser Definition richten sich die Bundesagentur für Arbeit und auch das WSI. Das Statistische Bundesamt spricht hingegen von Teilzeit, wenn die wöchentliche Arbeitszeit weniger als 21 Stunden beträgt.

WSI-Datenbank „Atypische Beschäftigung“
Link zur Datenbank

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